Luzerner Transportunternehmen zur Maskenpflicht: «Unser Personal ist nicht die Polizei»

Die regionalen Transportunternehmen begrüssen mehrheitlich die ab Montag geltende Maskenpflicht. Der Umsetzung seien aber Grenzen gesetzt, wie aus einer Umfrage unserer Zeitung hervorgeht.

Alexander von Däniken
Drucken
Teilen
Ab kommendem Montag verboten: Die Benützung des ÖV ohne Schutzmaske, hier am Luzerner Bahnhofplatz.

Ab kommendem Montag verboten: Die Benützung des ÖV ohne Schutzmaske, hier am Luzerner Bahnhofplatz.

Nadia Schärli (22. Juni 2020)

Ob im Zug, Bus, auf dem Schiff oder in der Bergbahn: Ab Montag gilt im öffentlichen Verkehr die Maskenpflicht. Das hat der Bundesrat am Mittwoch entschieden. Der Entscheid kam für die Transportunternehmen in der Region überraschend, wie eine Umfrage zeigt. Denn der Bundesrat gab eigentlich die Entscheidungskompetenz an die Kantone ab. Da eine lokale und regionale Umsetzung der Maskenpflicht allerdings keinen Sinn macht, nahm der Bundesrat das Heft wieder an sich.

Ein älteres Ehepaar unterwegs mit dem öffentlichen Verkehr.

Ein älteres Ehepaar unterwegs mit dem öffentlichen Verkehr.

Bild: Eveline Beerkircher (Emmenbrücke, 2. Juli 2020)

VBL: Einheitliche Lösung macht Sinn

Die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) begrüssen die Maskenpflicht. «Sie dient dem Schutz unserer Mitarbeiter und der Fahrgäste», sagt Mediensprecher Sämi Deubelbeiss. «Dass ausserdem eine schweizweit einheitliche Lösung gefunden wurde, ist ebenfalls begrüssenswert.» Auch für die VBL ist die Kontrolle noch unklar. Laut Deubelbeiss sei man hier mit der Postauto AG in Kontakt, um eine einheitliche Lösung anzustreben. Klar ist auch für die VBL: Chauffeure und Kontrolleure sind keine Polizisten. Die SBB hätten immerhin eine Bahnpolizei.

Dennoch ist Deubelbeiss optimistisch, dass sich der Grossteil an die Maskenpflicht halten wird:

«In Deutschland und Frankreich ist es schon normal, im ÖV eine Maske zu tragen.»

Dort werde man im Gegenteil schräg angeschaut und auch angesprochen, wenn man keine trägt. Hinweise auf ein ähnliches Verhalten gebe es auch in der Schweiz: In Umfragen begrüsst eine Mehrheit der ÖV-Nutzer die Maskenpflicht. In den VBL-Bussen wird auf Screens auf die Pflicht hingewiesen, ob es Durchsagen geben wird, ist noch unklar.

Schifffahrtsgesellschaft: Gästerückgang befürchtet

Auch die Auto AG Rothenburg stellt sich hinter die Maskenpflicht. «Die Massnahme wird mitgetragen und dient primär zur Reduktion der steigenden Fallzahlen», sagt Geschäftsführer Martin Senn. Im ÖV seien viele Menschen über längere Zeit nahe beieinander, was das Risiko einer Ausbreitung erhöhe. «Zudem lassen sich die Kontaktdaten der anwesenden Personen nicht erfassen, was ein Contact Tracing verunmöglicht, wenn eine Person an Covid-19 erkrankt.» Auf die bisherige Empfehlung des Bundes seien nur die wenigsten Fahrgäste eingegangen. Was die Kontrollen betrifft, wartet auch die Auto AG Rothenburg auf die Verordnungen des Bundes. Gleichwohl appelliert Senn an die Eigenverantwortung der Fahrgäste: «Das Fahrpersonal in den Bussen ist nicht für die Umsetzung der Maskenpflicht verantwortlich.»

Die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) hat an der Maskenpflicht keine Freude, wie Chefkapitän Michel Scheurer sagt. Er gibt zu bedenken, dass ihre Gäste in erster Linie in der Freizeit zu ihnen kommen:

«Wir befürchten, dass wir weniger Gäste haben werden, wenn über längere Strecken die ganze Zeit die Maske getragen werden muss.»

So dauere die Fahrt von Luzern nach Flüelen und zurück rund sechs Stunden.

Noch offen ist, ob die Maskenpflicht auch auf dem Aussendeck gilt. Fragen stellen sich Scheurer ebenfalls bei den Kontrollen. Zwar werde beim Einstieg auf die Tragpflicht hingewiesen und an der Kasse gebe es Masken zu kaufen. «Aber unsere Angestellten sind keine Polizisten.» Notfalls müsse die Polizei zur nächsten Anlegestelle gerufen werden, um renitente Fahrgäste aus dem Schiff zu holen. Scheurer hofft nicht, dass es so weit kommt; er appelliert an die Vernunft der Fahrgäste und die soziale Kontrolle.

Pilatusbahnen: Polizei auf Berg rufen unmöglich

Die Pilatusbahnen nehmen die Maskenpflicht positiv auf, wie Direktor Godi Koch sagt: «Der Entscheid des Bundesrats schafft Klarheit. Bisher haben in unseren Bahnen nur die wenigsten Gäste eine Maske getragen.» Nun weisen die Pilatusbahnen auf die Pflicht hin und verkaufen die Masken bei Bedarf auch. Die Kontrolle gestalte sich aber schwierig. Die Fahrgäste werden zwar angesprochen, «aber unser Personal ist nicht die Polizei». Im schlimmsten Fall steigen allenfalls renitente Passagiere ohne Maske ein. Die Polizei könne schlecht gerufen werden, wenn sich der Betreffende auf der Fräkmüntegg oder auf Kulm befindet. Koch hofft dann auf die soziale Kontrolle unter den Fahrgästen.

Falls eine Familie in einer 4er-Gondel während der Fahrt die Masken auszieht, sei das halt so. In den grösseren Kabinen und der Zahnradbahn hofft Koch umso mehr auf das Verständnis aller Fahrgäste. Von einem Einbruch der Passagierzahlen geht Koch derzeit nicht aus:

«Die Faszination für den Pilatus wird nicht kleiner.»

Er findet: «Dafür während wenigen Minuten eine Maske zu tragen, dürfte für die meisten Gäste vertretbar sein.»

Zentralbahn: Warten auf Vorgaben der SBB

Die Zentralbahn verweist für eine Stellungnahme auf die SBB. Diese ist Systemführerin für den Schienenverkehr und hat als solche betreffend Umsetzung der Maskenpflicht die Hauptverantwortung. Schon jetzt ist allerdings in den Zügen der Zentralbahn die Durchsage zu hören, wonach die Passagiere eine Maske aufsetzen sollen, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann.

Mehr zum Thema