Luzerner Stadtratswahlen: Jost oder Dörflinger? Jetzt entscheidet die richtige Taktik über Sieg oder Niederlage

Zwei Sitze im Luzerner Stadtrat gilt es noch zu besetzen. Aus taktischen Gründen sollte die SVP Manuela Jost unterstützen – und die Linken sollten bürgerlich wählen.

Robert Knobel
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Müssen in den 2. Wahlgang: Die beiden amtierenden Stadträtinnen Franziska Bitzi Staub (CVP, bisher, links) und Manuela Jost (GLP, bisher) an der Podiumsdiskussion im Auditorium der Luzerner Zeitung.

Müssen in den 2. Wahlgang: Die beiden amtierenden Stadträtinnen Franziska Bitzi Staub (CVP, bisher, links) und Manuela Jost (GLP, bisher) an der Podiumsdiskussion im Auditorium der Luzerner Zeitung.

Bild: Philipp Schmidli (3. März 2020)

Die beiden amtierenden Stadträtinnen Manuela Jost (GLP) und Franziska Bitzi (CVP) scheiterten am Sonntag am absoluten Mehr. Wann der zweite Wahlgang stattfindet, ist wegen der Coronakrise noch unklar.

Die Parteien haben aber bereits begonnen, über Szenarien und Strategien nachzudenken. Neben den beiden bisherigen Stadträtinnen wird auf jeden Fall SP-Herausfordererin Judith Dörflinger nochmals antreten. Ob auch SVP-Kandidat Silvio Bonzanigo im Rennen bleibt, ist offen. Die SVP wird ihre Strategie für den zweiten Wahlgang erst kurz vor Eingabeschluss bekanntgeben, wie Parteipräsident Dieter Haller erklärt.

SVP könnte der SP zum Sieg verhelfen

Wenig Raum für Spekulationen geben wohl die Strategien von CVP und FDP. Sie haben Franziska Bitzi und Manuela Jost schon im ersten Wahlgang unterstützt und haben allen Grund, dies auch beim zweiten Mal wieder zu tun – insbesondere um einen zweiten SP-Sitz zu verhindern. Manuela Jost ist diesmal also eine Art bürgerliches Schutzschild im Kampf gegen eine linke Mehrheit im Stadtrat.

Das bringt insbesondere die SVP ins Dilemma: Tritt Silvio Bonzanigo nochmals an, werden die SVP-Wähler wohl die Namen Bonzanigo und Bitzi auf den Wahlzettel schreiben. Damit könnten sie aber zu einer Abwahl von Manuela Jost – und indirekt zur Wahl der SP-Kandidatin Dörflinger beitragen. Aus taktischen Gründen müsste die SVP also Manuela Jost zur Wahl empfehlen. Doch die SVP hat sich im Wahlkampf derart gegen die GLP-Baudirektorin eingeschossen, dass eine solche Wahlempfehlung undenkbar wäre.

SVP-Stadtratskandidat Silvio Bonzanigo vor dem Restaurant Ochsen in Littau.

SVP-Stadtratskandidat Silvio Bonzanigo vor dem Restaurant Ochsen in Littau.

Bild: Nadia Schärli 

Ein ähnliches Dilemma steht auch der SP bevor: Ihre Sympathisanten werden wohl Judith Dörflinger und Manuela Jost wählen. Doch damit stärken sie Jost und schmälern indirekt die Wahlchancen der SP-Kandidatin Dörf­linger. Die SP müsste deshalb nicht Manuela Jost zur Wahl empfehlen, sondern CVP-Kandidatin Franziska Bitzi. Dies in der Annahme, dass Bitzi ohnehin gewählt wird, und dass es darum geht, für den zweiten vakanten Sitz möglichst viele Stimmen auf Dörflinger zu vereinen – und möglichst wenig auf Jost.

Die Stadtratskandidatin der SP: Judith Dörflinger.

Die Stadtratskandidatin der SP: Judith Dörflinger. 

Bild: Dominik Wunderli

Lehren aus dem SVP-Debakel in Emmen

Dass solche Planspiele für das Wahlergebnis relevant sind, zeigt ein Blick auf Emmen im Jahr 2018: Damals wurde der Top-Kandidat der SVP, Felix Müri, völlig überraschend nicht in den Gemeinderat gewählt. Was war passiert? Weil die Müri-Wähler mehrheitlich als zweiten Namen den CVP-Kandidaten Patrick Schnellmann auf den Wahlzettel schrieben, wurde dieser überraschend gewählt. Denn auch die linken Wähler hatten Schnellmann als zweiten Namen auf ihrer Liste. Das bedeutet: Hätten die SVP-Wähler für den SP-Kandidaten Brahim Aakti gestimmt, hätte Felix Müri die Wahl geschafft.

Stadtparlament: GLP erhielt viele linke Stimmen

Zurück nach Luzern: Welche Strategie die SP fahren wird, ist noch offen, wie Parteipräsident Claudio Soldati sagt. Man habe sich bereits intern erste Gedanken gemacht, aber noch keine Gespräche mit anderen Parteien aufgenommen. Klar ist: Die SP will sich zuallererst mit den Grünen absprechen. «Wir werden unsere Strategie gemeinsam festlegen. Erst danach werden wir gegebenenfalls mit anderen Parteien Kontakt aufnehmen», sagt Soldati. Gut überlegen muss sich auch die GLP, mit wem sie sich zusammentut. Zwar hat sich die GLP in jüngster Zeit mit den Linken zerstritten und die Nähe der bürgerlichen Parteien gesucht. Ein Blick in die Wahlzettelstatistik vom Sonntag zeigt allerdings, dass die GLP vor allem bei linken Wählern gepunktet hat: Bei den Parlamentswahlen haben GLP-Kandidaten insgesamt fast 3000 Stimmen aus SP- und Grünen-Listen erhalten. Aus bürgerlichen Listen haben die Grünliberalen lediglich knapp 2000 Stimmen erhalten.

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