Luzerner Stadtrat will Elektroautos nicht fördern

SP und Grüne wollen in der Stadt Luzern die E-Mobilität pushen. Doch der Stadtrat mahnt: ein Auto ist ein Auto – auch wenn es elektrisch fährt.

Robert Knobel
Hören
Drucken
Teilen
In Luzern gibt es erst eine Handvoll Ladestationen für Elektroautos.

In Luzern gibt es erst eine Handvoll Ladestationen für Elektroautos.

Christian Beutler / KEYSTONE

Klimafreundliche Elektroautos sind auch auf Luzerner Strassen ein zunehmend vertrautes Bild. Eine umfassende «E-Mobilitätsstrategie» soll dieser Entwicklung in der Stadt Luzern noch stärkeren Schwung verleihen – das fordern SP und Grüne im Stadtparlament mit einer Motion. Geprüft werden soll auch eine Privilegierung von Elektroautos im Stadtverkehr, beispielsweise mit Exklusiv-Parkplätzen, auf denen nur elektrisch betriebene Fahrzeuge parkieren dürfen. Denkbar wären gemäss SP und Grünen auch separate Fahrbahnen für Elektroautos, ähnlich wie es dies bei öffentlichen Bussen schon gibt.

2019 gab es im Kanton Luzern 1294 Elektroautos:

Der Stadtrat steht solchen Ideen allerdings skeptisch gegenüber, wie er in seiner Antwort auf die Motion schreibt. Denn eine allzu starke Förderung von Elektroautos würde letztlich eine Förderung des Individualverkehrs bedeuten – und dies widerspreche der bisherigen Verkehrspolitik, welche voll auf flächeneffiziente Verkehrsmittel wie Bus und Velo setze.

Elektromotorräder sind besser als E-Autos

«Die E-Mobilität löst längst nicht alle Probleme», so das Fazit des Stadtrats. Hinzu komme, dass für separate Fahrspuren schon gar kein Platz vorhanden wäre. Etwas anders sieht es laut Stadtrat bei Elektromotorrädern aus. Denn diese seien sowohl flächeneffizient als auch umweltfreundlich. Der Stadtrat kann sich daher spezielle Parkplätze für Elektroroller und -motorräder vorstellen. Näheres soll im Rahmen des städtischen Konzepts für Motoparkierung geprüft werden.

Ladestationen: Lieber privat als öffentlich

Die Motion fordert auch den Ausbau des Ladenetzes für Elektrofahrzeuge in der Stadt Luzern. Aber auch hier ist der Stadtrat zurückhaltend. Bisher habe die Stadt in Zusammenarbeit mit EWL und CKW insgesamt fünf öffentliche Schnelladestationen beim Lido und auf der Allmend aufgebaut. Deren Auslastung sei aber «eher mässig». Der Stadtrat klärt nun ab, wo allenfalls zusätzliche Ladestationen Sinn machen würden. Klar sei aber, dass nicht einzelne Strassenparkplätze mit Steckdosen ausgestattet werden sollen. Wenn überhaupt, würden Ladesteckdosen nur bei grösseren Parkierungsanlagen Sinn machen. Für den Stadtrat kommt noch ein weiterer Aspekt hinzu: Viel wichtiger als öffentliche Ladestationen aufzustellen, sei es, die private Ladeinfrastruktur zu fördern. Denn das Fehlen von Auflademöglichkeiten in der eigenen Garage ist bis heute eines der Haupthindernisse für den Kauf eines Elektrofahrzeugs. Der Stadtrat könnte sich daher vorstellen, über die Baubewilligungsverfahren Einfluss zu nehmen auf den Ausbau der Ladeinfrastruktur bei Privatgebäuden.

Wo gibt es Ladestationen? Übersicht auf der App «Swisscharge»

Mehr zum Thema

General Motors kündigt grosse E-Auto-Offensive an

Der grösste US-Autobauer General Motors (GM) will beim Thema Elektromobilität Gas geben. Bis zum Jahr 2025 sollen rund 20 Milliarden Dollar in die Entwicklung von elektrischen und selbstfahrenden Autos gesteckt werden.