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Interview

Luzerner Ständeratskandidat Damian Müller: «Ich konnte mein Profil schärfen»

Damian Müller stellt sich als Ständerat zur Wiederwahl. Den Klimaschutz sieht er als Chance – genauso wie gute Beziehungen zur EU.
Niels Jost
«Ich versuche stets, mich für die Region einzusetzen»: Damian Müller beim Schloss Heidegg mit Blick auf den Baldeggersee. (Bild: Pius Amrein, 20. September 2019)

«Ich versuche stets, mich für die Region einzusetzen»: Damian Müller beim Schloss Heidegg mit Blick auf den Baldeggersee. (Bild: Pius Amrein, 20. September 2019)

Mit bald 35 Jahren ist Damian Müller der jüngste Ständerat. Die Wahl ins «Stöckli» schaffte der Hitzkircher 2015 – mit bloss vier Jahren Erfahrung im Kantonsparlament. In Bern hat er sich bereits einen Namen gemacht.

Sie wollten sich am See beim Schloss Heidegg fotografieren lassen. Wieso dieser Ort?

Damian Müller: Das Schloss Heidegg ist ein Erholungsort und von überall im Seetal sichtbar. Das Potenzial dieser Lage haben schon die Siedler der Pfahlbauten oder später die Schlossherren erkannt. Das Schloss steht für Weitsicht und zugleich dafür, seine Herkunft nicht zu vergessen. Das sind zwei Punkte, die ich in meiner Politik verfolge.

Wie lautet Ihre Bilanz nach der ersten Legislatur in Bern?

Die ersten zwei Jahre musste ich mich einarbeiten und mein Netzwerk aufbauen. Mittlerweile ist es mir gelungen, zentrale Dossiers wie das CO2-Gesetz zu übernehmen. Auch in aussenpolitischen Fragen sowie bei den Themen Migration, Gesundheit und Mobilität konnte ich mich positionieren.

Bereits vor vier Jahren wurden Sie dafür kritisiert, dass Sie ein zu wenig klares Profil haben.

Ich konnte mein Profil schärfen. Als Ständerat bearbeitet man halt breitere Themen als etwa im Nationalrat. So bin ich in fünf Kommissionen tätig, in der aussenpolitischen und in der Geschäftsprüfungskommission bereits als Vizepräsident. Beim CO2-Gesetz war ich Kommissionssprecher. Das zeigt: Man traut mir viel zu und ich bin verlässlich.

Was konnten Sie für den Stand Luzern erreichen?

Die vergangene Legislatur war eine der erfolgreichsten für Luzern. Für die Universiade haben wir mehr Geld erhalten, der Durchgangsbahnhof und Bypass sind aufgegleist, beim Finanzausgleich muss Luzern weniger zahlen, und das aktuelle CO2-Gesetz spielt Luzern in die Hand, da wir das Energiegesetz schon umgesetzt haben. Auch bei meinen Auslandreisen versuche ich stets, mich für unsere Region einzusetzen.

Auch in der Region sind Sie viel unterwegs und bekleiden Mandate bei Pro Senectute Kanton Luzern, «SlowUp» Seetal oder dem Europa Forum. Alles nur Stimmenfänger?

Ich bin breit interessiert. Viele sind unentgeltlich, trotzdem gilt bei mir der Grundsatz: weniger ist mehr, dafür richtig! Dafür kann ich ein Amt richtig ausführen. Dabei stelle ich nicht mich, sondern die Organisation in den Vordergrund. Wären die Mandate bloss Stimmenfänger, wäre ich beispielsweise im Mai 2019, also vor den Wahlen, nicht als Präsident der «Dampferfreunde Vierwaldstättersee» zurückgetreten.

Sie sind derzeit einer der Aktiv­posten bei der FDP-Klimapolitik. Das ist doch reine Wahltaktik.

Nein, mir liegt das Thema schon lange am Herzen. 2011 habe ich als Mitorganisator des damaligen «Hitzkircher Forums» Atomkraftwerke und die Energie der Zukunft thematisiert. 2013 war ich einer der zwei FDP-Kantonsräte, die für das neue Energiegesetz gestimmt hatten. Und vor zwei Jahren habe ich mich für die Energiestrategie 2050 engagiert. Auch hier gilt: Nichts tun gegen den Klimawandel, ist keine Option.

Selbst wenn Sie damit einen Teil der FDP-Basis vergraulen?

Natürlich gibt es Kritiker. Aber schauen Sie die Ergebnisse unserer parteiinternen Umfrage an, da ist eine klare Mehrheit dafür, dass die Politik handelt. Zudem sind viele Klima-Massnahmen eine Chance für die Innovation, Forschung und Bildung in der Schweiz – gerade auch in Luzern mit der Hochschule.

Steckbrief zur Person

Damian Müller ist seit 2015 Ständerat. Der FDP-Politiker ist in Ermensee aufgewachsen und wohnt mittlerweile in Hitzkirch. Das müssen Sie noch über ihn wissen:
- Alter: 34 Beruf: Spezialist Group Communication bei der Swiss Life (in einem 30-Prozent-Pensum)
- Hobbys: Pferdesport, Ausdauersport, Fussball, Familie, Freunde, Lesen
- Politischer Werdegang: Damian Müller wurde mit 24 Jahren zum Präsidenten der FDP-Ortspartei Hitzkirch gewählt. 2011 kandidierte er erstmals für den Kantonsrat und wurde gewählt. Im Jahr 2015 schaffte er im zweiten Wahlgang den Sprung in den Ständerat und folgte damit auf Parteikollege Georges Theiler. Weiter ist Damian Müller Mitglied der Geschäftsleitung der FDP-Kantonalpartei und belegt diverse Mandate. (jon)

FDP-Parteipräsidentin Petra Gössi sagte kürzlich gegenüber unserer Zeitung, sie könne sich das Rentenalter 67 vorstellen. Wie sehen Sie das?

Die Sanierung der AHV ist ein grosses Problem. Wir müssen alle drei Säulen angehen. Dabei dürfen wir keine grossen Schritte machen, sondern viele kleine. Wir müssen sicher das Rentenalter flexibilisieren und Anreize schaffen, damit diejenigen länger arbeiten können, die das wollen. Da muss aber auch die Wirtschaft mitziehen. Die Rentenreform gehört zu den Punkten, in die ich mich bei einer allfälligen Wiederwahl einbringen möchte.

Welche weiteren Punkte gehören dazu?

Das Gesundheitssystem. Hier müssen wir offen sein für neue Modelle. Dann die Sicherheit, Energieversorgung und für mich ganz wichtig die Beziehungen zu unseren Nachbarländern. Zu ihnen brauchen wir ein gutes Verhältnis, unbürokratische Handelsbeziehungen und einfache Zugänge zum Arbeitsmarkt. Wir brauchen zeitgemässe Bilaterale und die Personenfreizügigkeit.

Sie plädieren für eine Annäherung an die EU.

Was heisst Annäherung? Die Schweiz soll ihre Eigenständigkeit wahren, das steht ausser Frage. Aber wir müssen unsere Beziehungen zur EU so regeln, dass wir wieder Stabilität und Rechtssicherheit haben. Das können wir nur mit den richtigen Abkommen.

Ihre Auftritte wirken stets sehr professionell und staatsmännisch. Gibt es auch einen Damian Müller mit Ecken und Kanten?

Früher auf dem Fussballplatz habe ich mich recht schnell echauffiert (lacht). Auch heute gibt es Sachen, die mich nerven. Als Politiker versuche ich vernunftbasiert, immer das Beste herauszuholen, auch für den Kanton Luzern.

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