LUZERNER UMZUG: Diese Nummern hätten wir auch noch gerne gesehen

Wilde Gruppen pfefferten den gestrigen Wey-Umzug mit zusätzlicher Würze. Im offiziellen Umzugsprogramm gabs allerdings einige inhaltliche Lücken.

Hieronimus Martinu
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Oben: Wikingerschiff auf der Brücke statt im Wasser. Mitte links: Kasperli der Maskenliebhabergesellschaft. Mitte rechts: Viel Applaus für die wilden blechernen Pferde. Unten: Seit der Fasnacht im Umlauf: Sepp-Blatter-Dollars. (Bilder Pius Amrein/Philipp Schmidli)

Oben: Wikingerschiff auf der Brücke statt im Wasser. Mitte links: Kasperli der Maskenliebhabergesellschaft. Mitte rechts: Viel Applaus für die wilden blechernen Pferde. Unten: Seit der Fasnacht im Umlauf: Sepp-Blatter-Dollars. (Bilder Pius Amrein/Philipp Schmidli)

Farbenprächtig, aufwendig, imposant, laut – mit vielen grossartigen Grende: Der Luzerner Fasnachtsumzug vermag auch im zweiten Umgang Abertausende zu begeistern. 40 000 warens gestern am Strassenrand, so die Schätzung der Luzerner Polizei (Vorjahr: 35 000). Der Wey-Umzug ist auch darum so beliebt, weil am Güdismontag jeweils auch auffällig viele wilde Gruppen zwischen den offiziellen Nummern mitlaufen.

Darunter gabs auch aktuelle Themen – etwa die Zika-Mücke. Eine Gruppe khakifarbig gekleidete Tropen-Touristen verscheuchte die bösen Biester wild fuchtelnd mit Fliegentatschen und Mückenspray. Auch der viel diskutierte, von Astrophysikern bisher erst theoretisch berechnete Planet 9 lief leibhaftig mit. Fifa-Blatter war ein häufiges Thema. Sein neuster Streich: Er mischte sich am Luzerner Umzug frech unter die offiziellen Fasnachtskomitee-Geldsammler. In seinem Netz landeten aber – soweit wir es beurteilen können – nur Konfetti.

