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LUZERN/ZUG: Alkohol am Steuer: Jetzt sind die Junglenker im Visier

Für junge Autofahrer gilt ab 2014 ein Alkoholverbot. Die Präventions- industrie läuft auf Hochtouren, die Luzerner und die Zuger Polizei beobachten die Lage.
Rainer Rickenbach
Auch mit einer Plakatkampagne, hier auf der Luzerner Allmend gestern Nachmittag, wird auf die neuen Alkoholregeln für junge Autofahrer aufmerksam gemacht. (Bild Dominik Wunderli)

Auch mit einer Plakatkampagne, hier auf der Luzerner Allmend gestern Nachmittag, wird auf die neuen Alkoholregeln für junge Autofahrer aufmerksam gemacht. (Bild Dominik Wunderli)

Das Video fand auf dem Internet-Portal Youtube schon rund 100 000 Betrachter. Zu sehen sind in der Anfangsszene junge fröhliche Leute, die nachts in einem Peugeot unterwegs sind. Plötzlich erscheint wie aus dem Nichts eine menschenähnliche Puppe. Der Fahrer bremst abrupt ab – jedoch zu spät. Das Auto fährt die Puppe an. Der Fahrer verzieht den Mund.

Es sind keine Schauspieler, sondern gewöhnliche Jugendliche, die im Filmchen zu sehen sind. Hinter der Produktion steht die Stiftung Roadcross, die sich Unfallprävention auf die Fahnen geschrieben hat. Die Botschaft des Videoauftritts lautet: «Wer fährt, trinkt nicht.» Sie richtet sich an die Junglenker.

Es gilt Nulltoleranz

Für die Autofahrer im Alter von 18 bis 24 und Fahrschüler gelten nämlich ab dem 1. Januar 2014 verschärfte Vorschriften, was den Alkoholkonsum angeht. Der Bund verordnete den Junglenkern während der Probezeit ein faktisches Alkoholverbot. Wird einer von ihnen mit 0,1 und mehr Promille Alkohol im Blut erwischt, kann er froh sein, mit einer saftigen Busse davonzukommen. Für die älteren Verkehrsteilnehmer bleibt es bei der Promillegrenze von 0,5. Die neuen Vorschriften sind Teil des Verkehrssicherheitsprogramms «Via Sicura» des Bundes (siehe Kasten).

Dass sich Restriktionen einmal mehr gegen die jungen Erwachsenen im Strassenverkehr wenden, hat seine Gründe. «18- bis 24-jährige Lenker verursachen unter Alkoholeinfluss fast doppelt so viele Unfälle wie 25- bis 44-jährige», sagt Daniel Menna, Sprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU). Gemessen an den 45- bis 64-Jährigen sind es sogar viermal mehr Unfälle. Was statistisch so eindrücklich daherkommt, relativiert sich in der Praxis. «Bei Verkehrsunfällen gibt es in den meisten Fällen mehr als eine Unfallursache. Welches nun die Hauptursache sein soll, ist nicht immer ganz einfach einzugrenzen», sagt Franz-Xaver Zemp, Chef des Fachbereiches Verkehr bei der Luzerner Polizei. Er erläutert es an einem Beispiel: Ist ein Autofahrer in angetrunkenem Zustand zu schnell unterwegs und missachtet einen Vortritt, kommen beim Verkehrsunfall mehrere Ursachen zusammen. Doch statistisch wird nur eine Hauptursache erfasst.

Alkoholunfälle: Ein Fünftel jung

Die Luzerner Polizei beschäftigte sich im vergangenen Jahr mit insgesamt 2421 Verkehrsunfällen. In 161 Fällen galt Fahren in angetrunkenem Zustand oder unter Drogeneinfluss als Hauptursachen. Davon wiederum entfiel gut jeder fünfte auf Unfallschuldige im Alter von 18 bis 24 Jahren.

Von der schärferen Promilleregel für die jungen Autofahrer versprechen sich die Versicherungen und Präventionsfachleute jährlich fünf bis zehn Tote weniger auf den Strassen und eine merkliche Reduktion der Anzahl Schwerverletzter. Grundlage für diese Annahmen bilden «aufwendige und komplexe wissenschaftliche Berechnungen», wie Menna von der BfU sagt.

Wird die Polizei nach Silvester ein besonderes Augenmerk auf die Junglenker werfen? «Spezielle Kontrollen für junge Autofahrer sind nicht vorgesehen», sagt Marcel Schlatter, Sprecher Zuger Strafverfolgungsbehörden. «Doch das Gesetz gilt ab dem 1. Januar, und die Neulenker werden bei den üblichen Kontrollen darauf geprüft.»

Ähnlich tönt es in Luzern. Momentan mache die BfU auf den neuen Promillegrenzwert für die jungen Autofahrer aufmerksam, sagt Zemp. «Wir werden deshalb in der Anfangsphase keine Spezialkontrollen planen und primär die Kommunikation wirken lassen. Im Aussendienst kontrollieren wir selbstverständlich im gewohnten Rahmen zu jeder Tages- und Nachtzeit Fahrzeuglenkende. Die neuen Grenzwerte müssen dabei berücksichtigt und angewendet werden.»

Party mit anschliessender Testfahrt

Die Kommunikation der neuen Verordnung gibt viel zu reden. Denn die Stiftung Roadcross lud im November zwecks Drehs des eingangs erwähnten Präventionsvideos Jugendliche aus der ganzen Schweiz ein zur «dümmsten Party der Welt» (Eigenwerbung). Dort wurde – wie an Partys üblich – Alkohol ausgeschenkt. Die jungen Autolenker fuhren danach unter Kamerabegleitung auf einer geschützten Teststrecke, wo die Puppen in der Dunkelheit lauerten. «Es war eine reale Testsituation», erläutert Roadcross-Sprecher Stefan Krähenbühl den Sinn der Übung. Die «Erfolgsquote» fiel bedenklich aus: 9 von 10 Fahrern fuhren die Puppe an.

Prävention bei den «Braven»

Ob der Alkohol schuld war, ob die Fahrer die Übung in ihrer Partylaune nicht ernst nahmen oder ob die Aufgabe für die Fahrer schlicht zu schwer war, lässt sich im Nachhinein nicht mehr eruieren. Krähenbühl ist jedenfalls überzeugt, dass Roadcross sein Ziel erreicht hat. «Es gelang, unsere Botschaft zu verbreiten. Darum ging es», sagt er. Was für den Filmauftritt im Internet richtig sein mag. An der «dümmsten Party der Welt» hingegen waren die eher braven Jungfahrer erschienen, die sich im Griff haben. Krähenbühl: «Sie konnten sich in ihrer negativen Haltung gegenüber Alkohol am Steuer bestätigt fühlen.»

Über 800 000 Franken liess sich der Fonds für Verkehrssicherheit die ganze Aufklärungskampagne kosten. Der Fonds wird gespiesen aus ein paar Promillen der Motorhaftpflichtversicherungen.

Das Video zur Null-Toleranz-Kampagne gibts unter www.luzernerzeitung.ch/bonus

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