Luzern/Herisau: Pyrowerfer am FCL-Spiel: Jetzt entscheidet das Bundesgericht

Während eines Fussballspiels zwischen dem FC Luzern und dem FC St. Gallen warf ein Mann Pyros aufs Spielfeld. Jetzt zieht er den Fall weiter. Der Grund: Das Urteil des Bundesstrafgerichts sei nicht angemessen.

Kilian Küttel
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Während des Meisterschaftsspiels im Februar 2016 zwischen dem FC Luzern und dem FC St. Gallen warf der angeklagte Ostschweizer insgesamt vier Pyro-Gegenstände auf das Spielfeld. (Archivbild) (Bild: KEYSTONE/URS FLUEELER)

Während des Meisterschaftsspiels im Februar 2016 zwischen dem FC Luzern und dem FC St. Gallen warf der angeklagte Ostschweizer insgesamt vier Pyro-Gegenstände auf das Spielfeld. (Archivbild) (Bild: KEYSTONE/URS FLUEELER)

Der Fall des Pyrowerfers von Luzern geht in die nächste Runde: Die Verteidigerin des 24-jährigen S. T. aus Herisau wird das Urteil des Bundesstrafgerichts ans Bundesgericht weiterziehen. Dies zeigen Recherchen unserer Zeitung. «Mein Mandant und ich sind der Ansicht, dass er sich nicht der vorsätzlichen verbrecherischen Gefährdung schuldig gemacht hat», sagt Anwältin Manuela Schiller auf Anfrage.

Wenn überhaupt, liegt laut der Anwältin eine fahrlässige schwere Körperverletzung vor. «Sein Verschulden wurde vom Gericht falsch bewertet, was zu einer zu hohen Strafe führte», so Schiller. Und weiter: «Wir finden, dass er sich zwar strafbar verhalten, dafür aber eine angemessene Strafe verdient.»

Was war geschehen? Bei einem Spiel zwischen dem FC Luzern und dem FC St. Gallen vom Februar 2016 warf der Beschuldigte aus dem St. Galler Fansektor vier pyrotechnische Gegenstände aufs Spielfeld – darunter einen sogenannten Kreiselblitz mit Silberperlenschweif.

Geschädigter ist auf einem Ohr fast taub

Als dieser Böller explodierte, zog sich ein Luzerner einen bleibenden Gehörschaden zu: Auf einem Ohr ist er seither fast taub, musste mehrere Operationen über sich ergehen lassen und braucht ein Hörgerät. Bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung des Beschuldigten fand die Polizei 1651 Feuerwerks-, Rauch- und Nebelkörper. Das Gesamtgewicht: rund 100 Kilogramm.

Das Bundesstrafgericht verurteilte den 24-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wovon er 18 Monate absitzen muss. Die restlichen 18 Monate wurden bedingt ausgesprochen – bei einer Probezeit von 3 Jahren. Das Gericht sprach ihn unter anderem schuldig wegen mehrfacher Gefährdung durch Sprengstoffe und giftige Gase in ver­brecherischer Absicht sowie schwerer Körperverletzung. Das Feuerwerksarsenal im Zimmer des jungen Mannes brachte ihm zudem eine Verurteilung wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz ein.

Genugtuung soll nach oben korrigiert werden

Nebst der Freiheitsstrafe erlegte das Bundesstrafgericht dem jungen Mann eine bedingte Geldstrafe von 9000 Franken sowie eine Busse von 700 Franken auf. Dem geschädigten 50-jährigen Luzerner muss er laut dem schriftlichen Urteil vom 9. August eine Genugtuung von 12000 Franken entrichten.

Dieser hätte eigentlich auf ­einen Weiterzug des Urteils verzichtet, wie dessen Anwalt, Artan Sadiku, erklärt: «Mein Klient will einen Schlussstrich ziehen, seinen Seelenfrieden finden und die Geschichte hinter sich lassen.» Dass der Beschuldigte nun die Lausanner Richter anruft, überrascht Sadiku nicht: «Das ist sein gutes Recht, und das respektieren wir auch.»

Weil der Fall nun aber vor Bundesgericht landen soll, werden auch Sadiku und sein Mandant aktiv: Sie wollen beim Bundesgericht eine «angemessene Genugtuungszahlung» erwirken. «Aber nicht, weil wir uns bereichern wollen», sagt Sadiku mit Nachdruck. Es gehe darum, den dauerhaften physischen und psychischen Schaden seines Klienten aufzuwiegen.

Gemäss dem Rechtsanwalt schütten die Opferhilfestellen für schwere Gehörschädigungen zwischen 40 000 und 55 000 Franken an Entschädigungen aus. «In einem Zivilverfahren, in dem die Genugtuung vom Täter getragen wird, rechtfertigt sich die Zusprechung eines höheren Betrags. Daher beantragen wir eine Genugtuung von 60 000 Franken», so Sadiku.