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LZ-CORNER: Bei ihr stehen die Leute Schlange

Vreni Jucker ist Leiterin des LZ-Corners. Die 55-jährige Luzernerin begann vor 25 Jahren bei den LNN. Wer ein Konzertticket nicht im Internet kauft oder persönlich ein Zeitungsinserat aufgibt, lernt sie früher oder später kennen.
Roger Rüegger
Vreni Jucker arbeitet im LZ Corner. (Bild: Corinne Glanzmann (Neue LZ) (Neue Luzerner Zeitung))

Vreni Jucker arbeitet im LZ Corner. (Bild: Corinne Glanzmann (Neue LZ) (Neue Luzerner Zeitung))

Vreni Jucker, wie viele Freunde haben Sie am Tag, an dem der Ticket-Vorverkauf für ein beliebtes Konzert wie AC/DC oder Metallica startet?

Nicht mehr so viele. Inzwischen wissen die meisten Leute, dass wir im LZ-Corner keine Tickets auf Vorbestellung reservieren. Auch nicht für «Freunde».

Und für echte Freunde, Familie oder Arbeitskollegen?

Denen sage ich dasselbe wie allen anderen. Leider nein. Da sind ich und meine sechs Kolleginnen konsequent. Es wäre nicht fair gegenüber den Kunden, die bei uns anstehen. Bei einem Ticket-Anbieter gab es einst einen Skandal, weil für den internen Gebrauch Tickets gedruckt wurden.

Dann gilt für alle: anstehen?

Wer Chancen auf ein Ticket haben will, steht am Schalter an.

Wie lange sind die Warteschlangen jeweils?

Früher stellten sich um 6 Uhr Leute hin. Ich erinnere mich, dass Menschen bei Eiseskälte mit Thermosflaschen und Wolldecken zwei Stunden bis zur Schalteröffnung warteten.

Der grösste Ansturm war?

Bei U2 oder beim Basel Tattoo. Auch die Eröffnung des KKL 1998 war ein Hype. Damals waren wir noch im Löwen-Center. Die Schlange bildete sich bis aufs Trottoir. Solche Szenen sind heute leider selten.

Weil viele Leute Eintrittskarten im Internet kaufen?

Ja. Der Onlineverkauf nimmt zu.

Vermissen Sie die stürmischen Zeiten?

Ja, es sind immer Highlights, wenn die Leute aufgestellt und glücklich sind, wenn wir ihnen die ersehnten Tickets verkaufen können. So macht Arbeit Freude.

Da ich nur Fragen über Tickets stelle, merken Sie, dass ich keine Ahnung habe, was im LZ-Corner sonst läuft. Was bieten Sie für Produkte an?

Wir verkaufen Angebote aus unserem Abopass-Sortiment. Zum Beispiel Bücher. Oder Radio-Pilatus-Hörer können bei uns ihre Wettbewerbspreise abholen. Einen kleinen FCL-Fanshop findet man bei uns auch, und seit gut einem Jahr sind wir für die City-Vereinigung tätig. Dazu bieten wir den Aboservice an. Abonnenten, welche die Zustellung der Zeitung unterbrechen oder umleiten wollen, können dies bei uns erledigen. Das kostet zwar etwas, ist aber unkompliziert.

Gibt’s Leute, die reklamieren?

Wenn die Zeitung nicht rechtzeitig oder gar nicht in ihrem Briefkasten liegt, können sich Abonnenten auch an uns wenden.

Da können Sie helfen?

Wir nehmen die Anliegen der Kunden auf. Was wir nicht erledigen können, leiten wir weiter. Viele Abonnenten können oder wollen ihre Geschäfte nicht online abwickeln und schätzen den persönlichen Kontakt. Wir helfen auch bei Problemen mit der LZ-App oder erklären, wie man sich im Internet registriert.

Der LZ-Corner steht für Tickets, Abos und Inserate. Wer gibt Inserate am Schalter auf?

