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Luzerner Wald: Rekordernte stellt Holz-Branche vor Probleme

Neueste Zahlen zeigen: Seit zehn Jahren wurde im Kanton Luzern nicht mehr so viel Holz geschlagen, wie 2018. Verarbeiter und Waldbesitzer kämpfen nun mit tiefen Preisen.
Niels Jost
Bei der Schilliger Holz AG in Haltikon stapelt sich das Holz. (Bilder: Dominik Wunderli, Küssnacht, 25. Juli 2019)

Bei der Schilliger Holz AG in Haltikon stapelt sich das Holz. (Bilder: Dominik Wunderli, Küssnacht, 25. Juli 2019)

Es ist der Schweizer Rohstoff schlechthin: Holz. Nicht nur wächst es direkt vor der Haustür nach, sondern bringt auch viel Wertschöpfung in die Region. Entsprechend erfreulich dürfte daher sein, dass gemäss den neuesten Zahlen des Bundes im vergangenen Jahr so viel Holz in den Luzerner Wäldern geschlagen wurde, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Total waren es über 300'650 Kubikmeter. Das ist gut ein Drittel mehr als im Vorjahr, wie die untenstehende Grafik zeigt – und entspricht in etwa dem Fassungsvermögen der Gashülle des Zeppelins Hindenburg.

Holzernte im Kanton Luzern

2008-2018 (in Kubikmeter) (in Tausend)
Total
Stammholz
Industrieholz
Energieholz
20082009201020112012201320142015201620172018Jahr0100200300400

Doch die Rekordernte verheisst nichts Gutes. Denn Höchstwerte gab es insbesondere beim weniger hochwertigen Industrie- und Energieholz. Beim Stammholz hingegen, welches in der Regel in längeren Stücken verarbeitet wird, bewegen sich die gefällten Mengen nur leicht über jenen der Vorjahre.

Dafür gibt es drei Gründe. Erstens wurden bis anfangs Januar 2018 die meisten ordentlichen Holzschläge bereits ausgeführt, als wegen Sturm Burglind nochmals Holz auf den Markt kam. Ein zweiter Grund ist die Verbreitung von Borkenkäfern, welche schliesslich durch den Hitzesommer beflügelt wurden.

«Die Qualität und der Preis des Holzes sind schlecht»

Dies führte dazu, dass die rund 11'000 mehrheitlich privaten Waldeigentümer mehr Holz schlagen mussten als üblich. Allerdings konnten sie dieses nicht gänzlich aus dem Wald führen – bis heute. Denn die Verarbeiter konnten nicht alles aufgerüstetes Holz in nützlicher Frist verarbeiten, sagt Ruedi Gerber aus Wiggen. Der Präsident von Wald Luzern, dem Verband der Waldeigentümer, fügt an: «Entsprechend schlecht ist jetzt die Qualität und der Preis dafür. Die Rekordernte ist insofern eine schlechte Nachricht.»

Dies bestätigt Valentin Stäheli. Er ist Einkaufsleiter Rundholz bei der Schilliger AG aus Haltikon bei Küssnacht, dem grössten Einkaufs- und Weiterverarbeitungsbetrieb von Rundholz der Schweiz. «Wir können das viele Holz kaum verarbeiten», sagt Stäheli.

Paradox: Viel Holz liegt rum, dennoch muss frisches geschlagen werden

Die Situation ist paradox: Denn die Unmengen an minderwertigem Holz, mit denen die Sägereien und Verarbeitungsbetriebe derzeit überschwemmt werden, können nur zum Teil verwendet werden. Auch Stäheli sagt: «Es handelt sich um Käferholz oder um altes Holz, das zu lange im Wald gelegen ist.»

Dieses eigne sich beispielsweise «nur» für die Produktion von Kanthölzern und Gerüstbrettern für den Bau sowie für Palettenbretter für die Verpackungsindustrie. Nicht aber für die Weiterverarbeitung zu grossen und schönen Balken und Leimbindern, welche etwa in Gebäuden verbaut werden können. Hierfür ist Holz gefragt, welches frisch geschlagen werden muss. «Betrachtet man unseren gesamten Einkauf, sind wir zu 70 Prozent auf Frischholz angewiesen und nur etwa zu 30 Prozent auf minderwertiges Holz, das jedoch im Übermass vorhanden ist.»

Nicht aber für die Weiterverarbeitung zu grossen und schönen Balken und Leimbindern, welche etwa in Gebäuden verbaut werden können. Hierfür ist Holz gefragt, welches frisch geschlagen werden muss. «Betrachtet man unseren gesamten Einkauf, sind wir zu 70 Prozent auf Frischholz angewiesen und nur etwa zu 30 Prozent auf minderwertiges Holz, das jedoch im Übermass vorhanden ist.»

Situation werde sich gar noch verschärfen

Valentin Stäheli befürchtet, dass die aktuelle Situation nur eine Vorstufe dessen ist, was noch bevorsteht. «Es wird in Zukunft noch mehr minderwertiges Holz auf den Markt kommen, da die Wälder derzeit aufgrund der Hitze und mangelnder Niederschläge geschwächt sind und sich Borkenkäfer damit exponentiell vermehren können.» Dies werde nicht nur den Nadelbäumen zusetzen, sondern zum Teil auch der Buche.

Ähnliches beobachtet Ruedi Gerber. «Jetzt sind überall dürre Fichten ersichtlich, die entweder wegen des Käferbefalls oder durch die Trockenheit abgestorben sind.» Doch diese müssen vielerorts wegen des fehlenden Absatzes stehen gelassen werden. Deshalb und weil die Bekämpfung der Käfer und Trockenheit im Wirtschaftswald im Kanton Luzern finanziell nicht unterstützt wird, «drohen den Waldbesitzern hohe finanzielle Defizite, welche sie vielfach nicht tragen können».

Die Situation ist auch für den Kanton Luzern eine Herausforderung. Er ist unter anderem für die Pflege des Schutzwaldes zuständig. «Im Schutzwald und in einem Pufferbereich drum herum unterstützt der Kanton Massnahmen gegen die übermässige Vermehrung des Borkenkäfers», sagt Michiel Fehr, stellvertretender Leiter der Abteilung Wald bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald. Bereits letztes Jahr habe man mehr geschlagenes Holz als üblich im Wald behandelt, das heisst entrindet und liegen gelassen, statt es zu veräussern. «Wir möchten den übersättigten Markt nicht noch mehr strapazieren – obwohl wir den Rohstoff eigentlich nutzen wollen», bekräftigt Fehr.

Holzkraftwerke könnten Abhilfe schaffen

Eine Patentlösung für die Situation gibt es nicht. Abhilfe schaffen könnte laut Ruedi Gerber beispielsweise, wenn im Kanton Luzern ein grosses Holzkraftwerk und weitere Holzheizungen gebaut werden – als Alternative zu Öl und Gas. Somit fände das minderwertige Holz eine Verwendung, der Rohstoff müsste nicht im Wald ungenutzt verfaulen.

Valentin Stäheli appelliert derweil an die Konsumenten. Wenn diese noch stärker auf Schweizer Holz setzen würden, könnte die Inlandproduktion als Ganzes gestärkt werden.

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