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Der Maskenbrunnen in der Luzerner Altstadt ist definitiv Geschichte

Die Maskenliebhaber-Gesellschaft der Stadt Luzern zieht ihr Baugesuch für einen fasnächtlichen Maskenbrunnen in der Luzerner Altstadt zurück. Sie üben massive Kritik an der Luzerner Stadtregierung.
Hugo Bischof

Das Trauerspiel um den von der Maskenliebhaber-Gesellschaft in der Stadt Luzern auf dem Rathausplatz geplanten fasnächtlichen Maskenbrunnen wird um einen weiteren Akt reicher – möglicherweise den letzten. Die Maskenliebhaber ziehen ihr Baugesuch nämlich zurück. In einem offenen Brief an den Stadtrat begründen sie ihren Entscheid – und sparen dabei nicht mit happigen Vorwürfen an die Adresse der Stadtregierung.

So hätte der Maskenbrunnen auf dem Rathausplatz in der Luzerner Altstadt aussehen sollen. (Bild PD)

So hätte der Maskenbrunnen auf dem Rathausplatz in der Luzerner Altstadt aussehen sollen. (Bild PD)

Das Trauerspiel um den von der Maskenliebhaber-Gesellschaft auf dem Rathausplatz geplanten fasnächtlichen Maskenbrunnen wird um einen weiteren Akt reicher – möglicherweise den letzten. Die Maskenliebhaber ziehen ihr Baugesuch nämlich zurück. In einem offenen Brief an den Stadtrat begründen sie ihren Entscheid – und sparen dabei nicht mit happigen Vorwürfen an die Adresse der Luzerner Stadtregierung. «Die Maskenliebhaber-Gesellschaft der Stadt Luzern (MLG) ist zutiefst enttäuscht, dass der Stadtrat ohne Not und weiteren Dialog mit uns das Geschenk eines Maskenbrunnens ablehnt», heisst es im Schreiben, das an den Gesamtstadtrat adressiert ist. Und das, nachdem das Projekt seit 2016 zusammen mit den Stadtbehörden «sorgfältig entwickelt» worden sei.

Stadtrat hat Anfragen nicht beantwortet

Offenbar hat der Stadtrat auf mehrere schriftliche Anfragen der Maskenliebhaber in letzter Zeit nicht einmal mehr geantwortet. Das bestätigen gut unterrichtete Quellen. Sind die Maskenliebhaber beim Stadtrat gegen eine Wand gerannt? «Das können Sie aus unserem Brief herauslesen», sagte MLG-Präsident Linus Gählwiler auf Anfrage. «Mehr wollen wir zu diesem Thema zurzeit nicht sagen.» Der Stadtrat habe seine Unterschrift auf dem Baugesuch «ohne jegliche weitere Begründung» zurückgezogen, heisst es im offenen Brief. Da deshalb die Unterschrift des Grundeigentümers fehle, könne auf das Projekt nun gar nicht mehr eingetreten werden: «Angesichts dieser Tatsache wird die MLG als Gesuchstellerin das Baugesuch zurückziehen und dem politischen Trauerspiel ein Ende setzen.»

Zuerst fand man den Maskenbrunnen «toll»

Die Maskenliebhaber-Gesellschaft wollte den neuen Brunnen aus Anlass ihres 200-jährigen Bestehens im kommenden Jahr der Stadt Luzern schenken. Er sollte auf dem Kornmarkt errichtet werden und den heutigen, sanierungsbedürften Brunnen vor dem PKZ-Gebäude ersetzen. Geplant war er in Form eines 6 Meter hohen und 75 Zentimeter breiten Turms, der von oben bis unten mit fasnächtlichen Masken geschmückt sein sollte. Die MLG rechnete dafür mit Kosten von rund 180 000 Franken. Der Brunnen sollte «ein Symbol für die Fasnacht sein», so die Maskenliebhaber: «Das Brauchtum Fasnacht verbindet uns alle, es ist ein eigentliches und überaus wertvolles Charaktermerkmal der Stadt Luzern.» Die Stadtregierung nehme mit ihrem Negativentscheid in Kauf, dass «die eigene Verwaltung mit ihren Führungspersonen nach einem über zweijährigen, breit abgestützten Planungsprozess vor den Kopf gestossen wird». Tatsächlich bezeichnete Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner den Maskenbrunnen gegenüber unserer Zeitung ursprünglich als «eine sehr interessante, tolle Idee, die wir voll unterstützen». Auch sei der Standort auf dem Kornmarkt in unmittelbarer Nähe des Rathauses von allen Standorten, die man geprüft habe, «mit Abstand der attraktivste».

Nach SP-Vorstoss sah alles plötzlich ganz anders aus

Doch mit dieser positiven Haltung war es vorbei, nachdem die SP im Stadtparlament ein dringliches Postulat eingereicht hatte. Der Brunnen postuliere ein «nationalistisches und sexistisches Gesellschafts- und Weltbild», kritisierte die Partei. Die Maskenliebhaber-Gesellschaft als privater, rein männlicher, freisinnig-liberaler Verein wolle sich damit im öffentlichen Raum «selbst ein Denkmal setzen». Auf die Vorwürfe von Sexismus und Nationalismus ging der Stadtrat in seiner Postulatsantwort nicht ein. Auch die Tatsache, dass die MLG ein rein männlicher Verein sei, habe bei der Beurteilung keine Rolle gespielt. Dennoch lehnte der Stadtrat den Brunnen ab. Man wolle die ohnehin schon enge und stark beanspruchte Altstadt nicht mit weiteren Objekten «belasten». Zudem sei unklar, welche Folgekosten der Maskenbrunnen längerfristig für die öffentliche Hand hätte.

«Der Stadtrat ist offenbar nicht willens oder fähig, einer haltlosen, pauschalen Diffamierung des Geschenkgebers MLG durch die Postulanten mit einem entschiedenen Positionsbezug entgegenzutreten», heisst es nun im offenen Brief: «Dies wiegt umso schwerer in einer Stadt, die sich in ihrer Historie über Generationen durch eine weltoffene, soziale und liberale Haltung ausgezeichnet hat, indem die politisch Verantwortlichen bisher für den so wichtigen gesellschaftlichen Ausgleich zwischen den verschiedensten Schichten und Anliegen gesorgt haben.»

Stadtrat will «weiteres Vorgehen besprechen»

Die SP/Juso-Fraktion zog ihr Postulat übrigens zurück, nachdem der Stadtrat klar zum Ausdruck gebracht hatte, dass er den Maskenbrunnen ablehnt. Luzerns Stadtrat hat auf den offenen Brief der Maskenliebhaber bisher noch nicht offiziell reagiert. «Wir haben diesen Brief erst gerade erhalten; wir werden das weitere Vorgehen intern besprechen», hiess es aus dem Stadthaus auf Anfrage.

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