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Männerchor Kriens: Eine klangvolle Geschichte geht zu Ende

Immer mehr Männerchöre geben auf – es fehlt der Nachwuchs. Nach 169 Jahren verstummt der Männerchor Kriens. Neben den Sängern geht dem Verein auch noch das Geld aus.
Monika van de Giessen
Der Männerchor Kriens bei einer Probe für ihr letztes Konzert. (Bild: Boris Bürgisser (Kriens, 7. Mai 2018))

Der Männerchor Kriens bei einer Probe für ihr letztes Konzert. (Bild: Boris Bürgisser (Kriens, 7. Mai 2018))

Viele klassische Männerchöre leiden an Überalterung und fehlendem Nachwuchs. Nach 169 Jahren hört der Männerchor Kriens am 9. Juni auf. Früher hatte man die Wahl zwischen einem Sportverein, der Feuerwehr oder dem Singen. Der Männerchor Kriens wurde im Jahr 1849 von zehn gesangsfreudigen Männern gegründet. Heute zählt er 23 Mitglieder mit einem Altersdurchschnitt von 77 Jahren. Das jüngste Mitglied wird 60, das älteste ist 88 Jahre alt. Der letzte Neueintritt datiert aus dem Jahr 2010, als ein 67-Jähriger dem Chor beitrat.

«Die Gesellschaft will nur noch konsumieren. Sie geht daran zugrunde.»

Der Sängernachwuchs ist das eine, die Finanzen das andere. Neben den Sängern, geht den Kriensern auch noch das Geld aus. «Ende September ist Schluss. Bis dann ist auch kein Geld mehr in der Kasse. Die Vereinsfahne wird auf der Einwohnergemeinde deponiert», erklärt Beat Felber, seit 2005 Präsident des Männerchor Kriens. «Im Moment singen wir noch gut. Wir möchten, dass wir den Konzertbesuchern so in Erinnerung bleiben», sagt Felber. Dieser Aussage kann man nur beipflichten. Denn wer dem Männerchor Kriens bei einer seiner letzten Proben zugehört hat, kann sich kaum vorstellen, dass es diesen Verein nicht mehr geben soll. Der Männerchor ist musikalisch gut aufgestellt. Die 23 Stimmen klingen harmonisch, ausgewogen, kräftig und in der Diktion einwandfrei.

Dies ist vor allem ein Verdienst des Dirigenten, dem Kantor und Kirchenmusiker Peter Aregger aus Luzern, der während der Gesangsprobe präzise Einsätze gibt, bestimmt, aber stets höflich auf diverse Ungereimtheiten aufmerksam macht. Worte wie «dass mir keiner umfällt, vergisst bitte nicht, zwischendurch zu schnaufen», «probiert den Ton schön ‹z‘lüpfe›», «singt auf leichten Sohlen beim ‹Capri-Fischer›» und andere mehr fallen an diesem Abend in der Turnhalle des Kirchbühl-Schulhauses.

«Mit Anstand zu Ende führen»

Haben die 23 Männer aus Kriens den Anschluss an die Moderne verpasst? Nein. Ganz im Gegenteil: Sie singen traditionelle, klassische und geistliche Lieder und decken damit ein breites Publikumssegment ab. Trotzdem kommen sie nicht darum herum, den Verein aufzulösen. «Wir möchten einen Abschluss in Ehren und das Ganze mit Anstand zu Ende führen», betont Beat Felber. Natürlich stecke ein wenig Wehmut dahinter, wenn am 9. Juni, nach 169 Jahren, das letzte Konzert über die Bühne geht.

Der Männerchor Kriens anno 1917. (Bild: PD)

Der Männerchor Kriens anno 1917. (Bild: PD)

Der Männerchor Kriens hat glorreiche Zeiten hinter sich. Im Jahr 1912 zählte der Verein 120 Mitglieder. Viele der Sänger arbeiteten damals bei der Maschinenfabrik Bell & Cie und konnten wegen der starken Arbeitsbelastung nicht immer den Proben beiwohnen. In einem Protokoll aus dem Jahr 1912 hielt der damalige Aktuar, Gebhard Winter fest, dass die Mitgliederzahl des Männerchors unter dem stetigen Arbeiterwechsel in der Maschinenfabrik Bell & Cie leide. Auch die «traurigen Lohnverhältnisse» hätten dazu geführt, dass die Leute abwanderten und dem Männerchor nicht mehr zur Verfügung standen. Der ständige Personalwechsel habe das Stimmenverhältnis stark beeinträchtigt. «Zudem sind einige ältere Mitglieder ein Hemmschuh für den Verein», schreibt der damalige Aktuar ganz unverblümt.

Vereine haben eine wichtige Funktion

Doch, weshalb geht gewissen Männerchören der Nachwuchs aus? «Heute besteht ein Überangebot bezüglich Freizeitgestaltung. Die Gesellschaft will nur noch konsumieren. Sie geht daran zugrunde», stellt Präsident Beat Felber kritisch fest. Dabei hätten die Vereine doch auch eine wichtige Funktion – die des sozialen Zusammenhalts. Eine Fusion mit einem anderen Männerchor sei keine Option, denn die meisten Männerchöre hätten das gleiche Problem, so Felber. Auf die Frage, ob es denn in 20 oder 30 Jahren die klassischen Männerchöre noch gibt, antwortet der Präsident: «In der altherkömmlichen Form eher nicht.» Dirigent Peter Aregger glaubt indes, dass es in Dörfern noch funktionieren könnte und sagt: «Je mehr Stadt, je mehr Agglo, desto mehr sehe ich schwarz.»

Der Männerchor am Sängerfest 1955 in Nyon. (Bild: PD)

Der Männerchor am Sängerfest 1955 in Nyon. (Bild: PD)

Vorerst steht nun das letzte Konzert des Männerchors Kriens auf dem Programm. Das Abschiedskonzert vom 9. Juni ist eine musikalische Weltreise und steht und unter dem Motto: «Ein Lied geht um die Welt». Zu hören sind neben vielen weiteren Hits Ohrwürmer wie «Sierra madre del Sur», «El condor pasa», «Griechischer Wein», «Des Sommers letzte Rose», «Amigos para siempre» oder «Capri Fischer».

Abschiedskonzert am Samstag, 9. Juni, 20 Uhr, Zentrum Bruder Klaus, Kriens.
Eintritt 25 Franken, Vorverkauf Mode Marco, Telefon 041 320 53 68.

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