«Mag der’s gennä» – oder: das pure Gegenteil zur lauten Alltagshektik

Alt Nationalrat Ruedi Lustenberger über eine ohrenbetörende Begegnung in einem Nidwaldner Restaurant. 

Ruedi Lustenberger*
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Ruedi Lustenberger, alt Nationalrat, Romoos.

Ruedi Lustenberger, alt Nationalrat, Romoos.

PD

Das Warten auf den Herrn – oder eben Advent – ist bald vorbei. Die Sehnsucht nach dem Christkind wird versüsst durch Weihnachtsessen aller Art. Von so einem Anlass handelt diese Geschichte.

Eine gute Dutzendschaft alter Weggefährten ist zu Gast in einem mir bis anhin nicht bekannten Restaurant in Nidwalden. Die Bewirtung aus Küche und Keller verdient das Prädikat «vorzüglich». Und die altehrwürdige Stube verleiht dem Anlass ein wohliges Ambiente. An der Wand – eingemittet zwischen Fenstern – thront ein mächtiges, prächtiges Guggerzytli. Mehr Dekoration als Zweck. Und gleichwohl, der greise Kuckuck ruft noch genauso präzis wie vor gut hundert Jahren, als er hinter dem Türchen sein Zuhause fand.

Kaum hat er die nächste Viertelstunde angesagt, erscheint eine zierliche junge Frau, ausgestattet mit einer Gitarre. Im reinsten Nidwaldnerdialekt – selbst mein verwöhntes Entlebucher Ohr empfindet’s fast mehr als Melodie denn als Sprache – stellt sie sich und ihr erstes Lied vor. «Mag der’s gennä», komponiert vom Lokalhistoriker Walter Käslin. Was darauf folgt, ist ein bunter musikalischer Strauss, vom selber komponierten Mundartlied bis Gospel. Die feine Stimme vereint mit dezentem Saitenklang. Harmonie in Reinkultur. Advent und Weihnacht eben. Das pure Gegenteil zur lauten Alltagshektik.

Am Schluss, als Zugabe, die Nidwaldner Hymne: «Zwische See und heche Bärge liid, vom Herrgott anegleid, ganz versteckt e Fläcke Ärde, gfindsch kei schenre wiit und breit.» Liebe Nidwaldner: «Mag eych’s gennä» – euer schönes Land und Rita Barmettler, die junge Liedermacherin.

*Hinweis: Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redaktoren der Luzerner Zeitung zu einem frei gewählten Thema.

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