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Kanton will Ordnung in Wälder bringen

Zu schwache wirtschaftliche Nutzung und zu viele aufgescheuchte Tiere: Um die Probleme der Luzerner Wälder zu lösen, sollen diese bestimmten Zwecken zugeordnet werden – etwa für Biker oder für Rehe.
Sandra Peter
Der Wald dient dem Menschen unter anderem als Erholungsraum. Im Kanton Luzern macht der Wald rund 27 Prozent der Gesamtfläche aus. (Bild: Pius Amrein, Ruswil, 23. Oktober 2017)

Der Wald dient dem Menschen unter anderem als Erholungsraum. Im Kanton Luzern macht der Wald rund 27 Prozent der Gesamtfläche aus. (Bild: Pius Amrein, Ruswil, 23. Oktober 2017)

Über ein Viertel der Fläche im Kanton Luzern ist mit Wald bedeckt. Trotzdem wird es stellenweise eng: Spaziergänger, Wanderer, Biker, Tiere, Eigentümer – alle wollen von den Bäumen profitieren. Diese Konflikte zeigt auch der Nachhaltigkeitsbericht des Kantons Luzern zum Zustand des Luzerner Waldes auf, der gestern veröffentlicht worden ist. Das Fazit vorab: Dem Wald geht es insgesamt gut.

Im Detail betrachtet gibt es rund um die Baumgruppen Verbesserungspotenzial. Zum Beispiel bei der wirtschaftlichen Waldnutzung. Jährlich könnten 340 000 Kubikmeter Holz nachhaltig geerntet werden. In den letzten Jahren lag die Nutzung bei zwei Dritteln davon. Der Kanton will darum die Holzwirtschaft ankurbeln. Das ist gar nicht einfach, denn der Wald befindet sich oft in Privatbesitz. Erfasst sind 11 000 Waldeigentümer. Bruno Röösli, Abteilungsleiter Wald der Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) des Kantons Luzern sagt: «Da das Absetzen von kleinen Mengen Holz schwierig ist, schliessen sich diese am besten einer regionalen Waldeigentümer-Organisationen an.»

Zusammenarbeit innerhalb Holzbranche stärken

In Luzern haben sich neun solcher Organisationen etabliert, nachdem Kanton und Bund die Aufbauphase während vier Jahren finanziell unterstützt haben. Zudem soll ein Netzwerk von Organisationen und Unternehmen, das sogenannte Holzcluster, die Schnittstellen optimieren. «Denkbar sind auch gemeinsame Auftritte bei Branchen- und Publikumsanlässen», so Röösli. Auch die Baubranche wird mit Hilfe der nationalen Kampagne «Woodvetia» für die Nutzung von einheimischem Holz sensibilisiert.

Nicht nur der Holzverkauf hat Verbesserungspotenzial, sondern auch die Zusammensetzung der Baumarten.

Baumarten in den Luzerner Wäldern

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Aktuell liegt der Laubholzanteil bei 28 Prozent. Um einem naturnahen Wald entsprechen zu können, müsste der Laubholzanteil bei mindestens 40 Prozent liegen. Das lässt sich über eine entsprechende Bewirtschaftung lösen.

«Dafür lässt man die Laubbäume länger stehen. Man fällt sie nicht für die Holzwirtschaft. Gleichzeitig werden in den jungen Wäldern die Laubbäume begünstigt», erläutert Röösli. Wann sich die Zahlen wieder im idealen Bereich bewegen werden, lasse sich nicht genau prognostizieren.

Neue Waldreservate geplant

Von der Zusammensetzung der Baumarten zur Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Diese lässt sich gemäss Bericht unter anderem durch Waldreservate verbessern. Das sind Wälder, die nicht oder ganz gezielt bewirtschaftet werden, um bestimmte Tier- und Pflanzenarten zu fördern. Der Anteil dieser Reservate soll von heute vier Prozent der Waldfläche auf zehn Prozent bis im Jahr 2030 erhöht werden.

Bruno Röösli, Abteilungsleiter Wald, Kanton

Bruno Röösli, Abteilungsleiter Wald, Kanton

«Die kleinteiligen Strukturen sind eine Herausforderung. Es ist jeweils das Einverständnis von vielen Eigentümern notwendig. Es ist aber realistisch, dieses Ziel zu erreichen», ist Röösli überzeugt. In welchen Gebieten die Waldreservate entstehen sollen, wird erst bekannt gegeben, wenn alles vertraglich geregelt ist.

Nicht nur die Wälder sollen sich erholen können, sondern auch die Menschen. Vor allem in stadtnahen Gebieten zieht es vermehrt Spaziergänger und Sportler in den Wald. Damit der Lebensraum von Pflanzen und Tieren nicht zu sehr darunter leidet, bedarf es einer Lenkung, heisst es im Bericht. «Ziel ist es, Schwerpunktgebiete auszuscheiden, also da wo sich die Leute aufhalten sollen, und die anderen zu beruhigen. Dies kann durch entsprechende Signalisationen oder die Schliessung von unbefestigten Wegen, beispielsweise mittels einem quer gelegten Baum erfolgen. So wird klar, dass der Wald dort für Wildtiere zu schonen ist», führt Röösli aus. Zeitliche Begrenzungen sind nicht vorgesehen.

Eine wichtige Funktion erfüllen die Schutzwälder. Rund ein Fünftel der gesamten Waldfläche im Kanton Luzern besteht aus diesen Wäldern, die vor Naturgefahren wie Lawinen, Steinschlag oder Murgängen schütze . Die Schutzwälder würden gemäss dem Bundesamtes für Umwelt dessen Qualitätsansprüche erfüllen, heisst es im Bericht. Die Pflege dieser Wälder wird mit öffentlichen Mitteln gefördert.

Waldinventur für 0,5 Millionen Franken

Die Angaben zum Zustand des Luzerner Waldes wurden zwischen 2014 und 2016 erhoben. Stichprobenartig wurden Bäume auf 1800 Waldflächen gemessen, die Baumarten bestimmt sowie die Stabilität und Gesundheit der Bäume beurteilt. Dieser ersten kantonsweiten Waldinventur soll in rund zehn Jahren eine weitere folgen. Der Bericht kostete inklusive der zweijährigen Erhebungsphase und der Auswertung knapp 0,5 Millionen Franken. Die Kosten werden vom Kanton und Bund getragen.

Dies will der Kanton in den nächsten Jahren unternehmen

  • Waldrand schützen
  • Wald von illegalen Bauten und Abfall freihalten
  • Effizient und naturnah Holz ernten
  • Jungwald lenken, um stabile und vielfältige Waldbestände zu erhalten
  • Alte Bäume und Totholz erhalten, um die biologische Vielfalt zu fördern
  • Waldreservate ausscheiden
  • Standortgerechte, artenreiche Mischwälder fördern
  • Invasive Neobiota (gebietsfremde Tier- und Pflanzenarten) beschränken
  • Stickstoffeintrag von ausserhalb des Waldes reduzieren
  • Natürliche Waldverjüngung und Wildbestand aufeinander abstimmen
  • Schutzwald kontinuierlich pflegen und das hohe Niveau der Pflege halten
  • Bevölkerung zu respektvollem Verhalten anregen
  • Erholungsnutzung lenken, wo dies nötig ist
  • Verständnis für Natur und deren Nutzung stärken
  • Verwendung von Schweizer Holz ankurbeln
  • Zusammenarbeit innerhalb der Holzkette verbessern
  • Regionale Waldeigentümer-Organisationen weiterentwickeln und verankern

Hinweis: Der gesamte Nachhaltigkeitsbericht Wald 2018

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