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Luzerner Studie zeigt: In Neubauten droht der Hitzekollaps

Viele Gebäude, die heute in der Schweiz gebaut werden, sind ungenügend gerüstet für den Klimawandel. Das haben Forscher der Hochschule Luzern herausgefunden. Sie plädieren für einen bewussteren Umgang mit Glas.
Robert Knobel
Ein Bürogebäude in Zug. Solche Glaspaläste benötigen künftig viel Energie, um ein angenehmes Klima zu behalten. (Archivbild: Sigi Tischler/Keystone)

Ein Bürogebäude in Zug. Solche Glaspaläste benötigen künftig viel Energie, um ein angenehmes Klima zu behalten. (Archivbild: Sigi Tischler/Keystone)

Wer heute ein Haus baut, macht sich frühzeitig Gedanken über die Heizung. Ein zuverlässiges Wärmesystem gehört seit Jahrzehnten zum Standard in nahezu allen Schweizer Gebäuden. Entsprechend gross sind Aufwand und Kosten, die Bauplaner und Eigentümer dafür aufwenden. Doch das könnte sich bald ändern. «Will man die heutigen Komfortansprüche beibehalten, kann in Städten der Kühlbedarf bald höher sein als der Heizbedarf», sagt Gianrico Settembrini, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Gebäudetechnik und Energie an der Hochschule Luzern. Gemäss Settembrini wird dieses Szenario noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts eintreffen.

Das Kühlsystem wichtiger als die Heizung? An diese Vorstellung müssen sich Baubranche und Hauseigentümer erst einmal gewöhnen. Die überraschende Erkenntnis ist eines der Resultate der Studie «Clima Bau – Planen angesichts des Klimawandels», die von Gianrico Settembrini geleitet wurde. In Zusammenarbeit mit Meteo Schweiz haben die Forscher der Hochschule Luzern Klimaprognosen analysiert und diese auf repräsentative Bauten des heutigen Gebäudeparks in der Schweiz projiziert.

Maximaler Energiebedarf eines typischen Minergie-Neubaus

Veränderung aufgrund der Klimaerwärmung
Heizenergie
Kühlungsenergie
Periode 1980-2009Periode 2045-20740510

Maximaler Energiebedarf eines heutigen Altbaus

Veränderung aufgrund der Klimaerwärmung
Heizenergie
Kühlungsenergie
Periode 1980-2009Periode 2045-2074050100150

«Fenster nicht zur prallen Sonne ausrichten»

Den grössten Handlungsbedarf sehen die Forscher ausgerechnet bei den Neubauten. Das erstaunt, hatten doch bisher vorallem die Altbauten den Ruf einer schlechten Energiebilanz. Was den Heizbedarf betrifft, stimmt das auch. Die Klimaerwärmung hingegen lässt die meisten Schweizer Altbauten ziemlich kalt. Die Temperaturen in alten Wohnungen werden vermutlich nur wenig steigen. Bei Gebäuden neueren Datums könnte die Hitze hingegen irgendwann unerträglich werden. Schuld daran sind die grossen Glasfronten, die heutige Architekten so gerne einbauen. Diese lassen die Sonnenstrahlen ungehindert rein. Selbst doppelt oder dreifach verglaste Fenster machen bei der Sommerhitze kaum einen Unterschied.

Für Settembrini ist der Handlungsbedarf dringend. Denn: «Wir bauen heute Gebäude, die über deren gesamten Lebenszyklus, womöglich auch noch in 100 Jahren, bewohnbar sein sollten». Deshalb brauche es schon heute bei der Planung neuer Gebäude Konzepte, die auf die künftigen klimatischen Bedingungen ausgelegt sind. Dazu gehört etwa, Fenster so zu planen, dass sie möglichst nicht zur prallen Sonne ausgerichtet sind. Doch das stellt gängige Überzeugungen von Hausbesitzern und Architekten auf den Kopf, die ihre Fenster nach wie vor nach Süden ausgerichtet haben wollen. Settembrini plädiert generell für einen «bewussteren Umgang mit Glas». Klar entsprechen helle Räume den Bedürfnissen heutiger Bewohner. Doch von eigentlichen «Glaspalästen» sei mit Blick auf den Klimawandel künftig abzuraten, sagt Settembrini und spricht damit eine weitere Problematik an: Bleibt man heute untätig, werden sich die Leute einfach selber helfen, indem sie Ventilatoren und mobile Kühlgeräte anschaffen. «Das sieht man teilweise schon heute: In besonders heissen Sommern sind diese Geräte sofort ausverkauft». Doch viele Klimageräte sind ineffizient und stromfressend. Würden sie sich im grossen Stil verbreiten, würde dies den Stromverbrauch in der Schweiz in die Höhe schnellen lassen. Abschreckende Beispiele dazu sieht man in Ländern des Südens, wo Klimageräte enorme Mengen Energie verbrauchen.

Bund interessiert sich für Resultate der Studie

Settembrini sieht die Lösung in kombinierten Heiz- und Kühlsystemen. Eine Erdsondenheizung kann zum Beispiel mit wenig Zusatzaufwand auch Kühlfunktionen übernehmen, und dies bei sehr niedrigem Stromverbrauch. Dient dabei das Erdreich als Speicher für die abgeführte Wärme, kann diese im Winter zur effizienteren Beheizung der Gebäude beitragen. Doch auch die Architektur soll ihren Beitrag leisten. «Wichtig wäre vorallem, dass es entsprechende Baunormen gäbe, welche auch das künftige Klima berücksichtigen», sagt Settembrini. Er hofft dass die aktuelle Studie zur Schaffung von solchen Normen beiträgt. Immerhin interessiert sich auch das Bundesamt für Energie für die Resultate – die Studie wurde vom Bund massgeblich unterstützt.

Die vollständige Studie finden Sie auf www.hslu.ch/climabau

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