Recht viele. Zur Hauptsache private Kleinanzeigen und Traueranzeigen. Wohnungen, Stellengesuche, Geschäftseröffnungen, Erotikinserate. Es sind Kunden, die froh sind, wenn sie unsere Beratung in Anspruch nehmen dürfen, weil sie wenig Erfahrung mitbringen oder mit dem Computer nicht zurechtkommen.

Erhalten Sie auch Feedbacks auf die Inhalte der Zeitung?

Selten. Im Gegenteil, es kommen oft Leute, die nach einer älteren Zeitung fragen, weil sie einen Artikel nachlesen wollen – und auch wegen Traueranzeigen.

Sind alte Zeitungen gratis?

Ja. Wir bewahren pro Ausgabe einige Exemplare auf. Wer eine aktuelle Zeitung will, muss diese natürlich bezahlen.

Besonders schlaue könnten täglich die Gratisausgabe vom Vortag verlangen?

Wenn ich merke, dass jemand mit dieser Masche kommt, biete ich ihm bald ein Zeitungsabo an.

Mit Erfolg?

Praktisch nie. Unsere Kernaufgabe ist der Ticket- und Inserateverkauf. Wir lassen Kunden auf den Bildschirm schauen, wenn wir für sie einen Sitzplatz im KKL reservieren. Das wird sehr geschätzt.

Da der LZ-Corner zentral liegt, kommen wohl auch Touristen vorbei?

Täglich. Die möchten Geld umtauschen, fragen nach Hotels oder Sehenswürdigkeiten und lassen sich den Stadtplan erklären. Wir helfen auch da, wo wir können. Nur den Geldwechsel haben wir noch nicht eingeführt.

Wie sind Sie auf Ihren Job gestossen?

Nach einem dreimonatigen Aufenthalt in den USA hatte ich keinen Job. Eine Kollegin, die damals bei den LNN arbeitete, machte mich auf eine freie Stelle beim Empfang aufmerksam. Seither bin ich hier. Mit langjährigen Mitarbeiterinnen haben wir den Ticketvorverkauf, den heutigen LZ-Corner, auf- und weiter ausgebaut. Wir sind die grösste Vorverkaufsstelle auf dem Platz Luzern.

Was war Ihr Wunschberuf?

Ich wollte mit Pferden arbeiten.

Wieso taten Sie’s nicht?

Nach der Handelsschule arbeitete ich zweieinhalb Jahre in einem Stall. Bis ich merkte, dass das tägliche Ausmisten, das halt dazugehört, auf Dauer nicht das Wahre ist. Danach arbeitete ich fünf Jahre in einem Reitsport­geschäft, ehe ich bei der Zeitung landete.

Eine Frage muss ich stellen: Sind Sie verwandt mit dem ehemaligen Sportreporter Hans Jucker? Eine seiner Aussagen bei einem Springreiten lautete: «Jez chömed die Schiss-Ponys.»

(Lacht.) Ich weiss, was Sie meinen. Nein, mit ihm habe ich nichts zu tun.

Ich dachte, weil Sie reiten, würde es passen. Sind Sie oft auf dem Pferd?

Ich reite praktisch jeden Tag.

Da bleibt nicht mehr viel Zeit?

Doch, ich gehe gerne an Konzerte. Vor allem ins KKL oder an andere kulturelle Veranstaltungen. Im Winter nehme ich mir Zeit fürs Skifahren und im Sommer geht’s zum Segeln ins Mittelmeer.

Zum Schluss möchte ich noch wissen, ob Sie auch schon an ein Konzert wollten und kein Ticket ergattern konnten, weil sie alle verkauft haben?

Nein, wenn es losgeht und ich am Schalter bin, kaufe ich als mein erster Kunde schon mal Tickets für mich. Dem Kunden am Schalter teile ich das genauso mit. Diese Freiheit nehme ich mir.

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

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