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Luzernerin zeigt in Diplomarbeit die Schattenseiten der Fussball-WM auf

Manuela Bossart ist für ihre Masterarbeit im Studium «Weltgesellschaft und Weltpolitik» nach Rio de Janeiro gereist. Die Arbeit der 27-jährigen Luzernerin wurde als die beste ihrer Fakultät ausgezeichnet.
Natalie Ehrenzweig
Lateinamerika ist ihre Leidenschaft: Manuela Bossart. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 12. März 2019)

Lateinamerika ist ihre Leidenschaft: Manuela Bossart. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 12. März 2019)

«Ich fühle mich dort daheim. Mir gefällt die Landschaft, das Klima, die Lebensfreude und Offenheit der Menschen, fast schon wie ein Klischee», schwärmt Manuela Bossart von ihrer Liebe zu Lateinamerika. Bereits nach der Matura reiste die 27-Jährige nach Costa Rica, um dort ihr Spanisch zu verbessern. «Da hat es mir den Ärmel reingenommen. Es hat mich beeindruckt, wie viele Menschen dort versuchen, das Beste aus ihrer oft schwierigen Lage zu machen.»

Die Luzernerin hat soeben ihr Studium in Weltgesellschaft und Weltpolitik an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern mit dem Master abgeschlossen. Am Freitag fand die Diplomfeier statt (siehe Kasten weiter unten). Bossarts Abschlussarbeit, die als beste ihrer Fakultät ausgezeichnet wurde, handelt denn auch von den Auswirkungen von Mega-Events wie der Fussball-WM 2014 oder den Olympischen Sommerspielen 2016 auf die Favelabevölkerung von Rio de Janeiro.

Für den Master ist die Germanistin umgeschwenkt

Manuela Bossart gehört wider Erwarten nicht zu denjenigen, die schon als Kind wussten, was sie werden möchten. «Meinen Bachelor habe ich in Germanistik und Kulturwissenschaften in Zürich gemacht. Literatur ist eine Leidenschaft von mir. Damals hatte ein Master für mich aber vorerst nicht Priorität. Ich bereiste während eines Jahres Lateinamerika, dann hatte ich wieder Lust, weiterzustudieren.» Eine Bekannte hat ihr von «Weltgesellschaft und Weltpolitik» erzählt, Bossart recherchierte und kam zum Schluss. «Das ist eine nützliche Ergänzung zu meinem Bachelorstudium.» Ihr gefielen die Freiheiten während des Studiums – die Uni sei zwar klein, ­dafür familiär und der Kontakt zu Professoren einfach.

Während des Masters wurde Lateinamerika zum roten Faden ihres Studiums. Manuela Bossart hatte festgestellt: Trotz vieler Medienberichte rund um die beiden erwähnten Mega-Events verschwand das Thema nach Ende der Olympischen Spiele schnell. «Ich wollte rausfinden, was diese Veranstaltungen mit den sozial benachteiligten Menschen gemacht haben, wie sich die Events später auf ihren Alltag ausgewirkt haben», sagt die Luzernerin. Dazu reiste sie drei Wochen nach Brasilien und führte dort Interviews, die Basis für ihre Arbeit. Dabei hat sie zwei Hauptkonsequenzen ausgemacht, welche die Favelabevölkerung am meisten beeinträchtigen:

«Rund 80'000 Menschen wurden von ihrem Wohnort zwangsumgesiedelt. Das hat natürlich einen grossen Einfluss auf den Alltag. Die Menschen verlieren ihr Umfeld, oft auch die Möglichkeit, ein kleines Geschäft zu führen. Ausserdem wohnen sie plötzlich an der Peripherie der Stadt, müssen zwei Stunden für einen Arbeitsweg aufwenden.»

