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Luzerner Touristencars sollen nach Kriens

Die Stadt Luzern konkretisiert ihre Pläne für die Zukunft der Carparkierung. Das Motto lautet «Raus aus der Stadt».
Robert Knobel
Das Areal Hinterschlund (links) soll künftig als Carparkplatz dienen. (Bild Pius Amrein, 12. Juni 2015)

Das Areal Hinterschlund (links) soll künftig als Carparkplatz dienen. (Bild Pius Amrein, 12. Juni 2015)

Wie weiter mit dem Luzerner Tourismus? Wohin mit den vielen Cars? Über diese Fragen diskutiert die Politik schon seit Jahren. Ideen und Forderungen werden aufgebracht und wieder verworfen (siehe Infobox am Ende des Artikels). Auch im Stadtparlament endete die Debatte mit der Rückweisung des Bericht und Antrags «Attraktive Innenstadt» 2018 in einer Sackgasse. «Wir mussten zwei Schritte zurück machen», sagt Stadtrat Adrian Borgula (Grüne). Dies bedeutet: Bevor über konkrete Massnahmen entschieden werden kann, braucht es eine Gesamtbetrachtung. Was darunter genau zu verstehen ist, präzisierte der Stadtrat am Freitag an einer Medienkonferenz: Die Bevölkerung soll befragt, Analysen erstellt und Workshops mit Interessenvertretern durchgeführt werden. Auch Fachleute sollen beigezogen werden. Bis 2021 soll klar sein, welche Art von Tourismus sich Luzern wünscht, und welche Massnahmen bezüglich Vermarktung und Infrastruktur es dazu braucht.

Bei der Infrastruktur geht es insbesondere um die Frage der Carparkplätze. Und hier scheinen die Pläne der Stadt inzwischen klarer zu sein: Nachdem die Aufhebung der Carparkplätze am Inseli per Volksentscheid beschlossen und Alternativstandorte (Allmend und Brüelmoos) im Parlament gescheitert sind, lautet die Devise nun «Raus aus der Stadt». Der Stadtrat hatte schon länger das Grundstück Hinterschlund neben dem Pilatusmarkt in Kriens im Auge (wir berichteten). Die Wiese gehört der Stadt Luzern und wird heute schon sporadisch als Parkplatz bei Grossanlässen gebraucht. Nun will der Stadtrat das Vorhaben rasch umsetzen. Ab 2021 sollen dort Chauffeure ihre Cars parkieren, während die Passagiere in der Innenstadt shoppen. Demnächst sollen erste Gespräche zwischen den Stadträten von Luzern und Kriens stattfinden.

Was Kriens von Carparkplätzen beim Pilatusmarkt hält, hat Bauvorsteher Matthias Senn (FDP) bereits vor einem Jahr in unserer Zeitung deutlich gemacht: «Seit 50 Jahren ist das Areal eingezont, dient bisher aber nur als sporadischer Parkplatz. Wir finden es nicht in Ordnung, dass die Stadt einfach Bauland hortet». Kriens wünscht sich schon lange, dass das Areal mitten im Entwicklungsgebiet Luzern Süd endlich einer hochwertigen Nutzung zugeführt – sprich überbaut – wird. Ob und wie sich Kriens gegen die Pläne der Stadt Luzern wehren kann, bleibt offen. Denn zumindest aus zonenrechtlicher Sicht wären Carparkplätze auf dem Areal erlaubt.

Langer Weg zum Zwischenparkplatz

Ein kritischer Punkt ist hingegen der Verkehr: Die Chauffeure müssen für die 5 Kilometer lange Strecke vom Schwanenplatz zum Pilatusmarkt die ganze Innenstadt durchqueren sowie die zunehmend überlastete Nidfeld- und Ringstrasse in Luzern Süd – nur, um zwei Stunden später dieselbe Strecke wieder zurück zu fahren:

Dabei, so kommt eine von den Uhrengeschäften 2018 in Auftrag gegebene Studie zum Schluss, ist die einfache und schnelle Erreichbarkeit des Stadtzentrums einer der Hauptgründe für Luzerns Attraktivität für Gruppentouristen. Ihr sei es zu verdanken, dass bis zu 80 Prozent der Gruppenreisen in Mitteleuropa über Luzern führen.

Stadtrat: Lieber Cars als Mietautos

Der Luzerner Stadtrat bekennt sich denn auch grundsätzlich zum Cartourismus, wie Finanzdirektorin Franziska Bitzi (CVP) betont: «Der Cartourismus ist kein schlechter Tourismus.» Er sei sehr flächeneffizient und auch einfacher zu steuern als etwa «Individualtouristen, die mit ihrem Mietauto die Busspuren blockieren oder abbiegen, wo sie nicht sollten», wie Bitzi sagt.

Für den Stadtrat ist gleichzeitig klar, dass die Carparkplätze in Kriens keine definitive Lösung darstellen können. Langfristig müsse die Carparkierung nachhaltiger gelöst werden. Etwa mit einem neuen Parkhaus in der Innenstadt, wie das Private schon lange vorschlagen? Die jetzt gestartete Gesamtbetrachtung soll auch darauf Antworten geben. «Wir sind ergebnisoffen», fügt Adrian Borgula hinzu.

Gutachten-Flut zum Thema Cars und Tourismus

Die Frage, wie sich der Luzerner Tourismus entwickeln soll, hält seit Jahren nicht nur Politiker auf Trab, sondern auch Ingenieure und Stadtplaner. Seit 2014 wurden insgesamt 19 Studien und Gutachten erstellt – 10 davon im Auftrag der Stadt Luzern, die übrigen von Tourismus- und Wirtschaftskreisen. Dabei handelt es sich etwa um Wertschöpfungsstudien, aber auch um die Zahl der Carbewegungen etc. Eine weitere Studie untersuchte die Bedeutung des Tagestourismus, kommt aber zum Schluss, dass es schlicht keine seriösen Berechnungsgrundlagen dazu gibt. Hinzu kamen Vorschläge für konkrete Bauprojekte von privater Seite, etwa die Parkhäuser Musegg (2014) und Schweizerhof (2017) sowie die Metro (2013).

Auf politischer Ebene waren folgende Entscheide relevant: Einführung des neuen Anhalteregimes am Schwanen-/Löwenplatz (2015), Erhöhung der Parkgebühren für Cars (2016), Annahme der Inseli-Initiative (2017) sowie die überwiesene Motion «Tourismus 2030» der Grünen (2019).

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