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MÄZENE: Der Kanton spart – Private springen ein

In Zeiten klammer Staatsfinanzen ist privates Engagement in Luzern gefragter denn je. Ein neuer Verein versucht Wohlhabende und Unternehmen in die Pflicht zu nehmen – und hat bereits erste Erfolge vorzuweisen.
Hugo Bischof
Auch das Luzerner Sinfonieorchester (hier bei einem Protestkonzert auf der Rathaustreppe) muss sparen – und kann gleichzeitig auf grosszügige Mäzene zählen. (Bild: Roger Zbinden (Luzern, 22. Oktober 2016))

Auch das Luzerner Sinfonieorchester (hier bei einem Protestkonzert auf der Rathaustreppe) muss sparen – und kann gleichzeitig auf grosszügige Mäzene zählen. (Bild: Roger Zbinden (Luzern, 22. Oktober 2016))

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Eine Stiftung der Krankenkasse Concordia stellt satte 2 Millionen Franken zur Verfügung, um dem Kanton Prämienverbilligungen zahlreicher Kunden zurückzuzahlen. Das Luzerner Sinfonie­orchester baut beim Südpol ein weitgehend privat finanziertes Probenhaus; 5 der für den Bau benötigten 8 Millionen Franken sind schon zugesichert. Diese zwei Nachrichten aus der gestrigen Ausgabe lassen aufhorchen. Ist angesichts klammer öffentlicher Kassen nun immer mehr privates Mäzenatentum gefragt?

Ein Schritt in die gleiche Richtung bedeutet nun auch die Gründung einer neuen Organisation: Der Verein zur Förderung der freien Kultur (FFK) wird derzeit von Bruno Affentranger und Angel Gonzalo aufgebaut. Die zwei Verleger der Zeitschrift «Stadtsicht Luzern» zeichnen ein dramatisches Bild: «Ohne Geld geht die freie Kulturszene kaputt. Die Not ist gross», schreiben sie in der jüngsten Ausgabe ihres Magazins.

Wirtschaft soll Teil des Gewinns zurückgeben

Mit dem Verein FFK sprechen sie Menschen und Firmen an, die von der kantonalen Tiefsteuerstrategie profitieren. Sie sind aufgerufen, einen Teil der gesparten Gelder in den Vereinstopf ein­zuzahlen. So sollen jährlich 400 000 Franken zusammenkommen. Diese werden der kantonalen Kulturförderungskommission zur Verfügung gestellt – «ohne jeglichen administrativen Aufwand», so Affentranger. Damit könne die Hälfte der jähr­lichen kantonalen Kultur-Sparmassnahmen von 800 000 Franken aufgefangen werden.

«Wir begrüssen diese private Initiative grundsätzlich», sagt Urs Bugmann, Präsident der IG Kultur: «Vor allem in der heutigen Situation ist es richtig, dass Wirtschaftsleute, die von der Steuerstrategie des Kantons profitieren, einen Teil ihres Gewinns zurückgeben.» Das Ganze sei aber auch problematisch: «In der Politik gibt es den Ruf: ‹Jene, die Kultur wollen, können sich diese leisten.›» Dagegen wehrt sich Bugmann: «Die privaten Bemühungen dürfen nicht dazu führen, dass sich der Staat aus der Verantwortung schleicht.» Sperrige, nicht leicht verdauliche Kultur habe es schwerer, private Mäzene zu finden «als die Kunst, mit der man sich präsentieren und in der man sich sonnen kann, etwa die klassische Musik».

Kulturförderung bleibt staatliche Aufgabe

Auch für Affentranger ist klar: «Kulturförderung ist und bleibt eine gesetzliche Aufgabe des Staats.» Seine Aktion ist deshalb zeitlich befristet – bis der Kanton sein Kulturbudget wieder auf­stocken kann. Affentranger geht davon aus, dass die avisierten 400 000 Franken Ende Jahr zusammen sind: «110 000 Franken sind bereits fest zugesichert.»

Auch Regierungsrat Reto Wyss begrüsst als Vorsteher des Bildungs- und Kulturdepartements «die Bemühungen des Vereins, einen Teil der Sparmassnahmen abzufedern, sehr. In Luzern besteht ja eine lange Tradition, dass Kultur von Privaten unterstützt oder initiiert wird. Das ist ein bewährtes Modell.» Das zeige sich gerade auch wieder am Beispiel des neuen Probenhauses für das Luzerner Sinfonieorchester. Dass eine solche Unterstützungsaktion für das freie Kulturschaffen keine Daueraufgabe des Vereins FFK sein kann, weiss aber auch Regierungsrat Wyss. Er betont: «Der Kanton Luzern will sich nicht aus der Kulturförderung verabschieden.» Wann der Kanton sein Kulturförderungsbudget wieder aufstocken wird, kann Wyss noch nicht sagen: «Wir sind aktuell am Finalisieren des Aufgaben- und Finanzplans 2018 bis 2021.»

Vom Luzerner KKL bis zum Krienser Kleinfeld

Privates Mäzenatentum ist in Luzern tatsächlich fest verankert: Zum Bau des KKL trugen private Donatoren über 70 Millionen Franken bei. Auch die Swisspor-Arena ist ein gelungenes Public-Private-Partnership-Projekt. Private Kulturförderung gibt es auch auf anderer Ebene. Der Theaterclub Luzern unterstützt seit Jahren Produktionen des Luzerner Theaters und des Kleintheaters Luzern. Diesmal ist es im Lu­zerner Theater «Flow My Tears», ein szenisch-musikalischer Abend mit Musik von John Dowland (Premiere am 2. März 2018). Für diese technisch aufwendige Produktion, für die im Luzerner Theater wieder Skakespeares «Globe»-Bühne aufgebaut wird, will der Theaterclub per Crowd­funding 15 000 Franken sammeln. Startschuss ist diesen Samstag am Theaterclub-Fest im Luzerner Theater.

Damit folgt der Theaterclub einem Trend: Denn Crowdfunding, bei dem eine Vielzahl von Personen (die Crowd) gemeinsam eine Idee, ein Projekt oder ein Unternehmen finanziert, etabliert sich zunehmend als mo­derne Form des Mäzenatentums. Die von der LUKB vor kurzem lancierte Crowdfunding-Plattform wird von Projekt-Initiatoren beinahe überrannt. Jüngstes Beispiel ist der Innenausbau des im Bau befindlichen neuen Sportzentrums Kleinfeld in Kriens. 194 400 Franken will der SC Kriens dafür sammeln. Ein in den grün-weissen SCK-Farben bemalter VBL-Bus wirbt seit kurzem dafür.

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