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Kommentar

Luzerner Südpol: Start in eine neue Ära ist geglückt – aber es braucht mehr

Mit der Annahme des neuen Betriebskonzeptes ist es im Luzerner Südpol schlagartig ruhig geworden, nach Monaten mit Turbulenzen. Julia Stephan, Redaktorin Kultur, sagt, weshalb dies gut ist – und was der neue Vorstand aber bedenken sollte.
Julia Stephan
Julia Stephan, Redaktorin Kultur.

Julia Stephan, Redaktorin Kultur.

Ende Oktober haben an der ausserordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins Südpol die Mitglieder das neue Betriebskonzept für das Mehrspartenhaus Südpol einstimmig angenommen. Kontroverse Diskussionen gab es keine. Vor dem Hintergrund der turbulenten Ereignisse, die hinter uns liegen, kommt das einem kleinen Wunder gleich, waren sich die Leitung des Hauses, der ehemalige Vorstand und die Mitglieder des Trägervereins doch über Monate unversöhnlich in den Haaren gelegen. Im Sommer drohte der Konflikt mit dem geschlossenen Rücktritt des Vorstands komplett zu eskalieren. Eine Neuausschreibung des Mehrspartenhauses rückte in gefährliche Nähe. Geringere Besucherzahlen im letzten Jahr, eine lokale Theaterszene, die sich laut zu Wort meldete, weil sie sich – bar jeder faktischen Grundlage –, untervertreten fühlte, eine defizitäre Halbjahresrechnung und der auf Ende Jahr auslaufende Leistungsvertrag mit der Stadt erhöhten den kulturpolitischen Druck auf das Krienser Kulturhaus enorm.

Und jetzt plötzlich diese stille Einvernahme. Man muss es dem seit Ende August amtierenden neuen Vorstand um Vereinspräsident Marc Schwegler hoch anrechnen, dass es ihm gelungen ist, die vergiftete Luft aus den Räumen des Südpols mit einer beherzten Stosslüftung zu vertreiben. Funktioniert hat das mit einer Grundsatzdiskussion mit Interessenvertretern des Hauses. Bei der Erarbeitung des neuen Betriebskonzepts waren Südpol-nahe Kreise in mehreren Workshops dazu eingeladen worden, über die künftige Ausrichtung des Südpols zu diskutieren. Die Ideen sind in das neue Betriebskonzept eingeflossen. Für das Wunder der grossen Einigkeit an der letzten Mitgliederversammlung gibt es also eine banale Erklärung: Die Basis war von Anfang an mit einbezogen. Mit dieser Transparenz will man auch künftig punkten, sowohl bei der Öffentlichkeitsarbeit als auch bei den internen Budgetierungswerkzeugen, die neu überarbeitet werden. Momentan liegt das Konzept bei der Stadt. Die wird bald darüber entscheiden, ob die Ende Jahr auslaufende Leistungsvereinbarung mit dem Südpol unter den neuen Vorzeichen verlängert werden soll.

Hat man sich wirklich stark genug aneinander gerieben?

Doch wird man mit dem neuen Konzept wirklich revolutionär neue Wege beschreiten? Auf künstlerischer Ebene ist diese Frage kaum zu beantworten. Zu vage bleiben die Leitlinien, die dem Haus ein Profil geben könnten. Polarisierende Festlegungen wurden vorsorglich mit Gegenpolen neutralisiert: Breitentauglich will man sein, aber auch experimentell. Professionelles Kulturschaffen sei willkommen, Laien aber ebenso. Doch wenn das Haus weder das eine noch das andere hervorstreicht, für was steht es dann? Und hat man sich wirklich stark genug aneinander gerieben, oder wurden mögliche Konflikte bloss verschoben?

Auch auf struktureller Ebene sind die Eingeständnisse an verschiedene Interessenvertreter im neuen Betriebskonzept unübersehbar: Den aus der hiesigen Theaterszene kommenden feindlichen Reflexe gegenüber dem Intendantentum wurde mit dem Konzept eines mehrköpfigen künstlerischen Gremiums begegnet. Das soll künftig gemeinschaftlich mit einer betrieblichen Leitung an der Spitze des Südpol stehen.

Der Verzicht auf eine künstlerische Intendanz birgt aber auch Gefahren: Nach aussen hin wird ein Charakterkopf fehlen, der dem Haus ein Profil geben könnte, das seit Jahren so dringend gefordert wird. Mit Hinblick auf den nicht nachlassenden kulturpolitischen Druck auf das Mehrspartenhaus eine schwierige Ausgangslage. Die angekündigten zusätzlichen Stellenprozente für die Öffentlichkeitsarbeit und das Bekenntnis des neuen Vorstands, dem Haus bei strukturellen Fragen mit öffentlichen Wortmeldungen den Rücken frei zu halten, können das nur bedingt ausgleichen.

Ein Konsens ist Herausforderung genug

Auch intern kann solch eine Struktur, die man bei Mehrspartenhäusern vergleichbarer Grösse vergeblich sucht, zu Problemen führen. Wer mit Menschen spricht, welche in den 1970er Jahren die basisdemokratischen Experimente am Zürcher Neumarkt-Theater erlebt haben, lernt: Künstlerisch aufregend kann das schon sein. Doch das menschliche Verschleisspotenzial ist enorm. Zwar ist der Südpol weit davon entfernt, das radikale Konzept der Basisdemokratie einzuführen. Dort bestimmt jeder – vom Techniker bis zum Schauspieler – mit über das Programm. Dennoch: Ein Konsens unter fünf Menschen, die fünf unterschiedliche Bereiche leiten, von der Performance bis zur Klubnacht, ist Herausforderung genug.

Vielleicht aber gelingt es dem neuen Vorstand ja tatsächlich, mit nur wenigen inhaltlichen Vorgaben und einem Ausbau einer Community, welche Publikum und Ideen für Veranstaltungsformate ins Haus bringt, eine neue Kultur zu etablieren, die mehr wie eine Graswurzelbewegung funktioniert. Immerhin sind die neuen, wesentlich jüngeren Vorstandsmitglieder stärker ins lokale Kulturleben eingebunden als ihre Vorgänger. Kooperationen und Partnerschaften würden dann organisch wie von selbst zu wuchern beginnen, und der Südpol wäre seinen Ruf, ein von der Politik gepflanztes Fremdgewächs zu sein, endlich los. Als Vorbild dafür könnte das erfolgreiche Luzerner Kulturhaus Neubad dienen, das mit dieser Strategie seit Jahren die unterschiedlichsten Veranstalter ins Haus holt – und das Publikum gleich mit dazu.

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