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Als das Sternsingen im Dezember 1940 zum dritten Mal stattfand, tobte in Europa bereits der Krieg. (Bild: Chronik der Sternsinger (Stadtarchiv, D131))

Als das Sternsingen im Dezember 1940 zum dritten Mal stattfand, tobte in Europa bereits der Krieg. (Bild: Chronik der Sternsinger (Stadtarchiv, D131))

Luzerner Sternsinger setzten ein Zeichen der Hoffnung mitten im Krieg

Die Sternsinger ziehen nächsten Samstag durch die Gassen der Stadt Luzern. Als vor achtzig Jahren die dunkeln Vorahnungen des Krieges in der Luft lagen, taten sie das zum ersten Mal – um der Bevölkerung Mut zu machen.
Lena Berger

Bescheiden fing es an. Es reichte gerade mal für einen Sternengel, drei Könige und sechs Laternenträger, als die Sternsinger am «Goldenen Sonntag» 1938 auf den öffentlichen Plätzen alte Weihnachtslieder erklingen liessen. Es war das erste Mal, dass in der Stadt Luzern wieder Sternsinger unterwegs waren, seit der alte Brauch im Mittelalter durch Trinkgelage in Misskredit geraten und verboten worden war. Nun hatte sich das Blatt gewendet, sogar das liberale «Luzerner Tagblatt» war der neuerweckten Tradition wohlgesonnen und schrieb: «Schön rahmte der weisse Schnee das Bild der Sternsinger ein, golden wurde es da auch in den Herzen, ein Lichtlein war aufgegangen wie, wenn die erste Wunderkerze des Weihnachtsbaumes entzündet worden wäre.»

«Hatte die Menschheit nicht gerade jetzt den Gedanken an Bethlehem noch viel nötiger?»

Hinter der Aktion standen die Luzerner Spielleute, die das alte Brauchtum wieder aufleben lassen wollten. Im Jahr darauf jedoch tobte der Zweite Weltkrieg – und eigentlich war da kaum noch jemandem nach Feiern zumute. Viele der Männer waren an der Grenze und das Sternsingen stand bereits wieder auf der Kippe. Doch: «Hatte die Menschheit nicht gerade jetzt den Gedanken an Bethlehem noch viel nötiger?» Diese Frage stellte sich Louise Müller, die Chronistin der Sternsinger und eine der treibenden Kräfte innerhalb der Gruppe. Und so rafften sich die wenigen, die 1939 geblieben waren, doch auf.

Die Not in Europa trübte die Weihnachtsfreude

Wie mag es um die Weihnachtsstimmung bestellt gewesen sein, in dieser Zeit, als ganz Europa zertrümmert wurde? Ein Journalist des «Luzerner Tagblatts» hat seine Eindrücke damals in einem berührenden Artikel für die Nachwelt festgehalten:

«Das Christfest naht, eilig gehe ich durch die alten Strassen der Stadt, denn der Besorgungen gibt es noch viele. Ich denke an die vielen Städte in Europa, die nun in Dunkelheit und banger Angst sich an die Erde schmiegen; Kriegsgefahr und Finsternis drohten dort selbst den Hoffnungsschimmer des Christfestes auszulöschen. – Da erglänzt vor mir ein grosser Stern und überstrahlt alle trüben Gedanken. Gleich folgt ihm das Wunder, das er kündet: Das himmlische Kind in Marias Arm, von Josef begleitet.

Des Christfests wahrer Sinn lebt in unseren Herzen auf. Liebe zum Nächsten, Liebe zu allen Menschen, den fernen, leidenden, sterbenden, irrenden. Und schlichten Geistes folge ich dem Stern, bis seine Begleiter sich um ihn scharen, um die alten schlichten Weihnachtsweisen anzustimmen. Frohlockend trägt der eisige Wind die frommen Lieder hinüber über den nachtdunklen See, einen alten Luzerner Brauch erfüllend. Wir wissen ihnen Dank, besonders in dieser Zeit, wo mancherlei Not die Weihnachtsfreude zu verdunkeln droht.»

Das Durchhalten der Spielleute hatte sich bewährt – und dieser Erfolg war entscheidend für den Kampfgeist, den sie in den folgenden Jahren an den Tag legten. Schon bei der ersten Durchführung hatte sich gezeigt, dass dringend andere Kostüme gebraucht wurden. Die drei Könige hätten «erbärmlich gefroren» heisst es in der Chronik der Sternsinger. Das Vorhaben, neue Kostüme zu nähen, wurde aber durch die Textilien-Rationierung zu einer ungeahnten Herausforderung. Schwierigkeiten machte der Krieg auch, weil im Chor die «kräftigen Männerstimmen» fehlten und die Weihnachtslieder auf den grossen Plätzen daher nur schlecht zu hören waren. Zudem ging den Sternsingern 1943 ein König verloren. So heisst es im Chronikeintrag: «Leider fehlte der herzige Mohrenkönig. Dieser war dem Rufe seiner angestammten Heimat gefolgt und diente bereits im deutschen Heere.»

