LUZERNER THEATER: Verdi-Oper «Rigoletto» schlägt alle Rekorde

Alle Aufführungen von «Rigoletto» sind ausverkauft. Der Theater-Verwaltungsdirektor führt dies unter anderem auf das Raumtheater-Konzept zurück – und verspricht weitere Überraschungen.

Interview Hugo Bischof
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So präsentiert sich das Viscosi-Areal, auf dem die Aufführung stattfindet. (Bild: PD/Ingo Höhn)

So präsentiert sich das Viscosi-Areal, auf dem die Aufführung stattfindet. (Bild: PD/Ingo Höhn)

Erfolgsmeldung des Luzerner Theaters: Alle noch folgenden acht Aufführungen der Verdi-Oper «Rigoletto» sind ausverkauft. Als Bühne dient eine leer stehende Industriehalle in der Viscosistadt in Emmenbrücke, die in den 1950er-Jahren erbaut worden ist und nach den Ausführungen abgerissen wird (Ausgabe vom 14. Oktober). Wir befragten Adrian Balmer, Verwaltungsdirektor des Luzerner Theaters, zum Erfolg und zur ungewöhnlichen Spielstätte.

Adrian Balmer, wann gab es das letztmals, dass das Luzerner Theater bei einem Stück völlig ausverkauft war?

Da muss man zum Glück gar nicht so weit zurückgehen. Hundert Prozent Auslastung im grossen Haus hatten wir zum Beispiel beim Musical «West Side Story» und der Oper «Zauberflöte» in der Saison 2010/2011, beim Ballett «Romeo und Julia» 2012/13, aber auch bei den Kinderstücken «99 Elefanten» 2013/14 und «Pippi Langstrumpf» 2014/15.

Um «Rigoletto» ist ein rich­tiger Hype entstanden. Alle reden davon. Woran liegt das?

Das freut uns natürlich. Und das zeigt, dass der neue Theater­direktor Benedikt von Peter mit seinem Konzept des Raumtheaters, der Suche nach neuen Räumen und neuen Raum-Settings auf dem richtigen Weg ist.

Der Aufführungsort in der alten, stillgelegten Viscosi-Halle ist also ein wichtiger Faktor?

Ja, ganz klar. «Rigoletto» in der Viscosi-Halle ist ein Gesamt­ereignis. Die Melancholie des Stücks verbindet sich auf spezielle Weise mit der Melancholie dieses Raums. Dazu kommt das Überraschungsmoment. Das Publikum weiss nicht, was es erwartet. Die 350 Zuschauerinnen und Zuschauer versammeln sich in der nahe gelegenen Kunst- und Design-Schule und werden dann in die Halle geführt, wo sie sich in dieser ungewohnten Umgebung finden, umgeben von Musikern und Sängern.

Am 2. Dezember ist die letzte «Rigoletto»-Aufführung angesagt. Wird es Zusatz­aufführungen geben?

Das ist natürlich unser Wunsch. Und wir arbeiten mit Hochdruck daran, zumindest eine Zusatzaufführung disponieren zu können. Mehr werden wohl leider nicht möglich sein.

Warum nicht?

Nach «Rigoletto» wird die Vis­cosi-Halle abgerissen. An ihrer Stelle wird der Erweiterungsbau für die Hochschule Design/Kunst errichtet. Dazu kommt die Verfügbarkeit unseres Personals. Einerseits ist da das Luzerner Sinfonieorchester, das im Dezember/Januar ein sehr dichtes Programm hat. Und wir haben verschiedene Gastsänger, die parallel andere Engagements haben.

Wie ist die Saison 2016/17 unter dem neuen Intendanten insgesamt angelaufen?

