Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

MADAGASKAR: Luzerner Arzt kämpft in Afrika gegen die Pest

Die Pest ist nicht nur ein Schreckgespenst aus dem Mittelalter. Auch heute erkranken viele Menschen daran. Mit den richtigen Mitteln kann man die Krankheit aber behandeln. Reto Eberhard (44) weiss, wie das geht.
Der Luzerner Arzt Reto Eberhard (rechts) bei seinem Einsatz in Madagaskar zusammen mit Einsatzleiter Youcef Chellouche. (Bild: PD)

Der Luzerner Arzt Reto Eberhard (rechts) bei seinem Einsatz in Madagaskar zusammen mit Einsatzleiter Youcef Chellouche. (Bild: PD)

«Am 23. September fuhr ein junger Mann, bei dem die Lungenpest ausgebrochen war, in einem Bus zur Hauptstadt. Damit nahm die Katastrophe ihren Lauf», erklärt Reto Eberhard (44). Der Luzerner Arzt ist Anfang Dezember von einem vierwöchigen Einsatz für das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) in Madagaskar zurückgekehrt.

Die Pest verbinden wir mit einer Krankheit aus dem Mittelalter, die halb Europa hingerafft hat. «Doch die Pest zirkuliert noch immer bei Tieren wie Ratten oder in den USA sogar bei Eichhörnchen», erläutert Eberhard. Wenn beispielsweise die Ratte stirbt, verlassen die Flöhe ihren Wirt und suchen sich einen neuen. Und das kann auch ein Mensch sein.

Dass Reto Eberhard seit vier Jahren Einsätze für das SRK leistet, ist Zufall. Denn der Mediziner wechselte zunächst in den Lehrerberuf und war an der Kanti Reussbühl Geschichts- und Biologielehrer. «Doch mein Wunsch, solche Einsätze zu machen, brachte mich zurück in den Arztberuf», erinnert er sich.

Schlimmste Form von Pest ist zum Glück sehr selten

Seine Einsätze führten Reto Eberhard ins Erdbebengebiet in Nepal, er hat in Griechenland Flüchtlinge betreut und in einem Spital in Tansania tropenmedizinische Erfahrungen gesammelt. Jedes Jahr verlässt er seine Praxis in der Stadt Luzern, um vier Wochen lang in ein Krisengebiet zu reisen. Angst kennt er dabei keine, seine Familie hingegen schon – und diese Angst ist nicht unbegründet. Als er einmal in ein Ebola-Gebiet reisen wollte, legte seine Frau das Veto ein. Drei Tage nach seiner Absage starb der erste Helfer, und Reto Eberhard war im Nachhinein froh, dass seine Frau ihn vom Einsatz abgehalten hatte.

Doch ist die Pest nicht genauso gefährlich wie Ebola? «Wenn die Pest rechtzeitig entdeckt wird, kann sie relativ gut mit Antibiotika behandelt werden», sagt Eberhard. An der Beulenpest, die am häufigsten vorkommt, sterbe etwa die Hälfte der Betroffenen. «Besonders ansteckend ist diese Form von Pest allerdings nicht, erst wenn die Beulen aufplatzen, sind diese Erkrankten infektiös», sagt der Arzt. Selten könne sich aber aus einer Blutvergiftung eine Lungenpest entwickeln. «Doch selbst vor dieser hoch ansteckenden und beinahe zu 100 Prozent tödlichen Erkrankung kann man sich durch Schutzkleidung sowie einem Sicherheitsabstand von zwei Metern gegenüber dem Patienten schützen.» In Madagaskar ist die Pest endemisch: In der Regenzeit treten immer wieder einzelne Fälle von Beulenpest auf. Es kam aber seit vielen Jahren nie mehr zu einer Lungenpest. Allgemein tritt die Pest meist in Ländern mit schlechten hygienischen Verhältnissen und schlechtem Gesundheitssystem auf. Oft fehlt es auch am nötigen Wissen: «Die lokalen Heiler massieren die Pestbeulen oder saugen sie aus, was natürlich sehr gefährlich ist.»

Ein Ziel des SRK ist demnach nicht nur die Katastrophenhilfe, sondern auch der Aufbau von Infrastruktur und Wissen in einer Region. Um eine Pestepidemie zu verhindern, muss eine Ansteckung aber nicht nur schnell erkannt werden. «Die Betroffenen müssen isoliert werden, und alle, die mit ihnen in Kontakt getreten sind, sollten vorbeugend Antibiotika erhalten», betont Reto Eberhard.

Bei einer Anfrage muss es schnell gehen

Wenn Reto Eberhard für einen Einsatz angefragt wird, muss es manchmal schnell gehen. Schon drei Tage nach der Anfrage reiste er nach Madagaskar. «Das geht nur, weil meine Familie und meine Kollegen hier in der Praxis so flexibel sind und mich unterstützen», sagt der 44-Jährige. Vor Ort ist die Arbeit sehr intensiv. In den vier Wochen in Madagaskar nahm er sich nur anderthalb Tage frei. «Aber es gibt so viel Neues, es ist so eine aufregende und erfüllende Zeit, da komme ich mit wenig Schlaf aus», meint er schmunzelnd. Per Internet und Handy kann er während des Einsatzes einfach mit seiner Frau und seinen Kindern (14 und 15) in Kontakt bleiben. Und die Kinder geben jeweils Plüschtiere mit, mit denen sie einst gespielt haben und die ihr Vater dann an die dortigen Kinder verteilen kann: «Es freut sie sehr, wenn sie sehen, wie glücklich die kleinen Kinder mit den Geschenken sind.»

Natalie Ehrenzweig

stadt@luzernerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.