MALTERS: Das Ende einer Vorzeige-Firma

Einst wurde die Buma AG in Malters mit Preisen ausgezeichnet und galt als Vorzeige- KMU mit Modellcharakter für die ganze Schweiz. Sogar der Gesamtbundesrat war zu Besuch. Jetzt ist der Boiler-Hersteller Konkurs.

Pascal Imbach
Drucken
Teilen
Leer und verlassen: das Buma-Firmengelände in Malters. (Bild Pascal Imbach)

Leer und verlassen: das Buma-Firmengelände in Malters. (Bild Pascal Imbach)

Das grosse Gebäude an der Eistrasse 5, mitten im Industriegebiet von Malters, ist verriegelt. Die Lichter sind aus, die Parkplätze leer – der Betrieb ist eingestellt. Mitbekommen haben das, abgesehen von den Mitarbeitern, den Kunden und Lieferanten sowie Leuten aus dem Dorf – nur wenige. Das Ende einer über 80-jährigen Luzerner Firmengeschichte war ein ziemlich geräuschloses.

«Es wird schwierig, sehr schwierig»

«Am 26. März um 15.30 Uhr habe ich meine Mitarbeiter darüber informiert, dass ich am Folgetag vor Gericht die Bilanz deponieren muss und dass dies das Ende von Buma Malters ist», sagt Firmenchef Harald Beck auf Anfrage. An jener schicksalhaften Mitarbeiterversammlung waren nur noch etwa 20 Personen anwesend. In der Blütezeit des Unternehmens in den 90er-Jahren waren es deutlich über 100, in den letzten Jahren dann stetig weniger. Aus allen Wolken dürften die letzten Mitarbeiter vor lauter Schreck wohl kaum gefallen sein – denn bereits im Februar kündigte Firmenchef Beck an, dass es «schwierig, sehr schwierig» werde, den Betrieb aufrechtzuerhalten. «Ich habe ihnen bereits damals nahegelegt, nach einem neuen Job Ausschau zu halten», sagt Beck. Ursprünglich hoffte er darauf, dass man bis Ende 2014 werde durchhalten und dann «ordentlich stilllegen» können, «weil wir noch mit potenziellen Geldgebern im Gespräch waren». Geld aber floss keines mehr, das Aus war am 27. März mit der Konkurseröffnung besiegelt. Für die Monatslöhne März hat das Geld nicht mehr gereicht. «Das ist leider so», bestätigt Beck. «Es war schon ein Kraftakt, überhaupt noch alle Februarlöhne auszahlen zu können. Wir haben wirklich alles daran gesetzt, den Schaden für die Mitarbeiter so klein wie möglich zu halten, das können Sie mir glauben.» Er selber, so betont Beck, habe mit dem Konkurs der Firma übrigens am allermeisten verloren: «Nämlich alles.»

Ex-Chef Burri 2006 ausgeschieden

Dass Beck mit so viel Herzblut und Engagement bei der Sache war, wie er selber sagt, glauben in Malters jedoch nicht alle. Der Mann, der den Niedergang der Firma Buma wohl so interessiert wie kaum ein anderer mitverfolgt haben dürfte, heisst Hans-Ulrich Burri. Der bald 65-Jährige ist einer breiteren Öffentlichkeit wohl vor allem als Gründer der «Interessengemeinschaft FC Luzern» noch ein Begriff, aus der schliesslich die FC Luzern AG entstand. Burri war deren erster Verwaltungsratspräsident. Vor allem aber war er über 30 Jahre Firmenpatron der Buma AG in Malters – in dritter Generation (der Firmenname Buma ist die Abkürzung für Burri Malters). 2006 ist er aus der eigenen Firma ausgeschieden. Unter Umständen, deren Details Burri nicht in der Öffentlichkeit ausbreiten will. Folgendes aber lässt sich festhalten: Die Firma Buma steckte ab 2005 in Schwierigkeiten. Damals hatte man den grössten und wichtigsten Kunden, eine Firma aus Deutschland, verloren. In der Folge musste Burri rund ein Drittel der Belegschaft entlassen und zusammen mit einer Bank aus der Region Kapitalgeber suchen, welche die entstandene Liquiditätslücke schliessen sollten. Nebst zwei Investoren aus dem Nachbarort Schachen trat eine weitere Person aufs Parkett: Harald Beck. Obwohl die Bilanz und das Unternehmen laut Hans-Ulrich Burri im Mai 2006 saniert waren, kam es in dieser Konstellation zu seinem Abgang – Burri spricht dabei offen von einer «feindlichen Übernahme».