Die zweite alltagsverändernde Auswirkung ist die Sicherheits­lage. «Vor den Events wurde eine sogenannte ‹Friedenspolizei› geschaffen, die in den Favelas vor Ort sein sollte. Dazu wurden explizit junge Polizisten ausgewählt, die noch nicht korrupt sind. Der Dialog sollte gefördert und die Bewaffnung runtergefahren werden», sagt Manuela Bossart. Die Einführung dieser Polizei sei aber nicht in allen Favelas geglückt und so lebten viele Menschen in einem militarisierten Alltag, umgeben von schwerbewaffneten Soldaten und Scharfschützen. Sie sagt:

«So kann man nicht leben.»

Das sei eine typische Alibimassnahme, die vor allem in den touristischen Regionen Rios oder dort, wo die Favela gut gelegen ist, durchgeführt wurden. «Massnahmen für die anderen, die Ausländer, die Reichen», sagt sie.

Wer denkt, dass Manuela Bossart nach Abschluss ihres Studiums nun die Koffer packt und nach Lateinamerika auswandert, irrt sich: «Ich möchte mir Zeit lassen, eine Stelle zu finden, die mir gefällt», sagt die begeisterte Tänzerin. «Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, für eine Nicht­regierungsorganisation in der Schweiz zu arbeiten und hier Fuss zu fassen, bin aber offen für viele Möglichkeiten.»

Sie erhielten das Diplom:

Die Universität Luzern hat am Freitag die Diplomfeier der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät abgehalten. Das sind die erfolgreichen Absolventen aus der Zentralschweiz und dem Freiamt:

Bachelor

Geschichte: Irene Chantal Herms, Cham; Nico Joller, Adligenswil; Alexander Schürmann, Meggen; Simon Schurtenberger, Luzern; Jan Sebastijan, Bremgarten AG; Tara Zupan, Luzern. Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften: Jasmine Bruttin, Giswil; Mile Petrovic, Luzern; Sarah Rickenbacher, Brunnen; Oliver Thalmann, Emmenbrücke. Judaistik: Louis Fedier, Luzern. Kulturwissenschaften: Sophia Hirlanda Aschwanden, Luzern; Andrea Isabel Frei, Luzern; Demi Kottmeyer, Steinhausen; Silvana Liniger, Luzern; Stefan Reichmuth, Schwyz; Marisa Sigrist, Hochdorf. Philosophy, Politics and Economics: Jana Rhyner, Luzern; Simon Dominic Zemp, Schüpfheim. Politikwissenschaft: Silvio Frei, Obernau; Alexis Martin, Kriens; Andreia Oliveira dos Santos, Luzern; Mirjam Sterchi, Buochs. Politische Ökonomie: Manuela Tanja Kammerbauer, Oberägeri; Cédric Kuchen, Kriens. Soziologie: Claudio Di Gallo, Luzern; Lisa Maria Kwasny, Horw; Johannes Truffer, Luzern.

Master

Ethnologie: Margaretha Schelbert-Bürgler, Muotathal. Geschichte: Nicolas Bollinger, Horw; Kilian Kneubühler, Ufhusen. Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften: Anna-Katharina Bagemiel, Luzern; Benjamin Gross, Luzern; Laura Iseli, Luzern; Timna Rother, Oberägeri; Jonas Steiner, Luzern. Kulturwissenschaften: Carol Baumann, Kriens; Jasmin Bischof, Kriens; Esther Stofer, Luzern. Politikwissenschaft: Samuel Huber, Luzern. Politische Ökonomie: Errol Stirnimann, Luzern. Public Opinion and Survey Methodology: Matthieu Loretan, Sursee. Religion – Wirtschaft – Politik: Simone Konrad-Berlinger, Beckenried. Weltgesellschaft und Weltpolitik: Manuela Bossart, Luzern; Sonja Lüthi, Luzern; Nicola Angela Rothlin, Wangen SZ.

Doktorate

Geschichte: Dunja Bulinsky, Luzern. Kulturwissenschaften: Silvan Moosmüller, Kriens. Politikwissenschaft: Olivier Dolder, Luzern; Lei Wang, Luzern. Religionswissenschaft: Katharina Limacher, Luzern. Soziologie: Paul Buckermann, Luzern.

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