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LZ-WEIHNACHTSAKTION: Der Albtraum eines Vaters und seiner Kinder

Markus B. und seine beiden Kinder werden Opfer von Gewalt. Täterin ist ausgerechnet die Mutter der Kinder. Jahrelang lebten die drei Betroffenen wie in einem Albtraum. Und dieser ist noch nicht vorbei.
Markus B. mit Tochter und Sohn in seiner Luzerner Heimatgemeinde. Zum Schutz der Familie ist unser Beitrag anonymisiert.

Markus B. mit Tochter und Sohn in seiner Luzerner Heimatgemeinde. Zum Schutz der Familie ist unser Beitrag anonymisiert.

Arno Renggli

arno.renggli@luzernerzeitung.ch

Es brauchte lange, bis Markus B. sich überwinden konnte, die Gewalttätigkeit seiner Frau bei der Polizei zu melden. «Als Mann hatte ich wohl besonders grosse Hemmungen, einzugestehen, ein Opfer zu sein.» Auch die Polizei nahm die Situation nicht von Anfang an ernst. «Ein Beamter sagte mir sinngemäss, ich müsse eben zu Hause zeigen, wer der Chef sei.» Aber den Ausbrüchen seiner Frau mit gleicher Münze zu begegnen, das wollte der 38-Jährige nicht: «Ich glaube nicht daran, dass Gegengewalt die richtige Lösung ist.»

Ein dramatisches Ereignis, bei dem sogar eine Schusswaffe ins Spiel kam, war nötig, um die Behörden aktiv werden zu lassen. Die Frau wurde verhaftet, später vor Gericht gestellt und schuldig gesprochen. Derzeit läuft eine bedingte Strafe mit Auflagen, die ihr unbeaufsichtigten Kontakt zu den Kindern verbieten.

Den kleinen Sohn mit kaltem Wasser geduscht

Die unmittelbare Bedrohung ist damit gebannt, Markus B. und seine beiden Kinder sind inzwischen auch in eine neue Gemeinde gezogen. Aber die Folgen der erlittenen Gewalt sind immer noch präsent, gerade bei den Kindern. Jonas sprach, bis er drei Jahre alt war, kein einziges Wort. Und hat bis heute gewisse Rückstände in der Entwicklung. «Immer noch reagiert er in bestimmten Situationen panisch, beispielsweise will er nicht duschen», berichtet Markus B. Dies ist eine Konsequenz davon, dass ihn seine Mutter regelmässig eiskalt abgeduscht hat, eine der verschiedenen Formen von Gewalt, die sie nebst Schlägen auch noch ausübte. «Jonas braucht noch mehr als andere Kinder extrem regelmässige Tagesabläufe, um sich einigermassen sicher zu fühlen.»

Seine ältere Schwester Luzia, welche die Primarschule besucht, hat die damalige Gewalt noch viel bewusster erlebt. «Allerdings ging es lange, bis ihr klar wurde, dass das Verhalten ihrer Mutter nicht normal ist», sagt Markus B. «Die Mutter hat ihr suggeriert, dass hartes Bestrafen ein normaler Bestandteil elterlicher Liebe sei. Und zugleich, dass sie ihrem Papi nichts davon erzählen dürfe.» Noch heute schläft Luzia im Zimmer ihres Bruders – aus Angst, dass ihre Mutter in die Wohnung einbrechen und sie holen könnte. Zum Glück hat sie am neuen Wohnort tolle Freundinnen gefunden und fühlt sich auch in der Schule wohl.

Derweil sieht sich Markus B. mit der vollen Belastung eines erwerbstätigen Alleinerziehenden konfrontiert. Damit das Geld halbwegs reicht, muss er Vollzeit arbeiten, Unterstützung von seiner Ex-Partnerin erhält er keine, vielmehr musste er dieser selber eine Zeit lang Alimente zahlen. Kostspielig ist die familienexterne Betreuung, ohne die es nicht geht. Indes sorgt Markus B. dafür, dass er möglichst viel für die Kinder da ist. So kocht er fast immer das Mittagessen selber, und auch an den Abenden ist er jeweils zu Hause. Zum Glück hat er einen Arbeitgeber, der dieser speziellen Familiensituation mit Toleranz begegnet.

Die Angst bleibt, dass sie plötzlich auftaucht

Markus B. hofft nun einfach, dass das Leben für ihn und seine Kinder möglichst ungestört weitergeht und dass der Albtraum, den sie erlebt haben, zu Ende ist. Doch das ist alles andere als sicher. Seine Ex-Partnerin hat bisher keine Schuldeinsicht gezeigt. «Aus ihrer Sicht ist sie selber das Opfer», sagt Markus B. Nach wie vor bombardiert sie ihn mit Anrufen und SMS, was ihr verboten ist. Eine Meldung von Markus B. an die Behörden würde die Bewährung der Ex-Frau wohl hinfällig machen und sie ins Gefängnis bringen. Aber Markus B. will diese Karte nicht ohne Not spielen, auch aus Rücksicht auf die Kinder. Doch die Angst, dass sie plötzlich auftaucht, womöglich versucht, eines der Kinder zu kontaktieren oder gar mitzunehmen, ist allgegenwärtig.

Markus B. findet es wichtig, dass auch die Situation von alleinerziehenden Vätern, die gegenüber den Müttern in der Minderheit sind, gesellschaftlich wahrgenommen wird. Ihnen fällt es oft eher schwerer, Hilfe zu fordern und auch zu bekommen. Und materiell ist ihre Lage oft noch prekärer als diejenigen von Müttern, die eher auf Alimente des Ex-Partners zählen können.

Entsprechend macht ihm die ständige hohe Belastung zu schaffen: «Im Moment lebe ich von einem Tag auf den anderen und versuche einfach, fortlaufend die gerade anfallenden Dinge zu meistern.» Zeit für anderes, auch für ein Sozialleben, hat er im Moment nicht. Und er ist sich dessen bewusst, dass auch für ihn die Aufarbeitung der traumatischen Geschehnisse erst noch ansteht. Die LZ-Weihnachtsaktion hilft ihm mit einem Beitrag zu Gunsten seiner Kinder etwas über die schwere Zeit hinweg.

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