MALL OF SWITZERLAND: Fahrtenmodell: Ebikoner sind alarmiert

Der Kanton unternimmt nichts gegen den Grenzwertübertritt beim Pilatusmarkt. Nun kommt die Angst auf, dass auch bei der Mall nicht genau hingeschaut wird – und so ein Verkehrschaos entsteht.

Beatrice Vogel
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Wird das Parkhaus der «Mall of Switzerland» arger beansprucht als bisher angenommen? (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ) (Neue Luzerner Zeitung))

Wird das Parkhaus der «Mall of Switzerland» arger beansprucht als bisher angenommen? (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ) (Neue Luzerner Zeitung))

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Beim Pilatusmarkt in Kriens dürfen jährlich nicht mehr als 3 Millionen Ein- und Ausfahrten gezählt werden. Ansonsten kann der Luzerner Regierungsrat reduzierende Massnahmen ergreifen. Doch obwohl die Fahrtenzahl überschritten wird, ergreift der Kanton keine Massnahmen, weil die Leistungsfähigkeit des übergeordneten Verkehrssystems nicht beeinträchtigt sei (Ausgabe vom 25. Februar).

Heutzutage werden bei vielen Überbauungen Fahrtenmodelle vorgeschrieben. So darf auch die Mall of Switzerland in Ebikon 3 Millionen Fahrten pro Jahr nicht überschreiten. Ein Dosiersystem soll dafür sorgen, dass die Beschränkung auch umgesetzt wird.

Doch der Umstand, dass der Kanton beim Pilatusmarkt nicht auf die Einhaltung des Fahrtenmodells pocht, schürt in Ebikon die Angst vor einem Verkehrskollaps. «Es ist beunruhigend, dass sich Grossmärkte an ausgehandelte Kompromisse nicht halten und der Kanton dabei wegsieht», sagt Andreas Feller, Präsident der Grünen, in Bezug auf den Pilatusmarkt. «Der Kanton muss seine Kontrollfunktion wahrnehmen und Konsequenzen ziehen, wenn das Limit überschritten wird», so Feller. Er ist froh, dass der Krienser Grünen-Kantonsrat Michael Töngi bereits einen Vorstoss betreffend Pilatusmarkt angekündigt hat. «Ich hoffe, dass dieser Auswirkungen auf den Umgang mit der Mall haben wird.» Feller geht deshalb davon aus, dass die Abmachungen eingehalten werden. Wenn nicht, «würden wir selbst politisch aktiv werden».

Parteien hoffen auf ÖV-Ausbau

Da die Achse Luzern–Zug–Zürich bereits heute chronisch überlastet ist, blickt auch die GLP der Eröffnung der Mall mit Besorgnis entgegen. Präsident Sandor Horvath: «Wir befürchten, dass das Verkehrsnetz nicht in der Lage sein wird, die prognostizierte Anzahl Fahrten aufzunehmen.» Entscheidend sei deswegen, dass der ÖV mit hoher Taktfrequenz bald bis zur Mall ausgebaut wird und motorisierte Mall-Besucher vollumfänglich auf die Autobahn gelenkt werden. «Die GLP wird die Verkehrsentwicklung beobachten und falls nötig politisch intervenieren», so Horvath.

SVP-Ortsparteipräsident Stefan Bühler sagt auf Anfrage ebenfalls: «Wir würden bei der Gemeinde intervenieren, wenn das Fahrtenmodell nicht eingehalten wird.» Vorausgesetzt natürlich, die Fahrtenzahlen werden nicht beschönigt, fügt er an. Auch bei der FDP fragt man sich, ob die Strassen den zusätzlichen Verkehr werden schlucken können. Präsident René Friedrich hofft, dass sich die Fahrten der Mall und der Berufsverkehr nicht überlagern werden. Für ihn ist aber klar: «Das Fahrtenmodell muss eingehalten werden, das ist im Bebauungsplan so festgehalten und es war auch ein Versprechen an die Bevölkerung.» Über die Konsequenzen bei Nicht-Einhalten müsse man diskutieren.

«Sorgenvoll» blickt die SP Ebikon der Mall entgegen. «Wir haben schon immer auf die drohende Verkehrsüberlastung hingewiesen», sagt Präsident Martin Singer. Nun heisse es abwarten, wie sich der Verkehr tatsächlich entwickelt. Die SP pocht zudem auf eine gute ÖV-Anbindung. Singer: «Es ist schade, dass mit der Verlängerung der Linie 1 nicht vorwärtsgemacht wird.»

CVP-Präsident Othmar Som ist gespannt auf die weitere Entwicklung: «Es wird sich zeigen, ob der geplante ÖV-Ausbau die Situation entschärfen kann, obwohl dieser nicht gleichzeitig mit der Mall-Eröffnung vollständig zur Verfügung stehen wird.» Auch sei nicht zu erwarten, dass der 15-Minuten-Takt der S-Bahn kurz- bis mittelfristig realisiert werden könne. Der Gemeinderat war für eine Stellungnahme ferienhalber nicht erreichbar.

Bei Anwohnern der Mall seien «Verkehrsbedenken weit verbreitet», sagt Markus Aregger, Präsident des Quartiervereins Höfli. Er selbst befürchtet betreffend Verkehr «nicht viel Gutes», findet aber, dass man zuerst die Eröffnung der Mall abwarten muss. Auch weil die Öffnungszeiten am Berufsverkehr vorbeigehen und die Autos direkt vom Autobahnzubringer ins Parkhaus fahren können. «Die Angst vor einem Verkehrskollaps ist omnipräsent», sagt auch Beat Knapp, Vizepräsident des Gewerbevereins Rontal. «Es gibt Unternehmen, bei denen die Mitarbeiter jetzt schon morgens auf dem Weg zum Arbeitseinsatz und abends bei der Rückfahrt lange im Stau stehen, was mit sehr hohen Unkosten verbunden ist.» Ein Beispiel sei die Kaminbaufirma Gabriel Rebsamen mit Sitz in Dierikon. Deren Geschäftsführer Markus Gabriel ist der Ansicht, dass die Mall nicht für weitere Verkehrsstaus verantwortlich gemacht werden kann. «Das Hauptproblem ist die Spur Richtung Perlen. Ohne diese Zufahrt wäre der Autobahnzubringer nie so verstopft.» Gabriel glaubt auch nicht, dass der ÖV-Ausbau die erhoffte Wirkung haben wird.

Mall will sich an das Fahrtenmodell halten

Mall-Sprecher Werner Schaeppi versichert, dass das Fahrtenmodell verbindlich ist und dass man auch ganz klar die Absicht hat, dieses einzuhalten. Weitere Massnahmen, um den ÖV zu fördern, seien in Arbeit. Bereits bekannt ist, dass sich die Mall am ÖV-Ausbau sowie den Betriebskosten finanziell beteiligt (wir berichteten).