Nicht aus der Branche

Etwas später trennten sich bei der Buma dann auch die Wege der neuen starken Männer: Beck verblieb als einziger im Verwaltungsrat. Über die genauen Hintergründe gibt es verschiedene Aussagen. Fest steht: Der 59-jährige Harald Beck, geboren in Zürich und wohnhaft in Luzern, war fortan Verwaltungsratspräsident, Geschäftsführer und Verkaufsleiter in Personalunion. Ein Kenner der Branche – das gibt er offen zu – war er nicht. «Mit Boiler hatte ich vorher nie etwas zu tun. Konnte ich auch gar nicht, denn Buma war seit Jahren der letzte Boilerhersteller in der Schweiz.» Beck, ein ETH-Abgänger, bezeichnet sich selbst als «Industrie- und KMU-Mann». Ab 1996 wirkte er als Investor, Geschäftsführer und Berater von Firmen «im produzierenden Sektor», wie er sagt. Im Dezember 2001 gründete er die Beck Management und Beteiligungs AG mit Sitz in Baar. Die Firma existiert auch heute noch und bezweckt laut Handelsregistereintrag das «Führen von Beteiligungsgesellschaften im In- und Ausland» und «das Erbringen von Management-Dienstleistungen, insbesondere auf Verwaltungsratsebene sowie im Rahmen von Turnaround-, Restrukturierungs- und Ertragsoptimierungsprojekten». Beck selber sagt: «Ich habe in meiner Laufbahn schon mindestens 30 Firmen vor dem Aus bewahrt. Bei Buma ist mir das leider nicht gelungen, trotz aller Anstrengungen.»

Glanzvolle Vergangenheit

Der ehemalige Patron Hans-Ulrich Burri hält – wenig überraschend – nicht sehr viel vom Sanierer aus Zug. Es sei unschön mitanzusehen gewesen, wie Beck den Betrieb «gegen die Wand gefahren» habe, sagt Burri, der nur einen Steinwurf vom Buma-Areal in Malters entfernt wohnt und den Niedergang seiner einstigen Firma somit buchstäblich mit ansehen konnte, respektive musste. Unter seiner Führung erhielt die Buma 1987 den Anerkennungspreis der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz, galt als Vorzeige-KMU, welches es wie kaum ein zweites in der Region verstand, in einer Nische erfolgreich zu sein, Betriebsabläufe zu optimieren und bei der Produktion immer neue innovative Techniken zum Einsatz zu bringen. Zu Spitzenzeiten produzierte Burri 30 000 Boiler pro Jahr, 70 Prozent gingen ins Ausland. Anfang der 90er-Jahre stattete der Firma sogar der Gesamtbundesrat einen Besuch ab.

Am Preisdruck zerbrochen

Laut Firmenchef Harald Beck ist der einstige Vorzeigebetrieb letztlich am Preisdruck zerbrochen. «Mit der EU-Osterweiterung kamen immer mehr Billighersteller auf den Markt, beispielsweise in Polen und Ungarn», sagt er und führt ein Beispiel an: «Einer unserer grossen Abnehmer drückte den Preis zuerst um 15 Prozent. Dann, nur ein halbes Jahr später, verlangte er nochmals 18 Prozent – dazu kam noch der damals unvorteilhafte Wechselkurs. Da konnten wir schlicht nicht mehr mithalten.» Der Strukturwandel sei in den Jahren seines Wirkens «brutal» gewesen. Wie viel Geld er durch die Firmenpleite verloren hat, verrät er nicht. Eines aber hält er fest – insbesondere an die Adresse von Kritikern aus dem Dorf Malters, die ihn vereinzelt als «Totengräber der Buma» betiteln: «Misserfolg ist in der Schweiz zum Glück nichts Illegales. Ich glaube nicht, dass jemand anderes die Wende mit der Firma geschafft hätte.»