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Luzerns Stadtrat lehnt fasnächtlichen Maskenbrunnen ab

Die Maskenliebhabergesellschaft wollte der Stadt Luzern einen Fasnachtsbrunnen vor dem Rathaus schenken. Der Stadtrat lehnt dieses Geschenk nun ab, nachdem der Stadtarchitekt dem Projekt bis vor kurzem noch sehr positiv gegenüberstand.
Hugo Bischof
So soll der geplante Maskenbrunnen auf dem Kornmarkt in der Stadt Luzern aussehen. (Bild: Visualisierung/PD)

So soll der geplante Maskenbrunnen auf dem Kornmarkt in der Stadt Luzern aussehen. (Bild: Visualisierung/PD)

Die Maskenliebhaber-Gesellschaft der Stadt Luzern (MLG) feiert 2019 ihr 200-Jahre-Jubiläum. Sie will der Stadt Luzern zu diesem Anlass einen neuen Brunnen schenken. Dieser soll den heutigen Brunnen vor dem PKZ-Gebäude auf dem Kornmarkt mitten in der Luzerner Altstadt ersetzen. Der neue Brunnen hätte die Form einer Stele, die rundum mit fasnächtlichen Masken dekoriert ist (wir berichteten).

Der Luzerner Stadtarchitekt Jürg Rehsteiner bezeichnete den geplanten Maskenbrunnen Mitte April dieses Jahres gegenüber unserer Zeitung als «eine sehr interessante, tolle Idee, die wir voll unterstützen». Auch der Standort auf dem Kornmarkt in unmittelbarer Nähe des Rathauses sei von allen Standorten, die man geprüft habe «mit Abstand der attraktivste».

Stadtrat will Plätze entlasten

Nun hat sich der Luzerner Stadtrat aber entschieden, das Geschenk der Maskenliebhaber nicht anzunehmen. Er erarbeite zurzeit im Projekt Stadtraum Luzern ein «Konzept zur Nutzung und Gestaltung der öffentlichen Stadträume, namentlich auch für die Innenstadt», schreibt der Stadtrat in seiner Antwort auf ein dringliches Postulat der SP/Juso-Fraktion. Dabei bestehe die Zielsetzung, «die Plätze zu entlasten, um Raum für Nutzende und Nutzungen zu schaffen». Der Kornmarkt in der Altstadt sei zwar «eine der wichtigsten Bühnen der Luzerner Fasnacht», so der Stadtrat. Die Stadt Luzern besitze auf dem Kapellplatz aber bereits einen historischen Fasnachtsbrunnen, den Fritschibrunnen.

Zudem wolle er kein Geschenk annehmen, «das mit finanziellen Folgen und Standortauflagen für den öffentlichen Raum verbunden ist», hält der Stadtrat weiter fest. Diese Haltung habe er schon früher in vergleichbaren Fällen eingenommen, etwa bei der Nike-Plastik, die heute auf dem Bootshallendach am Alpenquai steht. Der Stadtrat nennt einen weiteren Grund für seine Ablehnung des Geschenks der Maskenliebhaber: Beim Brunnenprojekt handle es sich um ein Projekt für Kunst im öffentlichen Raum. «Deshalb», so der Stadtrat, «wäre auf jeden Fall eine Stellungnahme der Kommission für bildende Kunst einzuholen gewesen, die für Fragen der künstlerischen Qualität und künstlerische Fragestellungen im Zusammenhang mit Kunst im öffentlichen Raum zuständig ist.»

SP/Juso kritisiert «sexistisches Gesellschafts- und Weltbild»

Die SP-Juso-Parlamentarier kritisieren in ihrem Vorstoss, der von den Maskenliebhabern vorgeschlagene Maskenbrunnen postuliere ein «nationalistisches und sexistisches Gesellschafts- und Weltbild». Zudem überzeuge das Werk auch fachlich nicht. Mit dem Brunnenprojekt wolle sich die Maskenliebhaber-Gesellschaft als privater, rein männlicher Verein im öffentlichen Raum «selbst ein Denkmal setzen», so die SP/Juso. Das Leitbild der Maskenliebhaber orientiere sich an einem «freisinnig-liberalen Welt- und Gesellschaftsbild». Aufnahmeberechtigt seien ausschliesslich «gleich gesinnte Schweizerbürger». Laut ihrem Gründungsgedanken sehe sich die «Bruderschaft» als eine der freisinnigen Partei nahestehende bürgerliche Vereinigung.

