LUZERN/LAUSANNE: 100-Jährige blitzt vor Bundesgericht ab

Ein eintägiger Spitalaufenthalt in den USA kostet eine heute 100-jährige Luzernerin rund 12'000 Franken. Laut Bundesgericht muss der Kanton Luzern nichts zahlen.

Urs-Peter Inderbitzin und Christian Hodel
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Die Kosten für einen Spitalaufenthalt variieren; und offensichtlich auch die Beurteilungen der Gesetzeslage. (Bild: Keystone)

Die Kosten für einen Spitalaufenthalt variieren; und offensichtlich auch die Beurteilungen der Gesetzeslage. (Bild: Keystone)

Ende Februar 2012 musste eine heute 100-jährige Frau aus Luzern in einem Spital in den USA stationär behandelt werden. Der Kanton Luzern muss an die exorbitant hohen Kosten der Behandlung keinen Beitrag leisten, hat jetzt das Bundesgericht entschieden.

Der Frau wurden für den eintägigen Spitalaufenthalt 16 320 US-Dollar – rund 14 750 Franken – und für Medikamente und Arztkosten weitere 1250 Dollar (rund 1130 Franken) in Rechnung gestellt. Zurück in der Schweiz, präsentierte die Frau die Rechnung ihrer Krankenkasse, die aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen lediglich bereit war, den doppelten Betrag der Kosten, die in der Schweiz vergütet worden wären, zu übernehmen. Dementsprechend zahlte ihr die Krankenkasse 3312 Franken plus Medikamentenkosten von 123 Franken.

Kanton lehnte Gesuch ab

Die Frau bat in der Folge den Kanton Luzern, ebenfalls einen Teil der Kosten im Umfang von 3312 Franken zu übernehmen. Sie stützte sich dabei auf die neue, seit 2012 geltende Spitalfinanzierung und behauptete, in solchen Fällen müsse sich der Wohnkanton – analog zur Krankenkasse – anteilsmässig an den ungedeckten Kosten beteiligen. Das Gesundheits- und Sozialdepartement des Kantons Luzern lehnte das Gesuch der Seniorin jedoch ab mit der Begründung, eine Mitfinanzierungspflicht des Kantons bei Hospitalisation im Ausland sei gesetzlich nicht vorgesehen.

Nur bei Inlandbehandlungen

Das Bundesgericht hat diese Auffassung nun bestätigt und bekräftigt, dass sich der Kanton nur bei stationären Behandlungen in anderen Kantonen – sofern solche notwendig sind – anteilsmässig an den Kosten beteiligen muss. Bei Behandlungen im Ausland sieht das Gesetz ausschliesslich eine Leistungspflicht der Krankenversicherung vor. Damit bleibt es dabei, dass die nunmehr 100-jährige Frau für die eintägige Behandlung in den USA über 12 000 Franken selber bezahlen muss.

Experte ist erstaunt

Dass die Behandlungskosten in den USA ein Mehrfaches derjenigen in der Schweiz betragen, sei gang und gäbe, sagt Ruedi Ursenbacher, Präsident des Verwaltungsrates von Fairsicherungsberatung, einem Ratgeber in Versicherungsfragen. Umso erstaunter sei er, dass es nach wie vor Personen gebe, die sich bei einer Reise ausserhalb der EU nicht zusätzlich versichern lassen (siehe Kasten). «Zusatzversicherungen kann man für relativ wenig Geld abschliessen.» Gemäss Vergleichsdienst Compa­ris.ch sind solche Angebote bereits ab 50 Franken erhältlich.

Das Urteil in voller Länge »

Reiseversicherung nötig

Ratgeber sb/flu.

Wer in die Ferien verreist und im Ausland zum Arzt muss, kann böse Überraschungen erleben. Wer nicht entsprechend versichert ist, dem werden die vollen Spitalkosten aufgebrummt. Bekannt für sehr hohe Verrechnungen sind Staaten ausserhalb des EU-Raums, zum Beispiel Singapur, die USA oder Kanada. Folgende Punkte sollten Sie beachten:

  • Erkundigen Sie sich vor der Reise bei Ihrer Krankenversicherung hinsichtlich der bestehenden Leistungen, die Sie im Notfall in Anspruch nehmen könnten.
  • Nehmen Sie die europäische Krankenversicherungskarte mit. Diese gibt bei Krankheit, Unfall und Mutterschaft Anspruch auf alle Leistungen, die sich als medizinisch notwendig erweisen. All jene EU-Länder, welche diese Karte akzeptieren, sind beim Bundesamt für Gesundheit aufgelistet.
  • Die meisten Krankenversicherer empfehlen für Personen mit mehr als zwei Auslandaufenthalten pro Jahr eine entsprechende Zusatz- oder Reiseversicherung, damit die Kosten weltweit abgedeckt sind. Denn über die obligatorische Grundversicherung wird von der Krankenkasse maximal der doppelte Betrag bezahlt, den die gleiche Behandlung in der Schweiz kosten würde. Das Reisegepäck übrigens ist in der Reiseversicherung meistens nicht mitversichert, ein Aufpreis ist nötig.
  • Bei Vorfällen im Ausland empfiehlt es sich, sofort die Versicherung zu kontaktieren. Nehmen Sie die Notfallnummer der 24-Stunden-Helpline und Ihre Policen-Nummer mit.

Satte Rechnungen in der Schweiz

Aber nicht nur Schweizer müssen ohne Versicherung im Ausland mit hohen Kosten rechnen. Der umgekehrte Fall kann auch hierzulande passieren. Auch Schweizer Spitäler verrechnen ausländischen Touristen ohne Versicherung die vollen Kosten.