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LUZERN/HORW: «Die Hof-Orgel ist an Schönheit unübertrefflich»

Wolfgang Sieber, der legendäre Organist der Hofkirche, erhält eine weitere Auszeichnung für sein Schaffen. Im Gespräch mit unserer Zeitung verrät der Ausnahmemusiker, wieso er heute darüber froh ist, dass sich sein Bubentraum nicht erfüllt hat.
Wolfgang Sieber an der Orgel der Hofkirche. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 18. Dezember 2017))

Wolfgang Sieber an der Orgel der Hofkirche. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 18. Dezember 2017))

Die Gemeinde Horw zeichnet Wolfgang Sieber (63), den Organisten der Hofkirche, mit ihrem Anerkennungspreis aus. Dieser ist mit 10 000 Franken dotiert und wird am 1. Januar überreicht. Wolfgang Sieber wohnt im Horwer Ortsteil Kastanienbaum. Er entstammt einer Musikerfamilie aus dem toggenburgischen Lichtensteig. Bereits mit 14 war Wolfgang Sieber selbstständiger Organist.

Er wurde mehrmals geehrt: Zum 50-Jahr-Jubiläum als Kirchenmusiker wurde ihm am 1. November dieses Jahres von Bischof Felix Gmür in der Hofkirche der päpstliche Orden «Bene Merenti» verliehen. 2009 erhielt er den Kulturpreis der Stadt Luzern. 2014 folgte der «Goldene Violinschlüssel», die höchste Auszeichnung im Bereich Volksmusik. Und nun also der Horwer Anerkennungspreis. Was für einen Stellenwert haben für den Kirchenmusiker all diese Auszeichnungen? «Sie freuen mich sehr und bestätigen mir, dass es wohl nicht so falsch ist, was ich mache, und dass das sogenannte Kircheninstrument wahrgenommen wird.»

Leider kann Sieber den Preis in Horw nicht persönlich entgegennehmen. Am 1. Januar tritt er nämlich in Arth zusammen mit Willi Valotti’s Wyberkapelle auf. «Dieser Termin stand schon seit mehr als einem Jahr fest, bevor ich wusste, dass ich den Anerkennungspreis erhalten werde», erklärt Sieber. Sein jüngster Sohn, Gabriel Sieber (22), wird nun für seinen Vater den Anerkennungspreis in Empfang nehmen. Doch ganz verzichten müssen die Horwer auf ihren prominenten Bürger an diesem Tag nicht. «Man hat mir verraten, dass ich aus der Pfarrkirche Arth an die Preisverleihung in die Horwerhalle gestreamt werde.»

Wolfgang Sieber ist ein liebenswürdiger Tausendsassa und mit Leib und Seele Organist. Er ist ständig in Bewegung. Wer mit ihm zu tun hat, der fragt sich immer wieder, wie der Vater von acht erwachsenen Kindern und fünf Enkelkindern alles unter einen Hut bringt. Unterstützung erhält der Kirchenmusiker von seiner Gattin Sylvia Käslin Sieber. Sie hält ihm den Rücken frei, führt seinen Terminkalender und hält das Musik-Familienunternehmen Sieber in Schuss. Mit seinem weiss-grauen Bart erinnert Wolfgang Sieber eher an einen Heiligen oder an einen Hirten, ein Attribut, das für den Kirchenmusiker nicht besser zutreffen könnte. Was bedeutet für Wolfgang Sieber die Orgel als Instrument? «Die Orgel ist für mich ein Unikat, die eine Eigenständigkeit und eine Wesenshaftigkeit hat. Sie ist vergleichbar mit uns Menschen, die auch als Unikate durchs Leben gehen», sagt Sieber. Die 350-jährige grosse Hoforgel zählt nicht weniger als 7374 Pfeifen und 111 Register (Klangfarben). «Die Hoforgel ist ein Wunderinstrument, bei dem die Musik einmalig zum Ausdruck kommt. Sie ist an Schönheit und Ästhetik unübertrefflich», schwärmt er.

Muss man als Organist eigentlich besonders fromm sein? «Eine christliche Gesinnung ist schon wichtig», sagt der Musiker. Der gläubige, aber nie frömmelnde Organist sagt, dass er mit der Kraft der Religion ständig kommuniziere. «Die Kirchenbesucher spüren das, ob man mit Schwere oder mit Leichtigkeit etwas vermittelt.»

Statt in die Kathedrale ging’s in die Hofkirche

Wolfgang Sieber hatte als junger Mann einen Traum: Er wollte Dom-Organist in der Kathedrale von St. Gallen werden. Doch es blieb beim Traum. Statt nach St. Gallen wurde der Toggenburger als Organist an die Hofkirche St. Leodegar gewählt. «Im Nachhinein bin ich gottefroh, dass es so gekommen ist», sagt Sieber. Seit genau 25 Jahren ist er Hof- und Stiftsorganist in Luzern. Vor allem an Wochenenden und an Feiertagen wie Weihnachten und Jahreswende wird die Hofkirche zu seinem Wohnzimmer.

Wolfgang Sieber ist ein Brückenbauer. Musikalische Berührungsängste kennt er nicht. Wenn er mit Alphornbläsern, Jodlerinnen und Jodlern, Ländlerkapellen, Guuggenmusigen, Symphonieorchestern, Bläserformationen oder Rappern musiziert, ist er einer von ihnen. «Wenn ich mit diesen Musikern zusammen spielen darf, so ist das ein unwahrscheinliches Privileg», betont Sieber. Und wenn er nicht gerade an der Orgel sitzt, komponiert oder arrangiert, wandert er gerne zusammen mit seiner Gattin Sylvia. Er verrät uns, dass er dieses Jahr eine erste Etappe des Jakobswegs unter die Füsse genommen habe. «Unser Ziel ist es, den ganzen Jakobsweg zu bewältigen.»

Monika van de Giessen

region@luzernerzeitung.ch

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