LUZERN/LOCARNO: Freie Fahrt von Luzern ins Tessin – aber nur am Wochenende

Die SBB bieten ab Samstag einen zusätzlichen Direktzug ab Luzern ins Tessin an. Bis das Angebot auch auf die Werktage ausgedehnt wird, könnte es noch dauern.

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Am 4. Juni 2016 wurde der Gotthard-Basistunnel feierlich eröffnet. Das Publikumsinteresse war gross. (Bild: Alexandra Wey/Keystone)

Am 4. Juni 2016 wurde der Gotthard-Basistunnel feierlich eröffnet. Das Publikumsinteresse war gross. (Bild: Alexandra Wey/Keystone)

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

Ab Samstag bieten die SBB jeweils am Wochenende eine zusätzliche Direktverbindung ins Tessin an. Der zusätzliche Frühzug fährt in Olten um 7.30 Uhr und in Luzern um 8.18 Uhr ab und kommt in Locarno um 10.15 Uhr an – nach Halten in Arth-Goldau und Bellinzona. Mit dem neuen Direktzug entfällt der Umstieg in Arth-Goldau in den oftmals überfüllten von Zürich herkommenden Zug. Mit dem neuen Angebot könne man «einen vielfachen Kundenwunsch» erfüllen, schreiben die SBB in einer Mitteilung von Montag.

Weil die Nachfrage am Wochenende grösser sei als an Werktagen, böten die SBB die zusätzlichen Direktverbindungen zunächst am Samstag und Sonntag an, erklärt Reto Schärli, Mediensprecher der SBB. Für den Fahrplan 2019 prüfe man allerdings eine Ausdehnung des Angebots auf die Werktage. Bereits ab dem 20. Mai hingegen verlängern die SBB die Direktverbindung nach Basel. Der Direktzug verlässt Basel um 07.04 Uhr und verkehrt ohne Halt bis Olten und weiter bis ins Tessin. Noch verhindert eine Baustelle zwischen Basel und Olten diesen Ausbau.

SBB lösen Versprechen teilweise ein

Mit dieser «weiteren Verbesserung des Angebots» kommen die SBB nun der Aufforderung des Bundesrates nach. Dieser liess in seiner Antwort auf die Interpellation des Krienser CVP-Ständerats Konrad Graber verlauten, dass er «eine frühere Direktverbindung von Luzern durch den Gotthard-Basistunnel» erwarte. Gleichzeitig hat die SBB auch ein eigenes Versprechen zumindest in Teilen eingelöst: Noch im letzten Sommer sprachen die SBB davon, dass Luzern dank der Neat eine tägliche Direktverbindung ins Tessin erhalte – mit Abfahrt um 8.18 Uhr.

Karin Blättler, Präsidentin der Zentralschweizer Sektion von Pro Bahn Schweiz, ist «hochzufrieden» mit der neusten Ankündigung der SBB. «Wir freuen uns, dass sich die SBB weiterhin für die Anliegen der Zugreisenden einsetzen», so Blättler und verhehlt dabei auch nicht Ihre Enttäuschung über das Bundesamt für Verkehr, «das sich in dieser Frage konsequent querstellt.»

Weniger euphorisch gibt sich Konrad Graber. Er spricht von einem «Teilerfolg», der nach intensiven Gesprächen und Vorstössen erzielt worden sei. «Ich begrüsse es sehr, dass die SBB am Wochenende künftig zusätzliche Direktverbindungen ins Tessin anbieten.» Was aber frühe Direktzüge unter der Woche betreffe, so vertröste man die Zentralschweiz bloss auf später. Dabei ist Graber der Überzeugung: «Es gibt noch ungenutzte Gütertrasses, auf die man vorübergehend ausweichen könnte, um frühe Direktzüge auch werktags zu ermöglichen.» Er will dies am Dienstag in einer Aussprache der Verkehrskommission des Ständerates mit den SBB thematisieren.

Für die Zentralschweiz weiterhin unbefriedigend bleibt auch die Situation mit den 9.18-Uhr-Direktzügen Richtung Süden: Sie verkehren seit dem letzten Fahrplanwechsel jeweils von Freitag bis Montag – eine Kompromisslösung, welche die SBB dem Bundesamt für Verkehr (BAV) abtrotzen konnte. Ursprünglich sollte es täglich um 9.18 Uhr eine Direktverbindung geben. Weil aber das Trassee für den Güterverkehr gebraucht werde, torpedierte das BAV diese Pläne. Das Bundesamt muss jeweils die Verbindungen der SBB bewilligen. Eine Besserung in dieser Frage ist erst ab 2021 zu erwarten – nach der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels. «Dann wird sich die Trassensituation entspannen und wir können die Frühzüge durchgehend führen», verspricht SBB-Mediensprecher Schärli.