Ein wildes Sujet. (Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ))
51 Bilder
Ein wildes Sujet. (Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ))
Ein wildes Sujet. (Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ))
Ein wildes Sujet. (Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ))
Fidelitas Lucernensis mit dem Motto «Salle Modulable». (Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ))
Guggenmusig Schteichocher Chriens. (Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ))
Chottlebotzer Lozärn. (Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ))
Ein wildes Sujet. (Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ))
Ein wildes Sujet. (Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ))
Fisigöggeler Soorsi mit dem Motto «Blindgängertruppe F12». (Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ))
Ein wildes Sujet. (Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ))
Ein wildes Sujet. (Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ))
Ein wildes Sujet. (Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ))
Zunft zu Safran mit dem Motto «Lozärn Glänzt». (Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ))
Ein freies Sujet. (Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ))
Latärndlihöckler Lozärn. (Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ))
Fasnächtler beim Umzug der Wey-Zunft in Luzern. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Fasnächtler beim Umzug der Wey-Zunft in Luzern. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Blattlüüs Lozärn mit dem Motto «Lucky Luke and the Daltons». (Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ))
Viel Konfetti am Wey-Umzug. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Hase mit einem Auge. (Bild: ALEXANDRA WEY)
Fasnächtler beim Umzug der Wey-Zunft in Luzern. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Fisigöggeler Soorsi mit dem Motto «Blindgängertruppe F12». (Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ))
Gförchig wirds vor dem «Schweizerhof». (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Der Guedismontag ist in Luzern der Ehrentag der Wey-Zunft. Die Fasnacht geht vom 4. bis zum 9. Februar. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Fasnächtler beim Umzug der Wey-Zunft in Luzern. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Fasnächtler beim Umzug der Wey-Zunft in Luzern. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Fasnächtler beim Umzug der Wey-Zunft in Luzern. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Ein als Roger Federer verkleideter Fasnächtler zieht durch die Altstadt. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Der Umzug von oben. (Bild: Online-Team Neue LZ)
Voll: Die Terasse des Hotels Monopol. (Bild: Online-Team Neue LZ)
Sicherheitskräfte schauen auf die Spurtreue der Guiggenmusik (Bild: Online-Team Neue LZ)
Fahrende Pilze an der Hirschmattstrasse (DooQ mit Zauberwald). (Bild: Online-Team Neue LZ)
Die Nonnen von Schenkastico mit dem Motto Konklave – da hilft nur noch beten.. (Bild: Online-Team Neue LZ)
Luzerner Engel. (Bild: Online-Team Neue LZ)
ACDC? (Bild: Online-Team Neue LZ)
Darum dreht sich alles bei der Fifa - findet die Wey-Zunft. (Bild: Online-Team Neue LZ)
Die armen Näbelhüüler Äbike. Alles rostet und scheppert - und ist angekettet. (Bild: Online-Team Neue LZ)
Wer will eine Orange? (Bild: Online-Team Neue LZ)
Zuschauer bei der Ecke Pilatusplatz / Hirschmattstrasse. (Bild: Online-Team Neue LZ)
Zuschauer warten gespannt am Strassenrand. (Bild: Online-Team Neue LZ)
Wey-Zunftmeister Andreas Arpagaus verteilt in der Wey-Kutsche Orangen. (Bild: Online-Team Neue LZ)
Der Umzug beginnt. (Bild: Online-Team Neue LZ)
Die Affeninsel der Gruppe «Schnipp Schnaps» kommt geschwommen. (Bild: Online-Team Neue LZ)
Was kommt jetzt noch? (Bild: Online-Team Neue LZ)
Bild: Online-Team Neue LZ
Rotsee-Husaren Ebikon mit 500 Johr Reinheitsgebot (Bild: Online-Team Neue LZ)
Bild: Online-Team Neue LZ
Für die ersten Nummern ist der Umzug vorbei: Die Wikinger haben einparkiert. (Bild: Online-Team Neue LZ)
Sammelstelle für die Umzugsnummern (Bild: Online-Team Neue LZ)
Jetzt fährt die Putz-Equipe auf (Bild: Online-Team Neue LZ)

Ein wildes Sujet. (Bild: Philipp Schmidli (Neue LZ))

Witzig waren auch die feschen Luzerner Zumba-Tänzerinnen, die das Publikum zum Mittanzen animierten. Den grössten Szenenapplaus erhielten aber die vier auf blechernen Springpferden balancierenden Military-Reiter.

Lokal? Nur 3 von 39 Nummern

Aber wer gut aufgepasst hat, dem ist nicht entgangen: Fabula, Lucky Luke und die Daltons, Wüstenkrieger, Waldwächter, Hippie-Bus – unter den 39 offiziellen Umzugsnummern gabs kaum Lokales. Drei echte Luzerner Sujets zählten wir: Fidelitas mit der Salle Modulable, die Zunft zu Safran mit ihrer Putztüüfeli-Nummer «Lozärn glänzt» und die Bueri Chessler mit ihrem Schiff-Shuttle zum Car-verstopften Schwanenplatz. Saftige (internationale) Aktualität gabs – ähnlich einigen wilden Nummern – mit Fifa-Wey-Zunft-Ratten und Sepp Blatter auf dem fliegenden Stuhl.

Lokale Aktualität fasnächtlich umzusetzen, das ist nicht immer einfach. Schliesslich starten die Sujet-Planungs- und -baurunden ja bereits nach dem Sommer. Nichtsdestotrotz: Mehr lokaler Pfeffer würde den Umzugsbraten noch würziger machen. Darum seien hier – gratis und als unverbindliche Preisempfehlung – auch noch Nummern aufgeführt, die wir gerne gesehen hätten.

