Kolumne

«Landauf, landab»: Der Lebkuchen vom Chlaus

In der aktuellen Kolumne «Landauf, landab» schreibt Journalistin Luzia Mattmann über den Samichlaus – und tückische Kinderfragen.

Luzia Mattmann
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Endlich ist Advent, dachte ich. Endlich Zeit an den langen Winterabenden, die schönen Weihnachtsgeschichten zu erzählen. Doch nichts da. Von wegen blindes Anhimmeln von Chlaus und Co. Kritische Fragen waren an der Tagesordnung. Es fing damit an, dass beim Chlauseinzug gleich ein ganzer Tross Nikoläuse ins Dorf einzog. Welcher soll den nun der echte sein? Warum kommen so viele Hilfschläuse mit? Warum sehen die ihm so ähnlich? Dabei die Angst, dass so ein unechter Kerl uns besuchen könnte – schrecklich.

Ein paar Tage vor dem Besuch wurden dem Grossen die Zeit etwas gar lang und er fragte, was denn dieser Samichlaus noch so Wichtiges zu tun habe und ob er nicht etwas eher kommen könne. Ach, der bäckt wohl Lebkuchen und füllt seine vielen Säcke für die Kinder, sagte ich leichthin. Er schaute reichlich skeptisch und meinte dann, in dem kleinen Häuschen gebe es gar keinen Backofen. Und schon gar kein Platz, um so viele Säcke zu füllen. Im letzten Jahr hatten wir den Samichlaus nämlich besucht, in einer winzigen, windschiefen Hütte am Waldrand. Scheinbar war das noch in bester Erinnerung.

Den Tränen nahe wartete er auf eine erlösende Erklärung. Naja, so richtig wohnen tut er natürlich im dichten Tannenwald in einem grossen Haus mit Backofen, improvisierte ich. Das kleine Häuschen sei nur ein Besuchshäuschen. Sowieso hätte der Chlaus da keinen Stall für den Esel. Das reichte fürs Erste. Allerdings war mir das eine Lehre. Ich machte einen grossen Bogen um die Lebkuchen aus Migros und Coop. Hätte der Chlaus die vorbeigebracht, wäre sein Spiel ein für alle Mal aus gewesen. Da gab’s nur eins: selber backen.

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