Auf die Vorwürfe von Sexismus und Nationalismus gehe der Stadtrat in seiner Antwort bewusst nicht ein, sagt auf Anfrage der Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli (SP): «Das war kein Kriterium für unseren ablehnenden Entscheid.» Auch die Tatsache, dass die Maskenliebhaber-Gesellschaft ein rein männlicher Verein sei, habe bei der Beurteilung keine Rolle gespielt: «Wir hätten gleich entschieden, wenn ein Frauenverein ein solches Projekt vorgeschlagen hätte.» Es sei auch nicht von Belang gewesen, von wem der politische Vorstoss kam, betont Züsli: «Wir haben das Anliegen unabhängig vom Absender beurteilt.» Entscheidend seien die stadträumlichen Aspekte und die mit dem Geschenk verbundenen Auflagen gewesen. Wenn der Stadtrat das Projekt grundsätzlich befürwortet hätte, wäre die künstlerische Beurteilung danach von der Kommission «Bildende Kunst» vorgenommen worden. Dazu ist es aber nun nicht gekommen.

Maskenliebhaber enttäuscht vom Entscheid

Was sagt Stadtpräsident Züsli dazu, dass mit Stadtarchitekt Rehsteiner ein prominenter Chefbeamter das Projekt zuerst explizit gutgeheissen hatte? «Es kann immer wieder vorkommen, dass es zu einzelnen Projekten unterschiedliche Einschätzungen gibt», antwortet Züsli. Der Stadtrat habe das Projekt aus einer übergeordneten Sicht beurteilt - und zwar aufgrund des Vorstosses der SP. Jürg Rehsteiner wollte gestern keine Auskunft geben und verwies auf die Stellungnahme des Stadtrats.

Die Maskenliebhaber-Gesellschaft zeigte sich enttäuscht über den Entscheid des Stadtrats. Sie weist auch die Vorwürfe der SP/Juso-Fraktion mit aller Entschiedenheit zurück. Mit einem überholten Weltbild, Sexismus und Nationalismus hätten der vorgeschlagene Brunnen und auch die Gesellschaft selber überhaupt nichts zu tun. Der Brunnen stehe für Wasser, Originalität, Zusammenleben und Fasnachtsfreude.

Brunnen würde 180 000 Franken kosten

Nach aktuellem Stand der Verhandlungen sei für den Bau des Brunnens mit Kosten von gegen 180000 Franken zu rechnen, hält der Stadtrat fest. Die Finanzierung sei noch nicht abschliessend verhandelt. Die Maskenliebhaber-Gesellschaft wolle einen Teil davon mit Donatoren, Spendern oder aus eigenen Mitteln selber aufbringen sowie Stiftungen anfragen. Auch die Stadt Luzern sei von der MLG angefragt worden, sich am neuen Maskenbrunnen zu beteiligen.

Als nächstes wird der SP/Juso-Vorstoss nun vor das Stadtparlament kommen. Der Stadtrat empfiehlt Annahme des Postulats. Ob die Parlamentarier diesem Antrag folgen, wird sich zeigen.

Brunnen geht auf eine alte Idee zurück

Der Idee für den Brunnen liegt das Werk eines Maskenturms des Luzerner Künstlers Charles Gerig (1932–2003) zugrunde. Der Künstler hätte den Turm zuerst 1993 und dann 1998 gerne auf dem Mühlenplatz realisiert gesehen. Die Stadt lehnte damals diese Ideen ab. Das Urheberrecht am Werk liegt heute bei der MLG. Der ursprüngliche Maskenturm ist nicht vollständig identisch mit dem heutigen Brunnenprojekt. Die gestalterische Entwicklung liegt nun in Zusammenarbeit mit der MLG beim Luzerner Künstler Basil Koch sowie bei Architekt Adrian Westenbrink. Hierzu gibt es noch keine Beschlüsse. Die Maskenliebhaber-Gesellschaft trat Anfang 2016 mit der Idee des Brunnengeschenks an die Stadt. Am 26. Februar 2018 reichte sie ein Baugesuch ein, das von der Stadt (als Grundeigentümerin) mitunterzeichnet war. Es lag bis am 2. Mai öffentlich auf. Bis zum Fristablauf ist eine Einsprache eingegangen. Die Stadt begleitete das Projekt von Anfang an durch zuständige Stellen, speziell durch die Brunnenkommission und die städtische Denkmalpflege. Nach einer sehr umfangreichen Standortsuche wurde der Kornmarkt als geeigneter Standort evaluiert.

«Für den Standort sprach die zentrale Lage in der Altstadt und damit eine direkte Verbindung zum Thema des Brunnens, nämlich der Luzerner Fasnacht», schreibt der Stadtrat in seiner Antwort auf das Postulat von SP/Juso. Im Zuge der Abklärungen habe sich aber gezeigt, dass die Möglichkeiten, überhaupt einen geeigneten (neuen) Standort für einen Brunnen zu finden, in der Innenstadt sehr eingeschränkt seien. Dies habe besonders in der Altstadt mit der der starken funktionalen Beanspruchung und den anspruchsvollen Verkehrsverhältnissen zu tun. Zudem würden die Möglichkeiten durch die Lage von Leitungen im Boden und das Vorhandensein beziehungsweise die Nähe zu Wasserzuleitungen weiter eingeschränkt. (hb)

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