Viele Teilnehmer sind seit der Kindheit dabei

Auch der Geldmangel setzte dem Ausbau enge Grenzen. Adalbert Oetterli, zu der Zeit selber als Gefreiter im Feld, schrieb engagierte Bettelbriefe – und griff für die gute Sache ganz schön in die Trickkiste: Gegenüber der Vereinigung der Luzerner Kaufleute pries er die Sternsinger als förderlich für das Weihnachtsgeschäft an. Einem Pfarrer gegenüber hingegen lobte er die «religiöse Veranstaltung inmitten des geschäftssüchtigen Weihnachtseinkaufs.» Die Spendensammlung verlief harzig, aber immerhin kamen Jahr für Jahr ein paar Kostüme dazu.

«Der Stern, als Zeichen des Friedens, möge in das Dunkel unserer Zeit strahlen.»

Und so wuchs in den Kriegsjahren nicht nur das Gefolge, sondern auch die Zahl der Zuschauer. Das Radio Beromünster machte 1943 Tonaufnahmen und auch die Presse nutzte die Veranstaltung, um der Leserschaft Mut zu zusprechen. «Besonders heute haben diese alten Bräuche wieder einen tiefen Sinn. Hunderttausende unglücklicher Menschen hätten heute Grund, an der Religion zu zweifeln», schrieb das katholisch-konservative «Tagblatt». «Seien wir glücklich, dass unseren Kindern die grauenvollen Eindrücke des Krieges bis jetzt erspart blieben. Der Stern, als Zeichen des Friedens, möge in das Dunkel unserer Zeit strahlen.»

