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MÄÄS: Marktfahrer wollen Inseli ohne Theater

Für die Lozärner Määs ist das Inseli der ideale Standort. Gegen ein neues Theatergebäude dort würden sich die Marktfahrer zur Wehr setzen.
«Ein Wegzug auf die Allmend wäre der Tod der Määs», Josef Moser, Vorstand IG Herbstmesse Luzern. (Bild: Neue LZ)

«Ein Wegzug auf die Allmend wäre der Tod der Määs», Josef Moser, Vorstand IG Herbstmesse Luzern. (Bild: Neue LZ)

Diesen Samstag ist es wieder so weit. Die Luzerner Herbstmesse, von der Bevölkerung liebevoll Määs genannt, startet. Der zweiwöchige Anlass findet wie gewohnt auf dem Inseli statt. Auf der von einem Kiesweg umgebenen Grünfläche vorne am See stellen rund 90 Händler ihre Verkaufsstände auf. Auf dem Carparkplatz davor kommt der Lunapark zu stehen, mit seinen Chilbi-Attraktionen.

Die diesjährige Määs wird wie gewohnt ablaufen: Heisse Marroni, gebrannte Mandeln, allerlei Handelsware sowie Putschiauto und Co. werden wieder viel Publikum erfreuen. 400 000 Besucher erwarten die Organisatoren dieses Jahr, ein neues Rekordergebnis, nicht zuletzt dank dem spektakulären «Swiss Tower», auf dem Kunden 60 Meter in freiem Fall in die Tiefe stürzen können (Ausgabe vom 26. September).

Ein Schatten lastet über der Määs

Trotz schöner Perspektiven – ein Schatten lastet mittelfristig auf der Määs. Er heisst Salle Modulable. Dabei handelt es sich um das geplante neue Theatergebäude, das zu einem grossen Teil mit Geldern aus der Donation des 2010 verstorbenen Mäzens Christof Engelhorn realisiert werden soll. Einer der offiziell noch im Rennen verbliebenen möglichen Standorte für die Salle Modulable ist der Inseli-Carparkplatz.

Was es für die Määs bedeuten würde, sollte die «Salle» tatsächlich dort gebaut werden – dazu halten sich die Määs-Verantwortlichen zurzeit bedeckt. «Wir möchten nicht, dass dies die Freude an der diesjährigen Määs trübt», sagt Aerny Bucher, Präsident der Interessengemeinschaft Luzerner Herbstmessen und Märkte, auf Anfrage unserer Zeitung. «Das Vorhaben Salle Modulable ist selbstverständlich jeweils an unseren Vorstandssitzungen thematisiert», fügt er an. Der Vorstand habe indessen beschlossen, diesbezüglich in der Öffentlichkeit nicht zu kommunizieren, «zumal der Expertenbericht zur Standortfrage noch nicht bekannt ist und auch von offizieller Seite, etwa vom Stadtrat, noch keine Stellungnahmen existieren».

Offiziell drei Standorte möglich

Offiziell gibt es noch drei mögliche Standorte für die Salle Modulable – neben dem Inseli-Carparkplatz, der heutige Theaterplatz sowie der Schotterplatz vor dem Alpenquai-Motorboothafen. Sie werden zurzeit von der Firma Ernst Basler und Partner im Auftrag der Stadt Luzern abgeklärt. Spätestens Ende Jahr soll eine Standortempfehlung vorliegen. Interessant ist: Der frühere kantonale Luzerner Denkmalpfleger André Meyer schlug vor kurzem in unserer Zeitung exklusiv zusätzlich den Bootshafen am Südende des Inselis als Standort vor (Ausgabe vom 31. August) – eine Idee, die schon vor Jahren diskutiert und damals verworfen worden war.

