Luzernerin «schrübelet» für einen guten Zweck

Mit dem Sammeln von Plastikdeckeln kann eine weltweite Aktion gegen Kinderlähmung unterstützt werden: Für 500 Deckel gibt es eine Impfung. Ursula Hug sammelt in Luzern – was anfangs nicht ganz einfach war.

Sandra Monika Ziegler
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Ursula Hug (rechts) und Manuela Boccanegra schrauben bei der Schürch Getränke AG in Rothenburg Petflaschendeckel ab. (Bild: Corinne Glanzmann, 23. August 2018)

Ursula Hug (rechts) und Manuela Boccanegra schrauben bei der Schürch Getränke AG in Rothenburg Petflaschendeckel ab. (Bild: Corinne Glanzmann, 23. August 2018)

Die Aktion «Deckel gegen Polio – 500 Deckel für ein Leben ohne Kinderlähmung» hat Ursula Hug motiviert selber mit dem «Schrübele» anzufangen. Als «Schrübele» bezeichnet sie das Deckelabschrauben bei leeren Petflaschen und Tetrapackungen. Erstmals kam Ursula Hug damit auf der spanischen Insel Lanzarote in Kontakt: «Da dachte ich mir, wenn die das können, können wir das doch hier auch? Deshalb begann ich in Luzern damit.» Auch kenne sie eine Flugbegleiterin der Swiss, die mitmacht.

Doch ganz so einfach, wie sich Ursula Hug das vorstellte, war es in Luzern dann doch nicht. Da es sich bei der Aktion um eine Initiative von Rotary International handelt, fragte sie als Erstes den lokalen Rotary Club an, doch eine Antwort blieb bis heute aus. Auch beim Getränkehändler Heineken hatte man bisher kein Gehör für die Idee. Ursula Hug gab nicht auf und fragte bei anderen Unternehmen an. Erst als der Getränkehändler Schürch aus Rothenburg mit von der Partie war, nahm die Aktion an Fahrt auf. Für Inhaber Stefan Schürch eine gute Idee: «Das Sammeln der Deckel hat mich überzeugt. Da habe ich gerne zugestimmt.»

8,5 Kilogramm Deckel an einem Nachmittag

Gesammelt werden können alle Kunststoffdeckel von Getränkeflaschen und Tetrapacks, erklärt Hug und fügt an: «Ein Deckel wiegt zwei Gramm. Der Erlös von 500 Deckeln, was einem Kilo entspricht, deckt die Kosten für eine Impfung.»

So sind Ursula Hug und Mitstreiterin Manuela Boccanegra seit April einmal pro Woche für mehrere Stunden in Rothenburg. Dort entfernen sie die Deckel von gesammelten Petflaschen. Jede einzelne Flasche wird aus dem Sammelsack genommen, entdeckelt und in einen neuen Sack geworfen. So kamen an einem Nachmittag an die 8,5 Kilogramm Deckel zusammen. Hug ist glücklich: «Die Finger klebten zwar bis am Abend beinahe zusammen. Doch wir waren sehr produktiv.» Die beiden Frauen konnten bisher 20 Impfungen finanzieren.

Auf Facebook macht Ursula Hug auf die Sammelaktion aufmerksam und unterhält dort die Seite «Flaschendeckel gegen Polio». Interessenten können sich dort melden. Auch könne man ihr eine Nachricht senden und sie komme die gesammelten Deckel abholen. Hug: «Es ist eine kleine Tat, ein kleiner Dreh, jedoch mit grosser Wirkung.»

Auch andere Luzerner machen mit

Manuela Boccanegra entdeckte die Seite und meldete sich bei Ursula Hug. Sie kannte die Aktion bereits. Denn ihre Verwandtschaft in Italien sammelt seit Jahren solche Deckel für einen guten Zweck. Und von ihren spanischen Nachbarn hier in Luzern kennt sie es auch: «Sie sammeln die Deckel auch und bringen sie in die spanische Tapas-Bar an der Bleicherstrasse.»

Auch die Caritas an der Brünigstrasse und das «Paradiesgässli» machen mit. Und in Rene’s Quartierladen an der Moosmattstrasse wird auch eifrig gesammelt. Ursula Hug macht dann eine Sammeltour. Und jedes Mal, wenn sie nach Kreuzlingen fährt, nimmt sie die 110-Liter-Säcke voller Deckel mit und gibt sie dem dortigen Getränkehändler. In Deutschland werden die Deckel recycelt, der Erlös aus dem Verkauf der Kunststoffdeckel an die Verwertungsunternehmen kommt dem sozialen Zweck zugute.

Hug wünscht sich, noch mehr Personen für die Aktion begeistern zu können: «Mehr Hände ergeben mehr Deckel, so einfach ist das.» Als nächstes wird sie in der Spar-Filiale an der Bleicherstrasse aktiv: «Dort stelle ich einen Kübel auf und informiere die Kunden über die Sammelaktion.»

Grösstes internationales Gesundheitsprojekt

Die Ausrottung von Polio ist seit 1988 das grösste internationale Gesundheitsprojekt aller Zeiten. 20 Millionen Freiwillige, Regierungen, die WHO, Rotary International, das US Center for Disease Control and Prevention (CDC), UNICEF und die Bill and Melinda Gates-Stiftung unterstützen es. So konnten bis heute rund drei Milliarden Kinder geimpft werden.