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Wer war eigentlich Kasimir Pfyffer? Die Biografie der Luzerner Strassen

Berühmte Persönlichkeiten wie Hans Erni sind im Luzerner Strassenverzeichnis verewigt. Andere Namen sagen uns im ersten Moment nichts – dennoch verstecken sich spannende Geschichten dahinter.
Robert Knobel

Wagenbachgasse

Das Leben ist manchmal ungerecht: Zum Beispiel, wenn man eine gute Idee zum falschen Zeitpunkt hat. Manchmal erhalten diese Leute später dann doch noch die Anerkennung, die sie verdienen – oft allerdings erst Jahre nach ihrem Tod. Solcherlei widerfuhr etwa dem Luzerner Uhrmacher Xaver Wagenbach (1796–1870). Dieser vermachte einen Teil seines Erbes für den Bau eines Brunnens am Schwanenplatz. Damit sollten die Quartierbewohner der Altstadt mit sauberem Wasser bedient werden. Doch die Einführung der modernen Trinkwasserversorgung machte das löbliche Vorhaben überflüssig, noch bevor es in die Tat umgesetzt werden konnte. Zwar zeigte sich die Stadt Luzern erkenntlich, indem sie für den grosszügigen Spender eine Grabplatte bei der Hofkirche stiftete und eine kleine Gasse beim Schwanenplatz in «Wagenbachgasse» umbenannte. Doch an die ursprüngliche Brunnen-Idee erinnerte man sich erst Jahrzehnte nach Wagenbachs Tod: Der grosse Springbrunnen auf dem Europaplatz, der von Architekt Armin Meili zusammen mit dem Kunsthaus entworfen wurde, erhielt den Namen «Wagenbachbrunnen». 1934 wurde er in Betrieb genommen, wenn auch nicht als Trinkwasserreservoir, sondern als repräsentatives Aushängeschild des neuen Kunsthauses.

Der Wagenbachbrunnen auf dem Europaplatz in Luzern. (Bild Corinne Glanzmann, 23. April 2018)

Der Wagenbachbrunnen auf dem Europaplatz in Luzern. (Bild Corinne Glanzmann, 23. April 2018)

Philipp-Anton-von-Segesser-Platz

In Deutschland, wo Personennamen in Strassen, Plätzen und Schulen wesentlich verbreiteter sind als in der Schweiz, kommt es regelmässig vor, dass Leute geehrt werden, die mit den heutigen gesellschaftlichen Werten nicht mehr kompatibel sind. Erst vor einigen Monaten entbrannte etwa in Berlin eine Kontroverse um den «Sauerbruchweg» und den «Bonhoefferweg». Beide ehren Wissenschaftler, die in der NS-Zeit eine zweifelhafte Rolle spielten. In Luzern hingegen darf man in der Regel mit gutem Gewissen über die personifizierten Strassen und Gassen spazieren – auch wenn einige das Wässerchen durchaus trüben: Ob man heute noch einen Platz mitten in der Luzerner Kleinstadt zum «Philipp-Anton-von-Segesser-Platz» umbenennen würde, ist eher fraglich. Dem konservativen Staatsmann Philipp Anton von Segesser (1817-1888) wird zwar zugute gehalten, dass er die Integration Luzerns in den neuen Bundesstaat gefördert und vorangetrieben hat. Gleichzeitig hetzte er als Nationalrat aber gegen die Emanzipation der Juden in der Schweiz, indem er auch vor Verschwörungstheorien nicht zurückschreckte.

Wurde kürzlich neu gepflästert: Der Philipp-Anton-von-Segesser-Platz mit dem Krienbrüggli-Brunnen. (Bilder Corinne Glanzmann, Luzern, 2. August 2019)

Wurde kürzlich neu gepflästert: Der Philipp-Anton-von-Segesser-Platz mit dem Krienbrüggli-Brunnen. (Bilder Corinne Glanzmann, Luzern, 2. August 2019)

Sepp-Ebinger-Gässli

Erfreulicher – und viel näher bei unserer heutigen Lebenswelt – ist ein Spaziergang durch das Sepp-Ebinger-Gässli, eine Seitengasse des Rathausquais in der Luzerner Altstadt. Es ehrt den «Erfinder» der Luzerner Guggenmusik. Die Art von Musik erfreute sich bereits in den 30er-Jahren in Basel grosser Beliebtheit. Kein Wunder war es mit Sepp Ebinger (1912-1983) dann auch ein Basler, der Ende der 40er-Jahre die erste Luzerner Guggenmusik auf die Beine stellte. Ebinger war von Beruf Dekorateur – und in seiner Freizeit natürlich begeisterter Fasnächtler.