Määs breitete sich zum KKL aus

Sollte das neue Theatergebäude tatsächlich auf dem Inseli-Parkplatz gebaut werden, könnte die Määs dort nicht mehr stattfinden. Es gäbe schlicht keinen Platz mehr für einen derartigen Gross-Event. Wie wäre es aber mit einer weiteren Verlagerung Richtung KKL? Die Määs beansprucht schon heute viel Raum auf dem Europlatz, bis hin zum alten Bahnhof-Torbogen. «Ursprünglich war der Europaplatz heilig», sagt dazu Aerny Bucher: «KKL-Architekt Jean Nouvel wollte dort überhaupt keine Veranstaltungen.» Das habe sich mit den diversen KKL-Direktionswechseln geändert. In den letzten Jahren weitete sich die Määs immer weiter Richtung KKL aus. «Weitere Entwicklungsmöglichkeiten gibt es dort aber nicht mehr», betont Bucher.

Heutiger Standort «ideal»

Wohin also mit der Määs, falls sich die Standortvariante Inseli-Carparkplatz für die Salle Modulable durchsetzen sollte? Aerny Bucher gibt eine sibyllinische Antwort: «Es ist sicher, dass sich unser Vorstand falls notwendig zum gegebenen Zeitpunkt in Szene setzen wird – im Sinne unserer Statuten.» Ein entsprechender Auftrag laute: «Wahrnehmung der Interessen des Markt­wesens in der Stadt Luzern durch Sicherung von optimalen Rahmenbedingungen und attraktiven Standorten für die Märkte und die Luzerner Herbstmesse im Stadtzentrum.» Konkreter wird Bucher nicht. Immerhin, er betont: «Der Standort Inseli ist für die Määs ideal. Es ist der schweizweit geeignetste Platz für eine solche Messe. Alles ist kompakt an einem Ort vereint, mit einem Ausgang und einem Eingang. Zudem ist der Platz dank unmittelbarer Nähe des Bahnhofs auch verkehrsmässig bestens erschlossen.»

Bucher verweist auf eine Besucherumfrage, welche das Institut Link im Jahr 2005 an der Luzerner Herbstmesse durchführte. «Mehr als 95 Prozent der Befragten bezeichneten den Määs-Standort Inseli damals als ‹sehr ideal›», betont Bucher.

Schausteller bereit für Kampagne

Bis die Salle Modulable steht, vergehen noch einige Jahre. Bis dahin bleibt die Määs auf jeden Fall an ihrem «idealen Standort» Inseli. Wäre ein Wegzug überhaupt möglich? Auf die Allmend etwa? Für Josef Moser-Bolfing, Vertreter der Schausteller im Vorstand der IG Luzerner Herbstmesse, ist dies undenkbar. «Die Schausteller und Markthändler würden den Standort Inseli-Parkplatz für die Salle Modulable bekämpfen», betont er, «wie wir das schon damals taten, als das KKL zuerst ebenfalls näher beim Inseli geplant war.» Für eine allfällige Kampagne würden bereits jetzt vorsorglich Gelder zur Seite gestellt. Für Moser-Bolfing ist klar: «Ein Wegzug auf die Allmend wäre der Tod der Määs.» Die Lage wäre viel zu abgelegen, der direkte Bezug zur Stadt würde fehlen.

Stadt: «Kein Plan B»

Sind die Verantwortlichen von Stadt und Kanton Luzern für das Projekt Neue Theater-Infrastruktur in Sachen Inseli-Standort überhaupt schon auf die Määs-Verantwortlichen zugegangen? «Nein», sagt Aerny Bucher, ohne dies zu kommentieren. Sozusagen eine Vermittlerposition zwischen Määs und Stadt hat Erich Felber. Er ist als Projektleiter in der städtischen Abteilung Stadtraum und Veranstaltungen mitverantwortlich für die Durchführung der Määs. Auch er betont: «Der jetzige Standort der Määs ist ideal.» Hat man sich bei der Stadt schon Gedanken über eine mögliche Alternative gemacht? «Es gibt keinen Plan B», sagt dazu Erich Felber.

Hugo Bischof

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