LUZERNER THEATER: Verführen und verführt werden

Das Tanzensemble reist ins 17. Jahrhundert und zeigt einen traumwandlerischen «Don Juan» von Fernando Melo. Die Premiere begeisterte.

Eva Bucher, sda
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Don Juan (Samuel Déniz Falcon) lässt sich auf allen Ebenen verzaubern. (Bild Luzerner Theater/Gregory Batardon)

Don Juan (Samuel Déniz Falcon) lässt sich auf allen Ebenen verzaubern. (Bild Luzerner Theater/Gregory Batardon)

Der legendäre Herzensbrecher und Verführer, Don Juan, hat die Ballettwelt zum ersten Mal 1761 in Wien beschäftigt. Als Theater kam er 1613 erstmals in Madrid auf die Bühne. Nun eröffnete er die neue Tanzsaison am Luzerner Theater. Der 32-jährige brasilianische Choreograf Fernando Melo will mit seinem «Don Juan», den er speziell für das Luzerner Tanzensemble kreiert hat, exakt in diese alten Zeiten zurück.

Barockes Bewegungsgemälde

Zusammen mit seinem Ausstatter Patrick Kinmoth hat Fernando Melo im barocken Bühnentableau ein Bewegungsgemälde ausgeschmückter Gesten und Schritte als Endlosschleifen kreiert, welches Verführen und Verführtwerden zwischen Ironie und Ernst ausleuchtet.

Der Tänzer Samuel Déniz Falcon als Don Juan, der später im Tänzer Davidson Farias sein narzisstisches Spiegelbild bekommt, ist ein geschmeidiger Tausendsassa, der sich von weiblichen Armen und Beinen wie von duftenden Blütengewächsen umgarnen lässt. Die verführten Damen ihrerseits fächern sich Luft zu. Sie fallen entweder in Ohnmacht oder in die Arme des Herzensbrechers.

Einheit von Bühnenbild und Tanz

Dabei sind die Protagonisten Marionetten ihrer selbst und anderer: Die Schritte und Gesten der Verführung werden von Begleitern drapiert und gesteuert, als folgte der Herzensbruch dem Hofprotokoll.

Geschickt verbindet der Choreograf Kostümzauber, geschmeidigen Tanz und Bühnenbild zu einer wandlungsreichen Einheit, die zuweilen an Commedia dell’Arte erinnert. Sich zwischen und hinter Brettern bewegend, kreieren die Tanzenden ihr eigenes Labyrinth. Eindrücklich, wie Don Juan zunehmend in narzisstischen Spiegelungen seiner selbst verloren geht. Tragik und Komik verbinden sich.

Musiker auf der Bühne

Unterstützt wird die stimmungsvolle Atmosphäre durch die Musiker und Musikerinnen des Luzerner Sinfonieorchesters unter der Leitung von Florian Pestell, welches verschiedene Kompositionen von Christoph Willibald Gluck zum Besten gibt. Musiker und Sängerinnen mischen sich dabei auch unter die Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne. Ein gelungener Tanzabend, der durch originelle Ideen des Choreografen besticht. Die Brillanz der einzelnen Einfälle ist indes dramaturgisch zu wenig stringent. Es entstehen zuweilen Längen.

Hervorragendes Tanzensemble

Handlungsballette im Stil vergangener Jahrhunderte sind für die Tänzerinnen und Tänzer des zeitgenössisch orientierten Tanzensembles des Luzerner Theaters ungewohnte Kost. Umso eindrücklicher ist die Wandlungsfähigkeit und Virtuosität der Tanzenden.

Kathleen Mc Nurney, seit der Spielzeit 2009/10 künstlerische Leiterin des Luzerner Tanzensembles gelingt es immer wieder, vielseitig talentierte Gastchoreografen zu verpflichten. Auch mit dem Engagement des jungen Brasilianers Fernando Melo ermöglicht sie den Luzerner Tanzinteressierten, die virtuose Kreativität junger Choreografen kennen zu lernen. Das Premierenpublikum war begeistert und bedankte sich mit Standing Ovations.

Hinweis

Weitere Vorstellungen: 12. Oktober, 13.30 Uhr und 20 Uhr, 18., 24., 30. Oktober, je 19.30 Uhr.

www.luzernertheater.ch