Luzerner SVP will Standorte von Radarfallen online veröffentlichen

Autofahrer sollen künftig im Internet erfahren, wo im Kanton Luzern Geschwindigkeitsmessanlagen installiert sind. Die Zentralschweizer Polizeikorps halten wenig von dieser Forderung der Luzerner SVP.

Lukas Nussbaumer
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Eine der 22 in der Stadt Luzern fest verbauten Geschwindigkeits- und Rotlicht-Messanlagen befindet sich an der Tribschenstrasse. (Bild: Jakob Ineichen, 6. November 2019)

Eine der 22 in der Stadt Luzern fest verbauten Geschwindigkeits- und Rotlicht-Messanlagen befindet sich an der Tribschenstrasse. (Bild: Jakob Ineichen, 6. November 2019)

Buchs, Churerstrasse. Gossau, St.Gallerstrasse. Oder St.Gallen, Autobahn A1. In dieser Form veröffentlicht die Kantonspolizei St.Gallen jeden Freitag im Internet die aktuellen Standorte der semistationären Geschwindigkeitsmessanlagen. Die St.Galler Polizei gibt nicht an, wie lange die auf einem kleinen Anhänger platzierten, neun zügelbaren Radarfallen die Tempi messen. St.Gallen ist der einzige Schweizer Kanton, der die Standorte von Radaranlagen öffentlich macht – seit 2014.

Nun soll Luzern folgen, wie SVP-Kantonsrat Daniel Keller in einer kürzlich eingereichten Motion fordert. Das Vorstandsmitglied der Sektion Waldstätte des Touringclubs der Schweiz (TCS), zu der die Kantone Luzern, Ob- und Nidwalden gehören, will aber noch einen Schritt weiter gehen als St.Gallen: Die Luzerner Polizei soll neben den Standorten der semistationären auch jene der stationären, also fix installierten Radarfallen, publizieren. Im Kanton Luzern gibt es derzeit sieben stationäre Radaranlagen sowie drei semistationäre, die im ganzen Kantonsgebiet zum Einsatz kommen, sagt Christian Bertschi, Kommunikationschef der Luzerner Polizei, auf Anfrage (siehe Kasten am Ende des Beitrags).

Im Kanton St. Gallen sind die Unfallzahlen pro Fahrzeug gesunken

Für Daniel Keller hätte eine Veröffentlichung der Standorte von Radaranlagen einen positiven Einfluss auf die Verkehrssicherheit. Zwei Fakten würden dies belegen, sagt der Udligenswiler. So lägen die Unfallzahlen im Kanton St.Gallen seit der Praxisänderung 2014 um rund 15Prozent tiefer. Und dies, obwohl die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge seither gestiegen sei. «Die Unfallzahlen pro Fahrzeug sind also deutlich gesunken», folgert Keller.

Als zweiten Grund für seine Aussage nennt der Unternehmer die Entwicklung der Busseneinnahmen in St.Gallen, die sich seit 2014 nicht verändert habe. Da mit der Praxisänderung gleichzeitig fünf zusätzliche semistationäre Anlagen angeschafft wurden, seien die Busseneinnahmen pro Messgerät seither gesunken. «Das ist ein Hinweis darauf, dass die Geschwindigkeitsregeln besser eingehalten werden und die Sicherheit somit erhöht wurde.»

Verkehrspsychologe: «Angekündigte Kontrollen erhöhen die Sicherheit»

Zum gleichen Schluss kommt Verkehrspsychologe Uwe Ewert von der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU). Ewert sagte gegenüber unserer Zeitung kurz nach der Einführung des St.Galler Modells: «Das Vorgehen der St.Galler Polizei erhöht die Sicherheit auf den Strassen, da mehr Leute wissen, wo kontrolliert wird und demnach die Geschwindigkeitsvorgaben dort besser einhalten.» Wichtig seien jedoch auch unangekündigte mobile Kontrollen.

Laut Polizeisprecher Gian Andrea Rezzoli sind die Erfahrungen im Kanton St.Gallen mit der Online-Publikation von Radarfallen «durchaus positiv». Auswertungen über die genaue Wirkung wurden bis jetzt keine verfasst. Man stelle aber eine präventive Wirkung fest, und mit den mobilen Geräten sei sichergestellt, dass auf anderen Strassen jederzeit kontrolliert werden könne, so Rezzoli. Die St.Galler Polizei setzt neben den neun semistationären Anlagen zwei stationäre sowie ein Dutzend mobile Messgeräte ein. Den Verzicht auf die Publikation der stationären Fallen begründet Rezzoli so: «Es wissen sowieso alle, wo diese stehen.»

Bussenbudget in Luzern hat sich seit 2003 fast verdoppelt

Das sieht Daniel Keller gleich. Er will mit seinem Vorstoss nicht nur die Verkehrssicherheit erhöhen, sondern auch «erreichen, dass die Leute kontrollieren können, ob mit den semistationären Anlagen wirklich an kritischen Stellen gemessen wird». Aus seiner Meinung macht Keller keinen Hehl:

«Es wird zu viel und vor allem nicht an sicherheitsrelevanten Orten kontrolliert.»

Beweis sei das Bussenbudget des Kantons Luzern, das im Vergleich zur Verkehrszunahme überproportional gestiegen sei. Klar ist für Keller auch: «Die Blitzerdichte ist insbesondere in der Stadt Luzern zu hoch.» Es sei ein Unding, dass man von Meggen oder Adligenswil herkommend bis zum Bahnhof in Luzern an vier stationären Messanlagen vorbeifahre. «Das sind mehr als von Meggen nach St.Gallen.»

Angekündigte Blitzer sind «nicht zielführend»

Die Zentralschweizer Polizeikorps kommentieren die Praxis der Kantonspolizei St.Gallen nicht direkt. Das mache man «grundsätzlich nicht», so Lorenz Muhmenthaler, Leiter der Nidwaldner Verkehrs- und Sicherheitspolizei. Dennoch lassen die Korps durchblicken, wie wichtig ihnen unangekündigte Geschwindigkeitsmessungen sind. So sagt der Obwaldner Polizeikommandant Stefan Küchler:

«Nicht vorher angekündigte Kontrollen tragen unseres Erachtens klar zur Verbesserung der Verkehrssicherheit bei. Wir sehen aktuell keine Veranlassung, von dieser bewährten Praxis abzuweichen.»

Ins gleiche Horn stösst Judith Aklin, Kommunikationsverantwortliche der Zuger Polizei. Angekündigte Kontrollen seien «nicht zielführend». Nur unangekündigte Messungen würden das Geschwindigkeitsverhalten der Autofahrer nachhaltig beeinflussen, sagt Aklin. «Nicht angekündigte Kontrollen wirken generalpräventiv, indem sie die Einhaltung der geltenden Höchstgeschwindigkeiten auf dem ganzen Strassennetz sicherstellen und dadurch dazu beitragen, die Verkehrssicherheit hoch zu halten und Unfälle zu verhüten.»

Schwyz sagt, wo Radarkästen stationiert sind

«Kein Thema» sind im Internet veröffentlichte Messungen aktuell auch in Uri, Nid- und Obwalden. Ebenso wenig in Luzern – obwohl die Polizei das Dafür und das Dawider gemäss Kommunikationschef Christian Bertschi immer wieder thematisiert.

Die Kantonspolizei Schwyz kennt eine Zwischenlösung. Sie veröffentlicht die Standorte der fest installierten und jederzeit Messungen vornehmenden Anlagen ebenso wie jene der semistationären Radarfallen. Nicht bekanntgegeben wird jedoch, ob die semistationären Geräte im Einsatz stehen.