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Interview

Singende Schwedin: Madelaine Wibom erhält den Kulturpreis Horw

Die schwedische Sängerin Madelaine Wibom (47) erhält den Horwer Kulturpreis. Sie erzählt, wie sie vom Luzerner Theater geprägt wurde – und weshalb sie jetzt als Mutter von kleinen Kindern andere Prioritäten setzt.
Roman Kühne
Hier hat sie 13 Jahre lang gewirkt: Opernsängerin Madelaine Wibom im Foyer des Luzerner Theaters. (Bild: Dominik Wunderli, 26. November 2018)

Hier hat sie 13 Jahre lang gewirkt: Opernsängerin Madelaine Wibom im Foyer des Luzerner Theaters. (Bild: Dominik Wunderli, 26. November 2018)

Madelaine Wibom, was bedeutet Ihnen die Auszeichnung der Gemeinde Horw?

Es ist vor allem eine riesige Überraschung. Man bewirbt sich ja nicht. Und eines Abends standen Vertreter des Kulturkommission vor der Türe mit einer Flasche Champagner und mit Blumen. Wenn ich jetzt am Joggen oder beim Einkaufen bin, kommen viele Leute auf mich zu und gratulieren mir. Auch vom Luzerner Theater haben sie mich beglückwünscht.

Am Luzerner Theater haben Sie lange und viel gesungen.

Ich war 13 Jahre im Ensemble tätig. Dies ist eine aussergewöhnlich lange Zeit. Ich habe drei Intendanzen erlebt. Dies war für mich natürlich eine extrem prägende Epoche. Ich kam direkt vom Opernstudium in Stockholm nach Luzern. Damals hätte ich nicht gedacht, dass dies meine neue Heimat wird. Aber nun sind es genau 20 Jahre.

Sie haben so vieles gesungen, die Susanne in «Le Nozze di Figaro» oder Rosalinde in der «Fledermaus». Hatten Sie eine Lieblingsrolle?

Oh, da gab es viele. Oft war das, was wir gerade gesungen haben, mein Favorit. Wenn man in der Oper spielt, muss man sich sehr stark mit der Rolle identifizieren. Da passiert es schnell, dass man diese Person, diese Musik besonders mag. Aussergewöhnlich war sicher die Titelrolle in Donizettis «Anna Bolena», eine Frau, die mir sehr ans Herzen gewachsen ist. Ausserordentlich gerne sang ich auch die «Donna Elvira» aus «Don Giovanni». Die Operetten fand ich ebenfalls immer sehr spannend. Ach, es gibt so viel tolle Musik.

Jetzt sind Sie aber schon länger nicht mehr im Luzerner Theater aufgetreten.

Die letzte Rolle war die Lady Billows in «Albert Hering» von Benjamin Britten vor drei Jahren. Während der Theaterintendanz von Dominique Mentha wurde der Vertrag von allen Mitgliedern, die länger als drei Jahre im Gesangsensemble waren, nicht mehr verlängert. Das Leitungsteam wollte wohl mit neuen Leuten arbeiten. Dies war zwar sehr schade, ist im Opernbusiness jedoch normal.

Sie wurden vom Publikum geliebt. War es ein Abgang mit Schmerzen?

Man darf sein Glück nicht an einem Theater festmachen. Ich fühle mich heute noch dem Luzerner Theater sehr verbunden. Es gibt immer noch viele Freunde im Haus und bin einfach dankbar für die tolle Zeit, die ich hier hatte. Und klar, falls sich was ergibt, werde ich gerne wieder hier singen.

Ein anderes Haus kam für Sie nicht in Frage?

Da ich kleine Kinder habe, war es für mich klar, dass ich in Luzern bleibe.

«Meine Familie kommt für mich zuerst. Ich könnte nicht nur für den Beruf leben, so schön wie er auch ist.

Und ich hatte ja viele Jahre, wo ich meine künstlerische Seite zu 100 Prozent ausleben konnte. Wäre ich an einem anderen Haus, hätte ich fast nie das Mittagessen kochen oder die Kinder ins Bett bringen können. Die Kinder nah begleiten zu können, vor allem in jungen Jahren, ist ein absolutes Privileg.

Sie sind aber immer noch sehr aktiv. Gerade kürzlich sangen sie wieder im KKL.

Sie meinen die Einweihung des neuen Konzertflügels. Solche Auftritte mache ich immer noch gerne. Aber mein Schwerpunkt hat sich mehr in Richtung Unterrichten verlagert. Ich pflege etwa beim Chor Molto Cantabile die Stimmbildung und habe momentan über 20 Schüler vom Chor im Privatunterricht. Bei den eigenen Auftritten sind es jetzt mehr Konzerte, Liederabende, Messen, Firmenanlässe und Geburtstage. Jedes Jahr ein etwas grösseres Projekt ist die «Walpurgisnacht», die ich zusammen mit meinem Mann, Aaron Tschalèr ,der ebenfalls Musiker ist, gestalte.

Eine Art Hexensabbat?

Nein, überhaupt nicht. Wir feiern das Frühlingserwachen, die Vertreibung des Winters. Es ist eher eine Wanderung vom Spirituellen hin zu einem Fest. Der erste Teil findet in der Pfarrkirche St. Katharina in Horw statt. Für den zweiten Teil gehen wir zu Fuss zum Hof Längacher. Dort gibt es dann Lieder und Geschichten um das Frühlingsfeuer, dazu Speis und Trank und gemütliches Zusammensein. An Weihnachten und im Sommer singe ich auch viel in Schweden. Aber es ist schon so, dass ich in Luzern bekannter bin.

Was sind Wurzeln und Geheimnis Ihres Gesangs?

In Schweden habe ich, seit ich 8 Jahre alte bin, immer am 24. Dezember in der Kirche von Saltsjöbaden gesungen. Die ist an Weihnachten gerammelt voll. Schweden ist überhaupt ein richtiges Chorland. Viele absolvieren auch eine professionelle Ausbildung. Fast auf jeder Opernbühne der Welt gibt es schwedische Sänger. Dies war sicher ein zündender Funke. Aber ich glaube, ich singe, weil es für mich der leichteste Weg ist, die Leute zu erreichen. Man merkt es mir hoffentlich an, dass ich gerne und nicht unbedingt für mich singe. Die Zuschauer haben mir 2007 den Publikumspreis im Luzerner Theater verliehen. Ein wohl starkes Zeichen, dass es mir gelingt, die Menschen zu berühren. Wenn ich eine Rolle gestalte, überlege ich nicht, wie ich aussehe und fast nicht, wie ich singe. Sondern ich versuche da zu sein.

Die Preisverleihung findet am Neujahrsapéro der Gemeinde Horw statt (1. Januar, 17 Uhr Horwerhalle). Neben Madelaine Wibom wird auch der Skiclub Horw geehrt. Er erhält einen Förderpreis für ein Buchprojekt.

Mehr Informationen auf www.wibom.ch

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