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Luzerner Theater: Bedrängt ein Neubau die Jesuitenkirche?

Die kantonale Denkmalpflege kann sich einen Theaterbau in unmittelbarer Nähe der Jesuitenkirche vorstellen – weil dort schon früher ein grosses Gebäude stand. Trotzdem besteht die Gefahr, dass der Kirche etwas die Show gestohlen wird.
Hugo Bischof
Bis ins Jahr 1949 stand zwischen Theater und der Jesuitenkirche noch der Freienhof, ein gotisches Gebäude. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Bis ins Jahr 1949 stand zwischen Theater und der Jesuitenkirche noch der Freienhof, ein gotisches Gebäude. (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Die Jesuitenkirche in Luzern wurde 1677 fertiggestellt. Sie hat Stürmen, Witterung und Kulturkämpfen getrotzt. Gerät ihre dominierende Stellung am linken Reussufer jetzt durch ein erst in vagen Zügen erkennbares Bauprojekt in Gefahr? Die Rede ist von den Neubau- oder Erweiterungsplänen für das Luzerner Theater, das knapp 50 Meter von der Jesuitenkirche entfernt ebenfalls am linken Reussufer steht.

Die Stadt Luzern hat eine Testplanung durchgeführt. Deren Ergebnis: Beide Varianten, Theater-Neubau oder -Erweiterung, wären städtebaulich an diesem Standort möglich (Ausgabe vom 12. September 2018).

Umgebungsschutz ausgeklammert

Das bleibt nicht unwidersprochen. «Das Thema Umgebungsschutz für die Jesuitenkirche wurde bei der Theater-Testplanung bisher vollkommen ausgeblendet», gibt André Meyer, früherer langjähriger Denkmalpfleger des Kantons Luzern und einst Präsident der Eidgenössischen Denkmalpflege, zu bedenken. «Die für viel Geld erstellte Machbarkeitsstudie hätte als erstes diese Fragen klären sollen», betont Meyer. «Eigentlich müsste man diese Abklärungen treffen, bevor man einen Wettbewerb startet.»

Meyer verweist darauf, dass die Jesuitenkirche im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS) aufgeführt ist: «Eine Mitsprache des Bundes ist deshalb zwingend. Schon für die Machbarkeitsstudie hätte deshalb eine Stellungnahme des Bundes eingeholt werden müssen.» Das sei leider nicht geschehen.

Meyer sieht darin eine gewisse Willkür, die für den Laien nicht nachvollziehbar sei. Sie zeige sich etwa darin, dass man bei der Untertunnelung der Museggmauer – im Felsen und weit unterhalb der Mauerfundamente – argumentiert, die Mauer könnte Schaden nehmen. Bei der Jesuitenkirche hingegen wolle man bis auf wenige Meter heran bauen, obwohl sie auf einem Eichenrost ‹schwimmt›», sagt Meyer. Das Lavieren und Taktieren sei «bemühend», so Meyer. Es erinnere an die Totalsanierung der Zentral- und Hochschulbibliothek (ZHB), die sich aus politischen und finanziellen Gründen über fast sechs Jahre hin verschleppte.

Immerhin, seit Anfang Dezember ist der Bund mit von der Partie. Stadt und Kanton haben die Ergebnisse der Testplanung Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege (EKD) zur Beurteilung vorgelegt, wie die kantonale Denkmalpflegerin Cony Grünenfelder berichtet. Es ist davon auszugehen, dass die Umgebung des Theaters bei der EKD stark ins Gewicht fallen wird. Denn im Leitsatz der Kommission heisst es, die Umgebung sei «Teil des Denkmals».

Abbruch des Freienhofes legte Ostfassade frei

Wie nah an die Jesuitenkirche würde bei der Theater-Erneuerung denn effektiv gebaut werden? Bei der Variante Erweiterungsbau würde der Abstand zur Jesuitenkirche an der engsten Stelle zehn Meter betragen und sich danach zur Reuss hin verbreitern. Das zeigt der Blick in den Testplanungsbericht. Bei der Variante Neubau wäre die Lücke zur Jesuitenkirche an der engsten Stelle fünf Meter breit und würde sich Richtung Reuss auf neun Meter verbreitern.

Das Projekt der HHF Architekten. (Grafik oben: Lea Siegwart, Grafik unten: zvg)

Das Projekt der HHF Architekten. (Grafik oben: Lea Siegwart, Grafik unten: zvg)

Dass dadurch der Blick auf die Ostfassade der Jesuitenkirche eingeschränkt wäre, ist klar. Allerdings war der Platz zwischen Theater und Jesuitenkirche, wo seit 2016 die provisorische Theater-Box steht, längst nicht immer so offen wie heute. Im Gegenteil: Hier stand einst der Freienhof, ein riesiges gotisches Gebäude, das 1949 abgerissen wurde. Ein Blick auf den Schumacher-Plan von 1790 zeigt, dass der Platz zwischen Freienhof und Jesuitenkirche relativ schmal war.