1 Ladenschlusskommandos on Tour

Voll ausgerüstete Luchs-Elitepolizisten stürmen die Luzerner Seifen-, Uhren-, Schuh-, Gipfeli- und Cervelat-Läden. Weil die Geschäfte aber bereits geschlossen sind, werden die Türen mit viel Rauch und Konfettiknall gesprengt. Die grosse Ladenschluss-Uhr im Hintergrund steht auf 18.34 Uhr.

2 Stadtratsdollars fürs Volk

Das magistrale Luzerner Fünfergrüppli Roth, Stämmer, Borgula, Merki und Jost steht gequält lächelnd (und manchmal auch winkend) im stadträtlichen Sitzungszimmer. Dort sind Druckluftkanonen installiert, und mit diesen schiesst die Luzerner Exekutive frisch gedruckte Stadtratsdollars mit den Konterfeis der fünf Regierenden in die Menge. Steuergelder sinds natürlich, nämlich diejenigen Fränkli, die das Stimmvolk dem Stadtrat an der Urne vom Lohn abgezogen hat.

3 Selfie-Stau im Stadtverkehr

Es wird gehupt, geschimpft und gestikuliert, was das Zeug hält. Die Luzernerinnen und Luzerner in ihren Vehikeln stecken im Stau. Es kommt gar zu putschautoartigen Zusammenstössen. Denn mitten auf den Strassen posieren die Touristen und lächeln in ihre Handys und Tablets, die sie auf grossen Selfie-Sticks vor sich hertragen. Reiseleiter schwenken verzweifelt (und erfolglos) mit ihren Schirmen, um die Touri-Gruppen von der Strasse wegzulotsen.

4 Der (Fast-)Allessegner

Der freundlich-gütig lächelnde Priester – ists einer aus dem Kanton Uri? – am Altar segnet alles, was ihm da von verschiedensten Leuten gerade vor das Weihwassergefäss getragen wird: Töffli und Velos, Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Goldfische, Küchengeräte, Handys, frisches Gemüse und ja sogar die dritten Zähne von Frau Emmenegger. Doch halt! Warum verwirft der Kleriker nun die Hände hinter dem Altar und hält sich gar die Augen zu? Warum dröhnen Donnergrollen und das Zischen von Blitzen aus den Lautsprechern? Da ist doch tatsächlich ein lesbisches Pärchen zur Segnung angetreten. Geht natürlich gar nicht!

5 Sexbildli in den Amtsstuben

Grossraumbürostimmung auf dem grossen Fasnachtswagen: Gebannt starren brav gescheitelte Beamte in ihre Computerbildschirme, dem einen oder andern hängt vor Arbeitseifer gar die Zunge aus dem Mund. Immer mal wieder dreht sich ein Bildschirm Richtung Publikum – aha: Sexbildli schauen sich die Verwaltungsangestellten an! Und das während der Arbeitszeit ... Doch plötzlich dröhnt ein Gong: Der Regierungsrat erscheint in der Amtsstube. Flugs drücken die Beamten auf ihren roten Knopf – und ebenso flugs erscheint der Bildschirmschoner: Das offizielle Regierungsfoto.

Bonusnummer: Flatrate statt Umzugsprämierung

Da sitzen die ehrenfesten Vertreter des Lozärner Fasnachtskomitees brav aufgereiht. An ihnen paradieren die diversesten Sujets vorbei und setzen sich in Szene. Vom rüüdig-verreckt-aufwendigen Maskierten über den perfekt Intrigierenden bis hin zum langweiligen Clown und dem Anzugsträger mit Pappnase: Bei jedem von denen halten die LFK-Vertreter ein Täfeli mit der «4» in die Luft – Note «genügend». Der Kassier stellt für jeden den gleichen Scheck aus. Flatrate statt Kreativitätsbelohnung. Und im hinteren Wagenteil zu sehen: ein Käfig, darin eingesperrt – die frühere Umzugsjury.

Hieronimus Martinu