Luzerner Theater: Eidgenössische Kommissionen erteilen den Plänen von Stadt und Kanton einen Korb

Kanton und Stadt Luzern wollen das Luzerner Theater erneuern. Eine entsprechende Machbarkeitsstudie findet in Bundesbern jedoch keine Gnade.

Simon Mathis
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Die denkmalpflegerischen Vorgaben zum Luzerner Theater sorgen bei Stadt und Kanton für Kopfzerbrechen.

Die denkmalpflegerischen Vorgaben zum Luzerner Theater sorgen bei Stadt und Kanton für Kopfzerbrechen.

Bild: Manuela Jans-Koch (24. Juli 2020)

Die Zukunft des Luzerner Theaters ist ungewisser denn je. Die Projektierungsgesellschaft Neues Luzerner Theater (NLT), bei dem Kanton, Stadt, Luzerner Theater und weitere Institutionen vertreten sind, müssen sich nun nämlich mit einer wenig erfreulichen Stellungnahme der eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz (ENHK) sowie Denkmalpflege (EKD) auseinandersetzen. Darin kritisieren die Kommissionen eine Machbarkeitsstudie, welche die Gesellschaft beim Luzerner Architekten Max Bosshard in Auftrag gegeben hat.

In seiner Studie wollte Bosshard aufzeigen, wie die Ideen des Luzerner Theaters mit den denkmalpflegerischen Vorgaben aus Bundesbern vereinbart werden könnten. Er kommt dabei zum Schluss, dass ein Umbau mit Erweiterung unter weitgehendem Erhalt des bisherigen Gebäudes nicht umgesetzt werden könne, wolle man dem Raumprogramm genügen. Die drei skizzierten Varianten «erfordern den Rückbau des Kernvolumens samt südlichem Anbau und einen Wiederaufbau mit angehobenem Dach». Die Nordfassade hingegen, der die Kommissionen eine besondere Bedeutung zuweisen, könne erhalten werden.

Machbarkeitsstudie ziele an den Vorgaben vorbei

Die Kommissionen ENHK und EKD hielten in ihrem Gutachten vom 11. Juli 2019 fest, dass Umbau und Erweiterung möglich sei, sofern man sich an die vorgegebenen Rahmenbedingungen halte. Beim jetzigen Vorschlag sei das jedoch nicht der Fall. Die Kommissionen halten in ihrer Stellungnahme fest: «Es erstaunt, dass die heute vorliegende Machbarkeitsstudie weder einen klaren Bezug zu den in Frage kommenden Testplanungsvarianten ‹Umbau mit Erweiterung› noch zum Gutachten erkennen lässt, sondern drei Varianten entwickelt, die vom Abbruch des heutigen Theatergebäudes und von einem Ersatzneubau ausgehen.»

ENHK und EKD betonten weiter, dass sie in ihrem Gutachten von 2019 nicht nur den Erhalt der Nordfassade gefordert hatten, «sondern den Erhalt des Theaters in seiner eindrücklichen Präsenz als Solitär im Ortsbild». Der Verfasser schlage «faktisch einen Ersatzneubau mit einem historischen Fassadenelement vor», was den Schutzzielen widerspreche.

Raumprogramm soll reduziert werden

Die Kommissionen empfehlen, eine Studie zu erstellen, die «von den Schutzzielen und Rahmenbedingungen ausgeht und losgelöst vom Betriebskonzept und Raumprogramm ein mit dem Denkmal und dem Ortsbild verträgliches Volumen entwickelt». Die Studie müsse dem in der Testplanung festgestellten geringen städtebaulichen Spielraum Rechnung tragen. Weiter schlagen die Kommissionen vor, das Raumprogramm zu reduzieren.

Die Projektierungsgesellschaft Neues Luzerner Theater, der Luzerner Stadtrat und der Kanton Luzern werden sich in den nächsten Wochen mit der Stellungnahme auseinandersetzen und das weitere Vorgehen festlegen.

Update folgt.

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