«Vor diesem Hintergrund ist es durchaus denkbar, dass der Theaterplatz wieder bebaut wird.»

Cony Grünenfelder, kantonale Denkmalpflegerin

Der Abriss des Freienhofes war umstritten. Gegner befürchteten, dass dadurch die Gebäudefront entlang der Reuss zerstört würde. 10 000 Luzerner unterschrieben eine Petition – vergeblich. Nach dem Abriss des Freienhofes wollte der Kanton an dessen Stelle zunächst die Zentral- und Hochschulbibliothek (ZHB) bauen. Auch dazu sagten die Luzerner Nein – diesmal mit Erfolg. Die Stadtbewohner fanden Gefallen an der freigestellten Ostfassade der Jesuitenkirche. So wurde die ZHB im Hirschmattquartier gebaut; der Theaterplatz blieb frei.

«Vor diesem Hintergrund ist es durchaus denkbar, dass der Theaterplatz wieder bebaut wird», sagt Cony Grünenfelder, die kantonale Denkmalpflegerin. Aber auch Grünenfelder unterstreicht, dass sich ein Neubau in den städtebaulichen Kontext einfügen sollte.

In Sachen Häuserreihe ist Folgendes ebenfalls interessant: Im Denkmalverzeichnis des Kantons Luzern ist die Jesuitenkirche als schützenswert verzeichnet. Das Theater hingegen ist nicht schützenswert, nicht einmal erhaltenswert. Die beiden Wohn- und Geschäftshäuser an der Bahnhofstrasse 8 und der Theaterstrasse 3 hingegen sind erhaltenswert, ebenso einige andere Gebäude an der Bahnhofstrasse.

Das neue Theater muss sich einordnen

Im Testplanungs-Fazit nimmt die Stadt den historischen Gedanken auf: «Ein neues Theatergebäude mit einem grösseren Gebäudevolumen als heute (...) schliesst die Gebäudefront entlang der Reuss, wie es ursprünglich der Fall war. Historisch betrachtet bildeten die Gebäude an der Bahnhofstrasse eine mehrheitlich geschlossene Struktur und damit ein Gegenüber zur ebenfalls geschlossenen Front der Altstadt.» Auch wenn der bestehende Kontext von grösseren Bauten geprägt sei, erfordere ein neuer Theaterbau dennoch «sorgfältige gestalterische Massnahmen, sei es betreffend der Dimensionen des Gebäudevolumens oder der Gliederung des Baukörpers und der Fassaden, um eine angemessene Integration des Neubaus im städtischen Gefüge zu gewährleisten».

In Anlehnung an die Geschichte des Orts könne die Nähe des Theaters zur Jesuitenkirche «zu einer Aufwertung der Situation beitragen», heisst es im Schlussbericht weiter. «Der neue Baukörper ist aber mit Rücksichtnahme auf die Jesuitenkirche differenziert zu gestalten. Ein markanter Hochpunkt wird an diesem Ort als nicht adäquat und verträglich beurteilt.»

Skepsis gegenüber Neubau

In diesem Sinn wird aus denkmalpflegerischer Sicht eine Neubau-Variante skeptisch beurteilt: «Auf der östlichen Seite bedrängt der Neubau durch seine Höhe und seine Geometrie die Jesuitenkirche. Die Fassadenhöhe nimmt zwar Bezug auf die Jesuitenkirche, aber der Baukörper mit seinen abgestuften und zurückspringenden Attika-Geschossen ist ortsfremd und gliedert sich schlecht in die Silhouette der Reussfront ein.»

Wie gross der bauliche Abstand zur Jesuitenkirche sein müsse, diese Frage könne und solle man derzeit «nicht mit einer absoluten Zahl beantworten», sagt der Luzerner Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner. «Es sind dabei sehr viele Faktoren massgebend, so spielt zum Beispiel, und nur rein technisch gesprochen, die Frage der Brandsicherheit eine Rolle.» Aber sicher viel wichtiger sei die Frage des Umgebungsschutzes beziehungsweise «die gebotene Rücksichtnahme auf das Denkmal Jesuitenkirche und die gesamtheitliche Beurteilung aus städtebaulicher und letztlich architektonischer Sicht».

Auch Rehsteiner hat den 1949 abgerissenen Freienhof im Blick. Dieser sei auf dem heutigen Theaterplatz zwar nicht direkt an die Jesuitenkirche angebaut gewesen, «aber doch in sehr geringem Abstand. Dieser Umstand beziehungsweise die Würdigung der historischen Entwicklung des Ortes spielt eine grosse Rolle bei der Frage, wie nahe neu wiederum an die Jesuitenkirche gebaut werden kann.»

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