Blumen statt Autos: Bei der Mall of Switzerland gibt es keine zusätzlichen Ausweichparkplätze

Die Gemeinde Ebikon heisst die Einsprache des VCS Luzern gut und ordnet die Umwandlung des betreffenden Kiesplatzes in eine Blumenwiese an. Und was sagen die Mall-Verantwortlichen dazu? Sie schweigen.

Roman Hodel
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Der Kiesplatz wird ebenfalls zur Blumenwiese.

Der Kiesplatz wird ebenfalls zur Blumenwiese. 

Bild: René Meier (Ebikon, 4. Mai 2020)

Es ging um ein paar Spitzentage im Jahr – vor Ostern oder Weihnachten beispielsweise. An jenen Tagen reichen die Kapazitäten des Parkhauses der Mall of Switzerland nicht aus. Deshalb wollten die Verantwortlichen auf diesem 35 mal 65 Meter grossen Kiesplatz vor dem Einkaufszentrum 80 zusätzliche Aussenparkplätze erstellen (wir berichteten). Zudem hätte die Mall das Areal als temporäre Verkaufsfläche genutzt.

Bild: René Meier (Ebikon, 4. Mai 2020)

Doch daraus wird nichts: Die Gemeinde Ebikon hat das entsprechende Baugesuch abgelehnt und eine Einsprache des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) gutgeheissen, wie dessen Sektion Luzern am Montag mitteilte.

Die Ablehnung begründet die Gemeinde laut dem Entscheid, der unserer Zeitung vorliegt, wie folgt: «Die Nutzung des Baufelds 5 als Ausweichparkplatz widerspricht sowohl den Bebauungsplanvorschriften als auch dem behördenverbindlichen Gesamtverkehrskonzept Luzern Ost.» Zwar wäre es möglich, bei «ausserordentlichen Verhältnissen» Ausnahmen zu bewilligen, doch in diesem Fall erachte die Gemeinde die Erstellung von temporären Parkplätzen als nicht zwingend erforderlich.

Geklärt ist gemäss der VCS-Mitteilung nun auch, wie viele Parkplätze in der Mall überhaupt bewilligt worden sind: «Nämlich weniger als vom Shoppingcenter angenommen.» Die Mall habe bisher stets behauptet, dass sie Anspruch auf 1828 Parkplätze habe. Dies sei falsch: Bewilligt sind laut Gemeinde Ebikon nur 1760 Parkplätze (davon 159 für die Wohnüberbauung). Und so viele seien auch erstellt worden.

Dominik Hertach, Geschäftsleiter VCS Luzern, ist erfreut, aber nicht überrascht: «Unter den gegebenen Umständen konnte ich mir schlecht vorstellen, dass die Gemeinde das Baugesuch bewilligt.» Fachlich sei das Nein unbestritten. Trotzdem ist er überzeugt:

«Ohne unsere Einsprache wäre das Gesuch möglicherweise durchgewinkt worden.»

Zumal zuvor bereits das Controllingorgan Fahrtenmodell Mall of Switzerland, dem unter anderem die Rontaler Gemeinden angehören, die Schaffung zusätzlicher Parkplätze zustimmend zur Kenntnis genommen hatte. Hertach: «Der Druck der Mall-Verantwortlichen auf die lokalen Behörden ist sicher da.»

Das habe sich etwa auch bei der umstrittenen Tarifsenkung der Parkgebühren im vergangenen Herbst gezeigt. Diese war von der Gemeinde Ebikon bewilligt worden – im Einklang zwar mit der Mehrheit des Controllingorgans, aber zum Ärger von Kanton und VCS (wir berichteten). Hertach sagt:

«Leider konnten wir uns gegen die Tarifsenkung formal nicht wehren.»

Diese steht laut Hertach nun im Widerspruch zur ablehnenden Haltung der Gemeinde Ebikon bei den Ausweichparkplätzen, wo unter anderem von «restriktiven Parkplatzbewilligungen» die Rede ist. Für ihn bedeutet der jüngste Entscheid denn auch eine Kehrtwende: «Noch im letzten Herbst stimmte Ebikon einer Senkung der Parktarife in der Mall zu, obwohl das den Autoverkehr fördert. Jetzt lehnt Ebikon die Schaffung zusätzlicher Parkplätze ab, weil dies den Autoverkehr fördere.»

Bauvorsteher Hans Peter Bienz (parteilos) schreibt auf Anfrage, dass es im Herbst darum gegangen sei, die Parkgebühren an die Tarife der umliegenden Zentren anzugleichen. Dies, um Wettbewerbsverzerrungen auszuschliessen. Bei den Parkplätzen hingegen habe die rechtliche Situation zur Ablehnung geführt. «Weiter kann und darf sich die Gemeinde inhaltlich nicht zu laufenden Verfahren äussern – der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig», schreibt Bienz und fügt an:

«Dass der VCS mit dem Entscheid der Gemeinde an die Medien tritt, nehmen wir mit etwas Irritation zur Kenntnis.»

Sobald der Entscheid rechtskräftig ist, hat die Mall of Switzerland gemäss Gemeinde maximal vier Monate Zeit, um den Kiesplatz «in eine Blumenwiese zu verwandeln». Sie kann den Entscheid aber auch innerhalb von 20 Tagen vor dem Kantonsgericht anfechten. Ob sie das tun wird, ist offen. Die Verantwortlichen der Mall schweigen. Überhaupt geben sie derzeit keine Auskünfte – egal zu welchem Thema: Sei es am Montag zu diesem Baugesuch oder letzte Woche zu den neuen Ladenöffnungszeiten im Kanton Luzern. Man informiere via Mitteilungen, wenn es aus ihrer Sicht nötig sei, hiess es bei der Medienstelle.

Bild: René Meier (Ebikon, 4. Mai 2020)
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