Luzerner Weihnachtsmärkte: Veranstalter müssen sich neu bewerben

Für die Weihnachtsmärkte auf dem Franziskanerplatz, Inseli und im Vögeligärtli plant die Stadt Luzern im Jahr 2021 eine Ausschreibung – «im Sinne der Gewerbefreiheit». Betroffene geben sich «positiv entspannt».

Roman Hodel
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Der Neue: Marronistand an «Rudolfs Weihnacht» auf dem Inseli.

Der Neue: Marronistand an «Rudolfs Weihnacht» auf dem Inseli.

Boris Bürgisser

Wer auf dem Luzerner Wochenmarkt seine Rüebli verkauft oder im Sommer eine Bar auf der Ufschötti betreibt, muss bei einer Ausschreibung den Zuschlag erhalten. Eine Regel, die die Stadt Luzern künftig auch regelmässig bei der Vergabe der Standorte für Weihnachtsmärkte anwenden wird, wie Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen, bestätigt.

Davon betroffen sind einerseits die dieses Jahr neu lancierten Formate «Rudolfs Weihnacht» auf dem Inseli und das Wintervergnügen im Vögeligärtli mit dem Kerzenziehen...

Pius Amrein

...andererseits der Lozärner Wiehnachtsmärt, der seit 2008 auf dem Franziskanerplatz stattfindet.

Manuela Jans-Koch

«Wir haben den Betreibern des Wiehnachtsmärts unsere Absicht bereits vor zwei Jahren kommuniziert», sagt Lütolf und ergänzt:

«Denn eine Belegung von öffentlichen Flächen über einen längeren Zeitraum gehört ausgeschrieben – dies im Sinne der Gewerbefreiheit und dem grundsätzlichen Interesse an Innovation im Angebot.»

Und es entspricht einem Bundesgerichtsurteil zur Vergabe der Wochenmarkt-Stände – seit 2017 schreibt die Stadt diese aus. Die IG Luzerner Herbstmesse als Betreiberin des Wiehnachstmärts hatte 2006 via Ausschreibung den Zuschlag für den Standort erhalten. Seither erteilte die Stadt die Rahmenbewilligung alle drei Jahre, die eigentliche Bewilligung gar jährlich.

Anders ist die Ausgangslage auf dem Inseli und im Vögeligärtli. «Die Anfragen dieser Betreiber erreichten uns erst diesen Herbst, weshalb wir beides als Pilotversuch genehmigten», sagt Lütolf und erwähnt, dass diese Aktivitäten bereits Begehrlichkeiten von anderen Interessenten geweckt hätten. Im Januar werde man mit den Betreibern Bilanz ziehen bezüglich konkreten Erfahrungswerten, allgemeinen Belastungen und der Akzeptanz in der Bevölkerung.

Diese Erkenntnisse sollen in eine Ausschreibung für alle drei Standorte einfliessen. Die Bündelung geschieht laut Lütolf bewusst, um von Synergien zu profitieren, den Aufwand in Grenzen zu halten und gleichzeitig verschiedene Modelle anbieten zu können. Im Idealfall soll die Ausschreibung im Sommer 2021 stattfinden, der Vergabeentscheid im Februar 2022 folgen. Ab Winter 2023 gälte die Bewilligung nach neuem Prozedere erstmals. Den Veranstaltern gewähre man faire Übergangsfristen. Noch zu definieren seien die konkreten Eignungs- und Vergabekriterien sowie die Vergabedauer. Ob ein Veranstalter gewinnorientiert ist oder nicht wie etwa die IG spiele für die Stadt keine Rolle. Trotzdem ist der Venite-Markt auf dem Kapellplatz...




Eveline Beerkircher

...von der Ausschreibung ausgenommen. Lütolf: «Er stellt eine Besonderheit dar mit Blick auf die gemeinnützige Trägerschaft und der Einbindung der katholischen Kirche.»

Bei der IG Luzerner Herbstmesse sieht man der Ausschreibung «positiv entspannt» entgegen, wie Präsident Rico De Bona sagt:

«Wir stellen uns dem Wettbewerb im Wissen drum, dass wir gute Karten in der Hand haben – dank unserer langjährigen Erfahrung und Vernetzung.»

Die IG begrüsse die Ausschreibung gar, «weil wir durch mehrjährige Bewilligungen mehr Planungssicherheit hätten und wieder investierten könnten.» Ähnlich argumentiert Philipp Kathriner, Co-Initiant von «Rudolfs Weihnacht»: «Eine Bewilligung über fünf oder noch besser zehn Jahre wäre für alle Betreiber ideal, auch wenn eine Bewerbung immer viel Aufwand bedeutet.» Er hofft, dass «Rudolf» ...

«Rudolfs Weihnacht» auf dem Inseli.

«Rudolfs Weihnacht» auf dem Inseli.

Boris Bürgisser

... noch lange bleiben kann: «Bis jetzt läuft es sehr gut und wir erhalten viele positive Rückmeldungen.»

Albert Schwarzenbach, Präsident von «Weihnachten in Luzern», findet die Ausschreibung der beiden neuen Plätze gut, beim Franziskanerplatz setzt er jedoch ein Fragezeichen: «Warum ohne Not von Traditionen wegkommen?» Überhaupt dürfe es nicht sein, dass am Ende die Stadtverwaltung bestimme, was weihnächtlich sei und was nicht. Schwarzenbach sagt:

«Wir als Verein möchten Weihnachten gestalten.»