MAIHOFSTRASSE: Mutiger Feuerwehrmann rettet Diplomarbeit

Der Grossbrand vom Samstag hat einen grossen Schaden verursacht. Doch im Unglück es gibt auch kleine Erfolgsmeldungen.

Hugo Bischof
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Thomas Merz (rechts) und Silvan Helfenstein gestern in ihrer völlig ausgebrannten Dachwohnung an der Maihofstrasse 66. (Bild Pius Amrein)

Thomas Merz (rechts) und Silvan Helfenstein gestern in ihrer völlig ausgebrannten Dachwohnung an der Maihofstrasse 66. (Bild Pius Amrein)

Noch immer liegen Reste von Brandgeruch über dem Maihofquartier. An der Maihofstrasse 66 und 68, wo am Samstag morgen ein Dachstockbrand wütete (siehe Sonntagausgabe), besichtigten gestern Hausbesitzer und Vertreter der kantonalen Gebäudeversicherung den Schaden. Ein Augenschein im Inneren zeigt: Die Dachwohnungen in den beiden unmittelbar aneinander angebauten Gebäuden sind vollständig ausgebrannt. Auch die Wohnungen in den unteren Stockwerken sind durch Rauch und Wasser stark geschädigt.

«Die Brandursache ist noch nicht definitiv ermittelt», sagte Simon Kopp, Mediensprecher der Strafuntersuchungsbehörden, auf Anfrage. Klar ist aber, wo sich der Brandherd befand – im Bereich der Dachwohnung im Gebäude Maihofstrasse 68. Von dort breitete sich der Brand über den Dachstock rasch ins Gebäude Maihofstrasse 66 aus.

Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ
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Um 15 Uhr ist die Feuerwehr immer noch mit einzelnen Brandnestern beschäftigt. (Bild: Leserbild Norbert W. Saul)
Bild: Feuerwehr Stadt Luzern
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Dramatische Momente

Der 26-jährige Silvan Helfenstein und der 25-jährige Thomas Merz sind die beiden Bewohner der Dachwohnung Maihofstrasse 66. Sie erlebten am Samstag um 7 Uhr dramatische Momente. «Ich war am Schlafen und lag zusammen mit meiner Freundin im Bett», erzählt Helfenstein. «Da kam plötzlich Thomy angerannt und rief: ‹Schnell, raus, es brennt›.» Sie hätten sofort alle Fenster geschlossen, denn schon sei Rauch eingedrungen. Dann hätten sie erkannt, dass es nur noch eines gab – möglichst rasch das Haus zu verlassen.

«Im Hinuntergehen weckten wir weitere Bewohner auf», so Merz. «Von unten kamen uns Bewohner der unteren Etagen entgegen, die uns wecken wollten. Dann war auch schon die Feuerwehr da.» Von der Strasse her hätten sie danach mit ansehen müssen, «wie sich das Feuer in unsere Wohnung frass».

Trotz dem Schock: In einem Punkt hatte Helfenstein spezielles Glück. Der 26-Jährige ist Berufsfachlehrer an der Kaufmännischen Berufsschule Luzern. «Auf dem Tisch in meinem Wohnzimmer lag ein Laptop, auf dem meine soeben fertiggestellte Diplomarbeit mit 16 Stunden Filmmaterial gespeichert war», erzählt er. «Ich sagte dies der Feuerwehr.» Daraufhin sei ein Feuerwehrmann mit Atemschutzmaske nochmals in die brennende Wohnung gegangen und habe den Laptop, in ein Kissen gewickelt, nach draussen gerettet.

«Ohne diesen Spezialeinsatz wäre meine ganze Abschlussarbeit verloren gewesen», sagt Helfenstein. Der Laptop sei zwar nicht mehr funktionsfähig. «Aber ein Spezialist kann die Daten nun von der Festplatte herunterladen.»

Viel Lob für Feuerwehreinsatz

Auch Thomas Merz ist voll des Lobs für die Feuerwehrmänner und -frauen: «Wie schnell sie da waren und wie sie sofort die VBL-Fahrleitungen herunterhängten, damit die Löschfahrzeuge in Stellung gebracht werden konnten – das war beeindruckend.» Zudem habe die Feuerwehr alles versucht, um den Wasserschaden in den unteren Wohnungen möglichst gering zu halten.

Thomas Merz (rechts) und Silvan Helfenstein in ihrer völlig ausgebrannten Wohnung an der Maihofstrasse 66. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Thomas Merz (rechts) und Silvan Helfenstein in ihrer völlig ausgebrannten Wohnung an der Maihofstrasse 66. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Wohnungen unbewohnbar

Dennoch: Der Schaden ist gross. «Alle vier Wohnungen in unserem Gebäude sind unbewohnbar», sagen Christian und Matthias Hochstrasser von der Eigentümerschaft der Liegenschaft Maihofstrasse 68. «Die oberste Wohnung muss vollständig neu gebaut werden.» Bis die Wohnungen wieder bezugsbereit seien, werde es sicher acht bis neun Monate dauern. «Wir müssen eine Baueingabe machen», sagt Christian Hochstrasser. Die Bewohner seien gestern informiert worden: «Das Wichtigste ist, dass alle gute Zwischen-Wohnlösungen finden.» Im Nachbargebäude dürfte die Situation ähnlich aussehen. «Die Hauseigentümer helfen den Bewohnern, wie sie nur können», lobt Silvan Helfenstein.

Die genaue Schadensumme könne noch nicht beziffert werden, sagt Ernst Rigert, Schatzungspräsident der Gebäudeversicherung Luzern, der gestern den Brandplatz besichtigte. «Es geht sicher um mehrere hunderttausend Franken.»

24 Bewohner wurden wegen des Brands evakuiert. Zwei Erwachsene und zwei Kinder wurden zur Kontrolle ins Spital gebracht. Drei Feuerwehrleute wurden wegen Rauchvergiftungen und einer Schnittverletzung behandelt, sind aber wieder wohlauf.