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LZ-WEIHNACHTSAKTION: Er kämpft sich Tag für Tag ins Leben zurück

Aus dem Nichts erleidet der Luzerner Landwirt Bruno W. einen Herzstillstand. Zwar entrinnt er knapp dem Tod, doch sein Gehirn nimmt Schaden. Eine Situation, die nicht nur ihm selber schwer zu schaffen macht.
Bruno W. mit seiner Frau Rita und seinen Kindern im Wohnzimmer ihres Bauernbetriebes im Kanton Luzern. (Bild: Nadia Schärli (19. Dezember 2017))

Bruno W. mit seiner Frau Rita und seinen Kindern im Wohnzimmer ihres Bauernbetriebes im Kanton Luzern. (Bild: Nadia Schärli (19. Dezember 2017))

Arno Renggli

arno.renggli@luzernerzeitung.ch

Am 12. Juli dieses Jahres ändert sich das Leben von Bruno W. und seiner Familie schlagartig: Der 56-jährige Landwirt erleidet beim Melken einen Herz-Kreislauf-Stillstand und bricht zusammen. Seine Frau Rita hört aus einem Nebenraum, dass die Melkmaschine nicht mehr richtig angeschlossen ist. Noch ahnt sie nichts Böses, als sie kommt, um nach dem Rechten zu sehen. Dann sieht sie ihren Mann regungslos am Boden.

«Ich sprach ihn an, und als er nicht reagierte, rannte ich sofort ins Freie, um Hilfe zu holen», berichtet sie. Damit rettet sie ihrem Mann wohl das Leben. Arbeiter, die nebenan an einem neuen Stall werken, eilen zu Hilfe und schaffen es, Bruno W. zu reanimieren. Rettungskräfte behandeln ihn dann zusätzlich und bringen ihn ins Kantonsspital.

Er kann seine Familie nicht erkennen

Er wird in ein künstliches Koma versetzt, derweil die Ärzte rätseln, was der Auslöser dieses schweren Anfalls gewesen sein könnte. Bruno W., ein kräftiger und aktiver Mann, hat vorher nie nennenswerte gesundheitliche Probleme gehabt. Rasch zur Gewissheit wird aber: Sein Gehirn, längere Zeit ohne Sauerstoffversorgung, hat Beeinträchtigungen erlitten.

Es sind schwere Tage für seine Familie. Zwar ist die unmittelbare Lebens­gefahr nach einiger Zeit gebannt. Doch Bruno W. wacht zunächst nicht auf, auch als die Narkosemittel abgesetzt werden. Aber er kämpft. Bewegt immer wieder die Arme. Dann schafft er es, die Augen zu öffnen. Erste Phasen des Wachseins folgen. Noch erkennt er seine Familie nicht, kann nicht sprechen. Und jetzt ist klar: Sollte er es schaffen, irgendwann wieder in ein halbwegs normales Leben zurückzukehren, dann nur in kleinen Etappen und mit sehr viel Geduld.

Er spürt, was seine Frau und seine Kinder durchmachen

Inzwischen ist Bruno W. wieder zu Hause, nach langen Monaten im Spital. Er macht Fortschritte, kann an der Seite seiner Frau einige Schritte gehen, kann einzelne Sätze sprechen, einfache Fragen beantworten. Langsam kommen Erinnerungen zurück, auch von viel früher, oft noch nicht chronologisch geordnet. Sein Gehirn braucht Zeit, sich neu zu organisieren. Es geht voran, aber furchtbar langsam für einen Menschen, der davor körperlich so fit und geistig so wach war. Der sich nicht nur für seinen Betrieb, sondern auch für die Welt ausserhalb interessiert hat. Der Zeitung gelesen, gerne auch mal über Politik diskutiert hat.

Und es ist auch klar, dass er sich der für ihn wie für seine Familie schwierigen Situation bewusst ist. Dass er emotional darauf reagiert. Wenn von seiner Frau oder seinen Kindern die Rede ist, füllen sich seine Augen mit Tränen. Er weiss, was sie durchmachen. Aber er weiss auch, wie stark seine Familie ist.

Darum gibt auch er nicht auf, ringt jedem Tag ein neues Stück Leben ab, will an der Aussenwelt wieder teilhaben. Seine Frau erzählt: «Kürzlich sagte er: ‹Ich weiss nicht mehr, was im Dorf läuft und was in der Welt. Ich möchte mal wieder die Tagesschau sehen.›» Für sie ist er trotz seines Handicaps immer noch der Mensch, den sie seit über 20 Jahren kennt. «Wir hatten es immer gut zusammen und waren auch bei der Arbeit ein tolles Team. Ich liebe ihn genauso wie vorher. Daran hat sich nichts geändert.»

Der Schicksalsschlag war auch betrieblich gravierend. Rita W. musste noch mehr als vorher schon Arbeiten übernehmen, Freunde und Verwandte sprangen immer wieder ein, zeitweilig muss ein Betriebshelfer engagiert werden, was das Budget zusätzlich stark belastete. Hier hilft die LZ-Weihnachtsaktion mit einem Beitrag. Auch wenn es Rita W. zuerst schwerfiel, Unterstützung anzunehmen, ist die Familie nun sehr froh darum.

Das wichtigste Kapital aber ist der Zusammenhalt der Familie, zu welchem die vier Kinder viel beitragen. Martina, die Älteste, gibt zu: «Es ist schon schwierig, unseren Papi, der ein so starker Mann ist, auf diese Art zu erleben. Aber zusammen mit ihm glauben wir daran, dass es besser wird.» «Es ist toll, wie sie mithelfen», lobt Rita W. ihre Kinder. «Für ihren Papi tun sie alles.»

Die totale Ungewissheit, wie es weitergeht

Da saust der kleine Hofhund durchs Wohnzimmer, und plötzlich ist die Stimmung fröhlich. Auch auf dem Gesicht Bruno W. erscheint ein Lächeln. Es zeigt, wie diese Familie eigentlich ist. Dass da eine Kraft und Lebensfreude herrscht, die auch Bruno W. mittragen wird.

Und die vor allem mithelfen wird, die Ungewissheit zu ertragen, welche noch lange herrschen wird. Niemand kann sagen, wie gut und wie schnell der Heilungsprozess gehen wird. Rückschläge werden unvermeidlich sein. Und auch, wie es mit dem Hof weitergeht, bleibt offen. «Es ist fast unmöglich, irgendetwas längerfristig zu planen», sagt Rita W. «Wir versuchen, zu bewältigen, was kommt, Tag für Tag zu leben und zuversichtlich zu bleiben. So möchte es auch Bruno, da bin ich ganz sicher.»

Beispiele, wo wir helfen

Während der LZ-Weihnachtsaktion berichten wir exemplarisch über Menschen, denen wir dank den Spenden unserer Leserinnen und Leser helfen können.

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