Mall of Switzerland generiert in einem Jahr nur halb so viele Autofahrten wie erlaubt

Bloss 1,5 Millionen Fahrten statt wie zugelassen 3 Millionen: Kein Wunder hat die Mall in Ebikon ihre Parktarife gesenkt. Trotzdem stösst dieser Schritt weiterhin auf Kritik – sogar beim Kanton.

Roman Hodel
Hören
Drucken
Teilen
Die Einfahrt zum Mall-Parkhaus.

Die Einfahrt zum Mall-Parkhaus.

(Bild: hor, Ebikon 11. November 2019)

Mit ihrer Parktarif-Senkung im Oktober hat die Mall of Switzerland in ein Wespennest gestochen. Die Kunden freuen sich natürlich über die seither halb so teuren Parkplätze in Ebikon, doch Umweltverbände kritisieren den Schritt (wir berichteten). Inzwischen ist die Tarifsenkung nachträglich amtlich bewilligt worden. Denn das Controllingorgan Mall of Switzerland gab letzte Woche grünes Licht, indem es die Senkung mehrheitlich zustimmend zur Kenntnis nahm. Dem Gremium gehören Vertreter des Kantons, der betroffenen Gemeinden, der Wirtschaftsförderung, des Gemeindeverbands LuzernPlus, der Mall und des VCS Luzern an.

Der VCS hatte an der Sitzung zwar einen Antrag auf Ablehnung gestellt, doch nur die Vertreter des Kantons unterstützten diesen. «Die vom Controllingorgan gutgeheissene Tarifanpassung wurde von unseren Vertretern dort nicht unterstützt, weil sie den Bestrebungen entgegenläuft, den Anteil des ÖV am Gesamtverkehrsaufkommen weiter zu erhöhen», bestätigt Yolanda Deubelbeiss, Sprecherin des Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements, einen Artikel der «Luzerner Nachrichten». Um die Agglomeration vom stetig zunehmenden Verkehr zu entlasten, seien diverse ÖV-Ausbauten vorgesehen – darunter die Verlängerung der Linie 1 bis zur Mall.

Eine ablehnende Empfehlung hätte die Tarifsenkung zwar nicht direkt rückgängig gemacht, aber: Die Gemeinden, die letztlich das Konzept zur Parkplatzbewirtschaftung genehmigen, hätten diese «nicht ohne Not» missachten dürfen, wie es in der Grundsatzvereinbarung so schön heisst. VCS-Geschäftsleiter Dominik Hertach sagt:

«Es ist schade, dass die Gemeinden hier primär im Sinne der Mall und nicht der Bevölkerung entschieden haben – sie ist es, die unter dem Mehrverkehr leiden wird.» 

Nun mögen Befürworter der Tarifsenkung einwerfen, dass die Mall längst nicht so viele Autofahrten generiert, wie sie eigentlich dürfte. Erstmals veröffentlichte Zahlen des Fahrtenmodells zeigen: Zwischen Juli 2018 und Juli 2019 wurden im Mall-Parkhaus total 1,5 Millionen Ein- und Ausfahrten gezählt. Zugelassen wären mit drei Millionen aber doppelt so viele. Hertach sagt dazu: «Das Fahrtenkontingent ist eine Obergrenze, die erreicht werden kann, aber nicht muss.» Ziel sei, dass möglichst viele Besucher mit dem ÖV anreisten. «Die Mall war diesbezüglich bislang ein Vorbild – mit der Tarifsenkung wird dies untergraben.»

Dass sich die Mehrheit des 14-köpfigen Controllingorgans für die zustimmende Kenntnisnahme aussprach, liegt laut Armin Camenzind, Vorsitzender des Controllingorgans und Geschäftsführer von LuzernPlus, vor allem daran, dass die Anzahl Fahrten nur zu 50 Prozent erreicht wurde:

«Der Mehrheit war es zudem wichtig, mit diesem Entscheid einen Schritt Richtung ‹gleich lange Spiesse› zu schaffen.»

Gemeint sind damit die anderen Einkaufszentren, die teils sogar Gratis-Parkplätze anbieten dürfen. Diese zwei Faktoren waren laut dem Ebikoner Gemeinderat Hans Peter Bienz (parteilos) denn auch ausschlaggebend dafür, dass die Exekutiven von Ebikon und Dierikon die Tarifsenkung unterstützten. Der Autoverkehr im Rontal werde in den nächsten Jahren weiter zunehmen – hier seien sich alle Prognosen einig. «Deshalb ist das Gesamtverkehrskonzept LuzernOst für das Rontal von grosser Wichtigkeit», so Bienz. Mit diesem soll die Mobilitätsentwicklung verträglich gesteuert und «das Miteinander der verschiedenen Verkehrsträger» weiterhin ermöglicht werden.

Erwartungsgemäss erfreut über die Zustimmung des Controllingorgans zeigt sich Mall-Centerleiter Peter Triner:

«Da wir uns mit der Senkung innerhalb der behördlichen Auflagen bewegen, überrascht uns der positive Entscheid nicht.»

Laut Triner befinde man sich mitten im Weihnachtsgeschäft und somit in der frequenzstärksten Zeit des Jahres. «Ob ein Teil der zusätzlichen Besucher auf die tieferen Parkgebühren zurückzuführen ist, können wir bis jetzt nicht beurteilen.» Die Mall habe aber viele positive Rückmeldungen erhalten – Triner sagt: «Die neuen Preise werden als vernünftiger und kundenfreundlicher angesehen als zuvor.»

Mehr zum Thema

Mall of Switzerland halbiert Parkgebühren – VCS ist verärgert

Bis drei Stunden Parkieren für zwei statt wie bisher vier Franken: Der VCS Luzern kritisiert die Tarifsenkung der Ebikoner Mall als «offensive Auslegung» der behördlichen Bewilligung, zudem sei es nicht mit den Klimaschutz-Anstrengungen zu vereinbaren.
Roman Hodel