Luzerner Stadtratswahlen: Parteiloser soll bürgerliche Mehrheit bringen

CVP und FDP liebäugeln mit einer gemeinsamen Mitte-Kandidatur. Gesucht wird ein Parteiloser – idealerweise Unternehmer – der mit der städtischen Politik gut vertraut ist.

Robert Knobel
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Die SP fordert den aktuellen Luzerner Stadtrat mit einer zusätzlichen Kandidatin heraus. Doch höchst wahrscheinlich bleibt es nicht bei dieser einen Kampfkandidatur. Das liegt einerseits an der SVP, die bereits angekündigt hat, dass sie auch 2020 wieder versuchen will, in den Stadtrat einzuziehen. Recherchen zeigen andererseits, dass auch CVP und FDP mit einer Zweierkandidatur liebäugeln. Da beide Parteien aufgrund ihrer Wählerstärke keinen Anspruch auf einen zweiten Stadtratssitz geltend machen können, soll es ein «Externer» richten. Die Person sollte zwar keiner Partei angehören, aber politisch in der Nähe von FDP und CVP stehen und so für eine bürgerliche Mehrheit im fünfköpfigen Stadtrat sorgen. Gesucht wird ein in der Stadt gut vernetzter Unternehmer, der ähnlich wie Marcel Schwerzmann in der Kantonsregierung, von Parteien und Verbänden gemeinsam getragen wird. Offenbar ist man bereits mit zwei möglichen Kandidaten im Gespräch.

Die Parteien wollen sich noch nicht offiziell dazu äussern. Für CVP-Präsidentin Karin Stadelmann spielt auch der Ausgang der nationalen Wahlen eine Rolle bei der Festlegung der Strategie für 2020. «Wir können dann besser abschätzen, welche Kandidaturen und welche Listenverbindungen Sinn machen.»

CVP: Unterstützung der GLP ist «denkbare Option»

Sowohl die Kandidatur von Judith Dörflinger (SP) als auch die eines allfälligen Parteilosen bringt die amtierende GLP-Stadträtin Manuela Jost unter Druck: Haben die Bisherigen von SP/Grünen sowie von FDP/CVP die Unterstützung der jeweils anderen Partei praktisch auf sicher, so ist dies bei Manuela Jost ungewiss. 2016 wurde sie von den Linken erst im zweiten Wahlgang unterstützt. 2020 müssen die Bürgerlichen allerdings gegen eine linke Mehrheit im Parlament kämpfen. Sollte eine parteilose Mitte-Kandidatur nicht zustande kommen, wäre Manuela Jost möglicherweise eine willkommene Partnerin für die Bürgerlichen. Für die CVP sei eine Unterstützung der GLP-Stadträtin jedenfalls auch eine «denkbare Option, die parteiintern ebenso diskutiert wird», wie Karin Stadelmann sagt.