Beim ersten Auftritt der Luzerner Sternsinger 1938 reichte es nur für einen Sternengel, drei Könige und sechs Laternenträger. (Bild: Chronik der Sternsinger (Stadtarchiv/D131))Beim ersten Auftritt der Luzerner Sternsinger 1938 reichte es nur für einen Sternengel, drei Könige und sechs Laternenträger. (Bild: Chronik der Sternsinger (Stadtarchiv/D131))
1939 hatten dann zumindest die Könige neue Kostüme – weil diese ihm Vorjahr derart «erbärmlich »gefroren hatten. (Bild: Chronik der Sternsinger (Stadtarchiv/D131))1939 hatten dann zumindest die Könige neue Kostüme – weil diese ihm Vorjahr derart «erbärmlich »gefroren hatten. (Bild: Chronik der Sternsinger (Stadtarchiv/D131))
Wegen der Textilienrationalisierung während des Krieges, konnten 1940 nicht –wie erhofft – neue Kostüme angefertigt werden. (Bild: Chronik der Sternsinger (Stadtarchiv/D131))Wegen der Textilienrationalisierung während des Krieges, konnten 1940 nicht –wie erhofft – neue Kostüme angefertigt werden. (Bild: Chronik der Sternsinger (Stadtarchiv/D131))
Der Sternengel und sein Gefolge brachten auch während der Kriegsjahre Licht in die Stadt Luzern - hier am 27. Dezember 1942 vor dem historischen Museum. (Bild: Chronik der Sternsinger (Stadtarchiv/D131))Der Sternengel und sein Gefolge brachten auch während der Kriegsjahre Licht in die Stadt Luzern - hier am 27. Dezember 1942 vor dem historischen Museum. (Bild: Chronik der Sternsinger (Stadtarchiv/D131))
1944 hatte man wieder einen «Mohrenkönig», wie man den dritten König damals nannte. Ein paar Jahre zuvor musste man ohne diesen auskommen, weil dessen Darsteller in den Krieg eingezogen worden. (Bild: Chronik der Sternsinger (Stadtarchiv/D131))1944 hatte man wieder einen «Mohrenkönig», wie man den dritten König damals nannte. Ein paar Jahre zuvor musste man ohne diesen auskommen, weil dessen Darsteller in den Krieg eingezogen worden. (Bild: Chronik der Sternsinger (Stadtarchiv/D131))
Obwohl es während des Krieges vor allem an kräftigen Männerstimmen fehlte, fand das Sternsingen immer statt und spendete den Luzernern Trost – so auch 1945 kurz nach Ende des Krieges. (Bild: Chronik der Sternsinger (Stadtarchiv/D131))Obwohl es während des Krieges vor allem an kräftigen Männerstimmen fehlte, fand das Sternsingen immer statt und spendete den Luzernern Trost – so auch 1945 kurz nach Ende des Krieges. (Bild: Chronik der Sternsinger (Stadtarchiv/D131))
Die Sternsinger sammelten danach weiter Geld für zusätzliche Kostüme und neue Laternen (Bild: Chronik der Sternsinger 1948 (Stadtarchiv/D131))Die Sternsinger sammelten danach weiter Geld für zusätzliche Kostüme und neue Laternen (Bild: Chronik der Sternsinger 1948 (Stadtarchiv/D131))
Mit den Jahren nahm nicht nur die Zahl der Darsteller und Sänger, sondern auch die der Zuschauer zu. (Bild: Chronik der Sternsinger 1948 (Stadtarchiv/D131))Mit den Jahren nahm nicht nur die Zahl der Darsteller und Sänger, sondern auch die der Zuschauer zu. (Bild: Chronik der Sternsinger 1948 (Stadtarchiv/D131))
Ein König legt seine Gaben auf dem Kornmarkt nieder. (Bild: Chronik der Sternsinger 1948 (Stadtarchiv/D131, 1948))Ein König legt seine Gaben auf dem Kornmarkt nieder. (Bild: Chronik der Sternsinger 1948 (Stadtarchiv/D131, 1948))
Schon 1948 hatten Maria und Josef einen Esel dabei. (Bild: Chronik der Sternsinger (Stadtarchiv/D131))Schon 1948 hatten Maria und Josef einen Esel dabei. (Bild: Chronik der Sternsinger (Stadtarchiv/D131))
Auch jüngsten Teilnehmenden - jeweils etwa vier Jahre alt - tragen stolz ihre Laternchen mit. (Bild: Chronik der Sternsinger 1950 (Stadtarchiv/D131))Auch jüngsten Teilnehmenden - jeweils etwa vier Jahre alt - tragen stolz ihre Laternchen mit. (Bild: Chronik der Sternsinger 1950 (Stadtarchiv/D131))
Die Sternsinger liessen ihren Umzug fortan nie ausfallen - er läuft noch fast gleich ab wie in seinen Anfängen.(Bild: Eveline Beerkircher (23. Dezember 2001)Die Sternsinger liessen ihren Umzug fortan nie ausfallen - er läuft noch fast gleich ab wie in seinen Anfängen.
(Bild: Eveline Beerkircher (23. Dezember 2001)
Der Chor – hier vor der Matthäuskirche – umfasst heute gut 60 Sängerinnen und Sänger. (Bild Pius Amrein (20. Dezember 2009))Der Chor – hier vor der Matthäuskirche – umfasst heute gut 60 Sängerinnen und Sänger. (Bild Pius Amrein (20. Dezember 2009))
Und noch immer sind es um die 60 Darsteller, die jedes Jahr mitmachen. (Bild: Philipp Schmidli (23. Dezember 2017))Und noch immer sind es um die 60 Darsteller, die jedes Jahr mitmachen. (Bild: Philipp Schmidli (23. Dezember 2017))
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Seit 80 Jahren ziehen die Sternsinger durch die Luzerner Altstadt

Heute sind Christoph Brun und Rita Sommerhalder für die Organisation des Sternsingens verantwortlich. Er ist überzeugt: «Der Brauch gab den Luzernern damals Halt in einer schwierigen Zeit der Veränderung. Dadurch, dass er allen Widrigkeiten zum Trotz durchgeführt wurde, vermittelte er den Zuschauern eine beruhigende Konstanz – und das gilt bis heute.» Brun selber war 1962 als «Sternengeli» das erste Mal dabei. Das Sternsingen gehört für ihn – wie für viele Teilnehmer – zum Advent wie die Guetzli und der Adventskranz. Zwar findet der Anlass inzwischen nicht mehr am «Goldenen Sonntag», sondern tags zuvor am Samstag vor Weihnachten statt. Aber sonst ist man den Wurzeln des Brauches über die Jahre treu geblieben. «Das Sternsingen ist und bleibt ein besinnlicher Ausklang der Vorweihnachtszeit.»

Umzug durch die Altstadt

Am Samstag, 22. Dezember 2018, ziehen wieder rund 120 Darsteller und Sänger durch die Luzerner Altstadt. Sie werden – in Begleitung von Schafen und einem Esel – in der Mariahilfgasse loslaufen und gegen 17.10 Uhr auf dem Mühleplatz eintreffen, um zu singen. Gegen 17.40 Uhr werden sie auf den Kornmarkt einziehen und um 18.05 auf dem Franziskanerplatz eintreffen.

Quellenangaben: Der Text basiert auf der Chronik der Sternsinger, deren Privatarchiv im Stadtarchiv Luzern aufbewahrt wird. (Signatur: D131).

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