Hervorragend! Das «Globe» stiess auf grosses Interesse, die Aufführungen von Luigi Nonos «Prometeo» waren mehrheitlich ausverkauft. Gerade wurde die Premiere von Molières «Menschenfeind» begeistert aufgenommen, und es wird auch weitere Raum-Überraschungen und -Umnutzungen geben, im kommenden Frühling etwa Monteverdis «Marienvesper» in der Jesuitenkirche. Das Raumtheater des neuen Intendanten Benedikt von Peter auf künstlerisch hohem Niveau trifft offensichtlich den Nerv des Publikums. Auch die «Box» vor dem Theater findet ein breites Publikum. Dass eine neue Theaterintendanz sowohl beim Publikum als auch bei den Medien gleichermassen auf positive Resonanz stösst, ist selten – hier ist es der Fall. Erfreulicherweise können auch die Freunde Luzerner Theater bei den Mitgliedern einen Zuwachs von über 50 Prozent verzeichnen.

Zurück zur Viscosi-Halle: Wird es weitere Produktionen an ähnlichen Orten geben? Sind Sie schon auf der Suche?

Wir sind tatsächlich am Sondieren. Es wird mit Sicherheit auch in den kommenden Saisons wieder überraschende Produktionen des Luzerner Theaters in neuen Räumen geben. Mehr dazu kann ich heute noch nicht verraten.

Interview Hugo Bischof

Das Luzerner Theater geht in die Viscosistadt. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)
8 Bilder
Es spielt den Opernkrimi «Rigoletto» dort, wo früher industriell Garn gesponnen wurde und und heute mit einer neuen Durchmischung von Industrie, Gewerbe, Bildung, Dienstleistung, Wohnen und Kultur ein neues Kapitel Luzerner Stadtgeschichte beginnt. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)
Regie führt Marco Storman. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)
Die Inszenierung spielt in der Pilothalle der Viscosuisse AG in Emmenbrücke. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)
An der Produktion mit beteiligt sind auch Studenten des Studiengangs Video der Hochschule Luzern – Design & Kunst. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)
Premiere war am 16. Oktober, gespielt insgesamt 17 Mal bis am 2. Dezember. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)
Nach der letzten Vorstellung wird die Halle abgebrochen. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)
Verdis Oper konfrontiert Wünsche und Bedürfnisse einer Vätergeneration mit den Träumen und dem Aufbruch der Jugend. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)

Das Luzerner Theater geht in die Viscosistadt. (Bild: Ingo Höhn / Luzerner Theater)


 

«Es geht auch kleiner»

Der Wille zur Weiterentwicklung des Neuen Theaters Luzern ist auch nach dem Scheitern der Salle Modulable noch da. Das zeigte ein Podiumsgespräch des Theaterclubs am Montag in der Box des Luzerner Theaters.

Luzerns neuer Theaterintendant Benedikt von Peter formulierte es so: «Die Idee der Salle Modulable in Luzern ist nicht tot. Wir können nach den Ereignissen im September jetzt von einem neuen Punkt aus weiterfahren.» Laut Schauspieler Patric Gehrig ist «in der ganzen Luzerner Kulturszene die Lust zu spüren, etwas Neues zu beginnen, ganz ohne Futterneid». Reto Ambauen, Leiter des Voralpentheaters, stellte klar: «Das Raumkonzept der Salle Modulable wollte alles können, und das war zu viel. Die Salle Modulable war kein Projekt von Luzern, und das spürte man. Ein neues Theater muss demokratisch aufgegleist sein, und die Luzerner müssen es wollen.»

Benedikt von Peter fügte hinzu: «Man muss ein neues Theater von Luzern aus denken. Man muss sich fragen, was brauchen wir, und dann vielleicht feststellen, es muss nicht unglaublich viel kosten, es geht auch kleiner.»

(hb.)

Adrian Balmer, Verwaltungsdirektor Luzerner Theater: «Wir arbeiten mit Hochdruck daran, zumindest eine Zusatzaufführung disponieren zu können.» (Bild: PD/Ingo Höhn)

Adrian Balmer, Verwaltungsdirektor Luzerner Theater: «Wir arbeiten mit Hochdruck daran, zumindest eine Zusatzaufführung disponieren zu können.» (Bild: PD/Ingo Höhn)