Der Eingang zum Sepp-Ebinger-Gässli war am vergangenen Schmutzigen Donnerstag versperrt – natürlich durch Fasnächtler (Bild Philipp Schmidli, 28. Februar 2019)

Der Eingang zum Sepp-Ebinger-Gässli war am vergangenen Schmutzigen Donnerstag versperrt – natürlich durch Fasnächtler (Bild Philipp Schmidli, 28. Februar 2019)

Kaspar-Kopp-Strasse

Die Persönlichkeit mit der wohl grössten Einwohnerzahl in «ihrer» Strasse dürfte Kaspar Kopp sein, mit der gleichnamigen, über 2 Kilometer langen Strasse am Rotsee zwischen Luzern und Ebikon. Kaspar Kopp (1855-1936) war langjähriger Richter und sass 40 Jahre lang für die Konservativen im Luzerner Grossrat. Sein Sohn Joseph wurde Geologe und arbeitete zeitweise für die Erdölindustrie.

Die Kaspar-Kopp-Strasse im idyllischen Wohnquartier am Rotsee. (Bild Corinne Glanzmann, Ebikon, 2. August 2019)

Die Kaspar-Kopp-Strasse im idyllischen Wohnquartier am Rotsee. (Bild Corinne Glanzmann, Ebikon, 2. August 2019)

Emanuel-Müller-Strasse

In Kriens erinnert die Emanuel-Müller-Strasse an Karl Emanuel Müller (1804-1869). Der gebürtige Urner vertrat seinen Heimatkanton im Ständerat, nachdem er mehrere Jahre auch in Luzern wirkte und dort unter anderem Regierungsrat war. Während des Sonderbundskriegs leitete er eine der wenigen erfolgreichen Aktionen der katholischen Kantone, die sogenannte «Gotthard-Expedition.» Müller war aber vor allem auch Ingenieur. Er war am Bau der Schöllenenstrasse sowie der Luzerner Seebrücke, der alten Luzerner Kantonsbibliothek und der Nydeckbrücke in Bern beteiligt und war Hauptaktionär der Dampfschiffgesellschaft Vierwaldstättersee. Als Mäzen legte er den Grundstein für ein Spital im Kanton Uri. Doch was hat das alles mit Kriens zu tun? Dort, im Grosshof, im Bereich des heutigen Salesia-Parks, baute sich Emanuel Müller eine stattliche Villa. Diese musste allerdings dem Autobahnbau weichen. Heute erinnert nur noch die benachbarte Emanuel-Müller-Strasse an den schillernden Urner.

Die Emanuel-Müller-Strasse in Kriens erinnert an einen Heerführer aus dem Sonderbundskrieg. (Bilder Corinne Glanzmann, 2. August 2019)

Die Emanuel-Müller-Strasse in Kriens erinnert an einen Heerführer aus dem Sonderbundskrieg. (Bilder Corinne Glanzmann, 2. August 2019)

Kasimir-Pfyffer-Strasse

Wer nun glaubt, Luzern ehre nur seine konservativen Politiker, täuscht sich. Die Kasimir-Pfyffer-Strasse im Bruchquartier erinnert an den ersten Stadtpräsidenten Luzerns, den Liberalen Kasimir Pfyffer von Altishofen (1794-1875). Dieser war zudem Richter, Anwalt, Grossrat, Nationalrat und Historiker. Gemäss dem «Historischen Lexikon Schweiz» gehörte er zu den Gründern des liberalen Vereinswesens, stand gleichzeitig aber dem Föderalismus und der direkten Demokratie skeptisch gegenüber.

