Mall of Switzerland halbiert Parkgebühren – VCS ist verärgert

Bis drei Stunden Parkieren für zwei statt wie bisher vier Franken: Der VCS Luzern kritisiert die Tarifsenkung der Ebikoner Mall als «offensive Auslegung» der behördlichen Bewilligung, zudem sei es nicht mit den Klimaschutz-Anstrengungen zu vereinbaren.

Roman Hodel
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Die Einfahrt zum Mall-Parkhaus. (Bild: hor, Ebikon, 11. November 2019)

Die Einfahrt zum Mall-Parkhaus. (Bild: hor, Ebikon, 11. November 2019)

Parkieren in der Mall of Switzerland kostet nur noch halb so viel – dies verkündete Centerleiter Peter Triner in unserer Zeitung (wir berichteten). Konkret sind es für bis zu drei Stunden Parkieren neu zwei statt wie bisher vier Franken, für drei bis dreieinhalb Stunden neu drei statt fünf Franken und für dreieinhalb bis vier Stunden bezahlt man drei statt sechs Franken.

Gar nicht erfreut über die Tarifsenkung ist der VCS Luzern: «Das fördert den Autoverkehr und steht den Anstrengungen punkto Klimaschutz, also die Leute zum Umsteigen auf den ÖV oder das Velo zu animieren, diametral gegenüber», sagt Geschäftsleiter Dominik Hertach auf Anfrage. Er ärgert sich vor allem darüber, dass die Mall-Verantwortlichen die Änderung vorab nicht der Controllingkommission, die für das Fahrtenmodell der Mall zuständig ist, vorlegten. Diesem Gremium gehören unter anderem der Kanton, Gemeinden und eben auch der VCS an. «Das wäre Pflicht und wir hätten uns sicher gegen die Änderung ausgesprochen», sagt Hertach.

Mit den neuen Tarifen ist das Parkieren für die Kunden in der zweiten und dritten Stunde nun quasi gratis. Denn die zwei Franken Grundgebühr sind Pflicht und entsprechen einer behördlichen Auflage bei der Baubewilligung. Allerdings kann der VCS laut Hertach kaum juristisch gegen die Tarifsenkung vorgehen:

«In der Bewilligung ist schliesslich ein degressiver Parkingtarif festgelegt, also nach der ersten Stunde stufenweise abnehmend. Allerdings erscheint mir diese Vereinbarung mit den Gratisstunden schon sehr offensiv ausgelegt.»

Bislang rühmte sich die Mall stets damit, dass 50 Prozent der Kunden mit dem ÖV, Velo oder zu Fuss kommen. Man sah die im Vergleich zur Konkurrenz hohen Parkingtarife als Lenkungsmassnahme. Dass dem nicht mehr so sei, lässt Centerleiter Peter Triner nicht gelten. Er sagt:

«Nach zwei Jahren Betrieb ist es an der Zeit, die Parkgebühren den Kundenbedürfnissen anzupassen – wir führen regelmässig Befragungen durch und eines der meistgenannten Themen ist die Senkung der Parkgebühren.»

Diese funktionierten nach wie vor als Lenkungsmassnahme mit Blick auf die Konkurrenz, denn andernorts könne kostenlos parkiert werden. Gemeint ist natürlich das Emmen Center. Triner betont, dass die Mall den öffentlichen Verkehr in den nächsten 15 Jahren mit insgesamt neun Millionen Franken unterstützen wird – und zwar in Form von 1,5 Millionen Franken an die Infrastrukturkosten und mit jährlichen Beiträgen von einer halben Million Franken. Zusätzlich fährt die Buslinie 1 ab 15. Dezember bis zur Mall.

Trotzdem dürfte der Autoverkehr wegen der tieferen Parkgebühren zunehmen, das wiederum wird sich auf das Fahrtenmodell auswirken. Drei Millionen Fahrten sind erlaubt, wobei ein Besuch (Ein- und Ausfahrt) als zwei Fahrten zählt. Gemäss Triner liegt die Anzahl Fahrten derzeit jedoch weit darunter. Er hält überdies fest, dass die Senkung der Parkgebühren mit den Gemeinden Ebikon und Dierikon abgesprochen sei – das Controllingorgan sei nicht zuständig, so lange man sich im Rahmen der behördlichen Auflagen bewege. Und den Vorwurf des VCS, die Mall habe bei den neuen Tarifen eine «offensive Auslegung der Vereinbarung» vorgenommen, weist er entschieden zurück: «Die neuen Gebühren liegen innerhalb der geltenden Bestimmungen.»