Luzernerin strahlt fürs Ansehen der Bauern

Seit 20 Jahren läuft die Basiskampagne der Schweizer Bauern. Deren Plakate haben das Edelweisshemd einst zum Kultobjekt gemacht. Doch ist die Imagepflege überhaupt noch nötig? Susanne Betscher erklärt, weshalb sie dafür vor die Kamera trat.

Ismail Osman
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Auf dem Hof – und nun auch auf dem Plakat: Susanne Betscher, Landwirtin aus Altishofen. (Bild: Bilder: Boris Bürgisser (Altishofen, 17. Januar 2019), PD)

Auf dem Hof – und nun auch auf dem Plakat: Susanne Betscher, Landwirtin aus Altishofen. (Bild: Bilder: Boris Bürgisser (Altishofen, 17. Januar 2019), PD)

Daran muss man sich zuerst mal gewöhnen. Plötzlich hängt man da im Plakatschaukasten. Im Bahnhof, an der Bushaltestelle, überall. «Vor fünf, sechs, Jahren hätte ich so was niemals mitgemacht. Keine Chance!» So ganz daran gewöhnt hat sich Susanne Betscher immer noch nicht. Doch da ist es nun, das riesige Plakat, auf dem sie herzhaft über das ganze Gesicht strahlt. Im Bahnhof, an der Bushaltestelle, überall.

Susanne Betscher leitet den Landwirtschaftsbetrieb der Familie Pfister im luzernischen Altishofen. Nebst Zucht- und Mastschweinen wird auf dem Wiggerhof auch eine Biogas-Anlage betrieben. Betscher gehört zu einer Handvoll von Landwirtinnen und Landwirten, die sich für die aktuelle Basiskampagne des Schweizer Bauernverbandes (SBV) ablichten liessen. «Als ich angefragt wurde, dachte ich mir: ‹Jetzt musst du auch mal über deinen Schatten springen.›» Sie habe sich in der Vergangenheit auch schon über negative Darstellungen der Bauern in der Öffentlichkeit geärgert, erklärt Betscher ihre Motivation. «Statt immer die Faust im Sack zu machen, kann ich mich hier für die Sache einsetzen und vielleicht so einen kleinen Beitrag leisten.» Susanne Betscher geht es darum, dass die Wertschätzung der Bauern nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibt. «Es scheinen alle zu wissen, dass die Arbeit der Bauern wichtig ist – aber dieses Wissen nützt nichts, wenn man sich im Supermarkt vor dem Regal nicht auch für die einheimischen Produkte entscheidet.»

Nur noch wenig Bezug zur Landwirtschaft

Die Basiskampagne des SBV, für die Susanne Betscher nun ein Aushängeschild ist, wurde bereits 1998 laciert. Weshalb aber brauchen die Landwirte auch 20 Jahre danach immer noch eine Image-Kampagne? «Während früher ein Grossteil der Bevölkerung in oder nahe der Landwirtschaft beschäftigt war oder mindestens einen Bezug dazu hatte, sind heute keine drei Prozent der Erwerbstätigen mehr im Primärsektor tätig», hält Mirjam Hofstetter, Co-Leiterin Kommunikation beim SBV, dazu fest. «Viele Schweizerinnen und Schweizer haben kaum noch Berührungspunkte mit der Lebensmittelproduktion. Sie wissen oft nicht mehr, wann welches Nahrungsmittel Saison hat, mit welchen Trümpfen einheimische Produkte punkten oder dass die Landwirtschaft einen wichtigen Beitrag leistet, damit die Alpen touristisch attraktiv bleiben.» Wichtig sei, dass das Bild das Herr und Frau Schweizer von der Landwirtschaft haben, der Realität entspricht und nicht verklärt ist, sagt Hofstetter. «Wenn wir Verständnis und Sympathie für unsere Anliegen erwarten und wollen, dass die Bevölkerung im Laden bewusst zu den Schweizer Lebensmitteln greift, dann ist es matchentscheidend, dass sie weiss, welche Leistungen Bäuerinnen und Bauern erbringen, warum sie dies tun und für welche Werte sie einstehen.»

Für seine Basiskampagne hat der SBV ein beachtliches Budget von jährlich rund 4,4 Millionen Franken zur Verfügung. Nebst dem SBV selbst und dem Bund, tragen auch die kantonalen Bauernverbände zu diesem Budget bei. Dies nach einem Verteilschlüssel, der auf der Grösse des jeweiligen Kantons basiert, erklärt Stefan Heller, Geschäftsführer des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes. Der Luzerner Verband steuert entsprechend einen Beitrag von rund 50 000 Franken zum Gesamtbeitrag bei. Eine sinnvolle Investition ist Heller überzeugt: «In den nächsten Jahren stehen wichtige Abstimmungen zur Landwirtschaft an. Schon alleine deswegen ist es wichtig, die Öffentlichkeit stetig für unsere Anliegen zu sensibilisieren.» Nebst der politischen Komponente geht aber auch Heller mit Susanne Betscher einig: «Ziel muss sein, dass der Konsument auch tatsächlich unsere Produkte kauft.»

Bleibt noch eine letzte Frage: Was veranlasste Susanne Betscher zu diesem vereinnahmenden Lachen auf dem Plakat? «Ich glaube, ich war einfach so erleichtert, weil das Fotoshooting in diesem Moment eigentlich ‹offiziell› vorbei war! Jetzt hat’s dieser Moment aufs Plakat geschafft», sagt sie und – ja – lacht.