Eine der schönsten Strassen im Luzerner Bruchquartier: Die Kasimir-Pfyffer-Strasse. (Bilder Corinne Glanzmann, 2. August 2019)

Eine der schönsten Strassen im Luzerner Bruchquartier: Die Kasimir-Pfyffer-Strasse. (Bilder Corinne Glanzmann, 2. August 2019)

Matthias-Luchsinger-Platz

Auch einer von Pfyffers Nachfolgern als Stadtpräsident, der Liberale Matthias Luchsinger (1919-1984) wurde im Strassenverzeichnis der Stadt verewigt – mit dem Matthias-Luchsinger-Platz vor dem Casino an der Haldenstrasse.

Anna-Neumann-Gasse

Frauen wurden bei der Namensgebung lange gar nicht berücksichtigt. Das änderte sich erst 2003 mit dem Bau der Luzerner Tribschenstadt. Dort wurden gleich drei Gassen nach Luzerner Frauen benannt. Eine davon ist Anna Neumann (1868-1946). Sie war Ärztin in der Stadt Luzern und kümmerte sich insbesondere um die Arbeitsmigranten – etwa die italienischen Gastarbeiter. Dabei passte sie ihr Honorar jeweils den finanziellen Möglichkeiten der Patienten an. Überhaupt fühlte sie sich den «einfachen Patienten auf dem Land» viel mehr verbunden als den «verwöhnten» Städtern, wie es auf dem kantonalen Bildungsportal «Entdecke.lu.ch» heisst. Zu ihren Patienten fuhr sie jeweils mit ihrem gelben Citroën, der heute im Verkehrshaus ausgestellt ist.

Dank der Tribschenstadt kamen endlich auch die Frauen zum Zug. Hier zwei Bilder der Anna-Neumann-Gasse. (Corinne Glanzmann, 2. August 2019)

Dank der Tribschenstadt kamen endlich auch die Frauen zum Zug. Hier zwei Bilder der Anna-Neumann-Gasse. (Corinne Glanzmann, 2. August 2019)

Josi-J-Meier-Platz

Weitere Frauen wurden inzwischen geehrt - etwa Josi Meier (1926-2006). Die Luzerner Politikerin und Vorkämpferin für die Frauenrechte erhielt 2016 nahe ihres früheren Wohnorts beim «Zöpfli» in der Luzerner Altstadt, einen «Josi-J-Meier-Platz».

Dieses Plätzchen an der Reuss heisst seit 2016 Josi-Meier-Platz. (Bild Nadia Schärli, 26.Oktober 2016)

Dieses Plätzchen an der Reuss heisst seit 2016 Josi-Meier-Platz. (Bild Nadia Schärli, 26.Oktober 2016)

Rosengart-Platz

Die Kunstsammlerin Angela Rosengart darf sich derweil rühmen, eine der wenigen Persönlichkeit zu sein, die bereits zu Lebzeiten im Strassenverzeichnis verewigt wurden: 2002 wurde der Platz zwischen Peterskapelle und Kapellbrücke nach ihr benannt.

Angela Rosengart bei der Einweihung des neuen Rosengart-Platzes vor der Kapellbrücke (Bild Dorothea Müller, 19. Juni 2002)

Angela Rosengart bei der Einweihung des neuen Rosengart-Platzes vor der Kapellbrücke (Bild Dorothea Müller, 19. Juni 2002)

Hans-Erni-Quai

Apropos Kunst: Auch der berühmte Maler Hans Erni (1909-2015) hat seit einigen Jahren verdientermassen eine Strasse – den Hans-Erni-Quai zwischen Verkehrshaus und Stadtzentrum. Einziger Schönheitsfehler: Obwohl der Strassenname auf den offiziellen Karten längst eingezeichnet ist, weiss Google Maps bis heute nichts von einem Hans-Erni-Quai.

Ein Teil des General-Guisan-Quai wurde 2016 in Hans-Erni-Quai umbenannt. (Bild Nadia Schärli, 15. Februar 2016)

Ein Teil des General-Guisan-Quai wurde 2016 in Hans-Erni-Quai umbenannt. (Bild Nadia Schärli, 15. Februar 2016)

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