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MALTERS: «Diplom» soll Freiwillige belohnen

Wer sich ehrenamtlich engagiert, erhält von der Gemeinde Malters neu einen Leistungsausweis. Dieser kann etwa bei Stellenbewerbungen hilfreich sein. Beim Gewerbe ist man allerdings skeptisch.
Beatrice Vogel
Einer von über 80 Malterser Vereinen: der Kirchenchor. (Bild: Manuela Jans-Koch (5. November 2015))

Einer von über 80 Malterser Vereinen: der Kirchenchor. (Bild: Manuela Jans-Koch (5. November 2015))

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Die Schweiz ist ein Vereinsland. Seien es Sport- oder Musikvereine, Jubla oder Pfadi – jeder zweite Zentralschweizer ist Aktivmitglied in einem Verein. Und in jedem Verein braucht es Leute, die Vorstandsarbeit, Gruppenleitung oder Eventorganisationen übernehmen. Der Lohn für ehrenamtliche Tätigkeiten ist die Dankbarkeit der Vereinsmitglieder – und oft eine Flasche Wein an der GV.

Ein weiteres Honorar sind Nachweise, die – ähnlich wie Arbeitszeug­nisse – geleistete Einsätze und dabei erworbene Kompetenzen sichtbar machen. So gibt es das schweizweit verbreitete «Dossier freiwillig engagiert» von Benevol, der Fachstelle für Freiwilligenarbeit.

Nun hat die Gemeinde Malters entschieden, ebenfalls einen Leistungsausweis für Freiwillige auszustellen. Jugendkommission und Gemeinderat wollen damit die Freiwilligenarbeit in der Gemeinde wertschätzen. Malters dürfte die bisher einzige Gemeinde sein, die einen solchen Ausweis ausstellt. Doch ist das sinnvoll, wenn es bereits ein schweizweit bekanntes Pendant gibt?

Vom Gemeinderat persönlich unterzeichnet

«Unser Leistungsausweis kommt persönlich daher und wird vom jeweils zuständigen Gemeinderatsmitglied unterzeichnet. Er setzt als Dank für die Freiwilligenarbeit ein besonderes Zeichen», sagt der zuständige Gemeinderat Dani Wyss (FDP). Durch die persönliche Note un­terscheide sich das Zeugnis vom Benevol-Dossier.

Grundsätzlich richtet sich der Malterser Ausweis an Personen jeden Alters, die sich in einem der über 80 Vereine in einer Leitungsposition mindestens ein Jahr engagieren. Sein Nutzen sei besonders für Jugendliche hoch, so Wyss, «da heute bei einer Stellenbewerbung das Engagement in der Freizeit eine höhere Gewichtung einnimmt». Wird der Ausweis auch einen Anreiz schaffen, dass sich mehr Leute freiwillig engagieren? Das wäre wünschenswert, so Wyss. «Primär soll freiwilliges Engagement aber nicht von einem Papier abhängen, sondern von der persönlichen Einstellung.» Der Haken am Mal­terser Ausweis: Ist man nicht in einem Verein tätig, sondern macht zum Beispiel aus Eigen­initiative regelmässig Besuche im Altersheim, geht man leer aus. Anders beim «Dossier freiwillig engagiert». Dort kann jede freiwillige Tätigkeit ausgewiesen und durch eine Unterschrift – etwa von der Heimleitung – bestätigt werden. Karin Bättig, Geschäftsleiterin von Benevol Luzern, findet es in Ordnung, dass die Gemeinde Malters nun einen ähnlichen Ausweis ausstellt. «Hauptsache, die Leute haben etwas in den Händen.» Dennoch fände sie es besser, wenn alle das «Dossier freiwillig engagiert» verwenden würden, weil es bereits allgemein bekannt sei. «Mittlerweile kennen Arbeitgeber das Dossier», so Bättig. Ein wenig anders klingt es auf Arbeitgeberseite: «Ich glaube nicht, dass das Dossier bei allen Arbeitgebern schon etabliert ist», sagt Barbara Aeschlimann, Geschäftsführerin der Zürcher Gesellschaft für Personal-Management, der grössten Fachgesellschaft für Human Resources Manager in der Schweiz. Tatsache sei aber, dass freiwillige Tätigkeiten immer mehr Beachtung finden. «Es ist sehr empfehlenswert, freiwilliges Engagement in einer Bewerbung zu erwähnen, sei es im Lebenslauf oder mit einem Leistungsausweis», so Aeschlimann. Dass eine Gemeinde ein solches Papier ausstelle, könne diesem zusätzliches Gewicht verleihen. Wichtig sei dabei, dass nicht nur ein Diplom ausgestellt, sondern aufgeführt werde, welche Kompetenzen erworben wurden. «Bei freiwilligem Engagement stellt sich auch die Frage des zeitlichen Commitments und der Vereinbarkeit mit dem Beruf.» Deshalb empfiehlt Aeschlimann, jeweils zu erwähnen, wie viel Zeit die Freiwilligenarbeit in Anspruch nimmt und dass sie den Beruf nicht negativ tangiert.

Berufliche Qualifikationen sind wichtiger

Fragt man beim Gewerbeverein Malters nach, erfährt man, dass unter den Gewerbetreibenden solche Leistungsausweise «eher kein Thema» sind. Vereinspräsident Guido Gallati denkt zwar, dass es in kleineren Betrieben Beachtung findet, wenn sich jemand im Dorf engagiert. «Aber gerade in Handwerksbetrieben, die derzeit auf Stellenausschreibungen teils nur wenige Bewerbungen erhalten, dürfte es eher darauf ankommen, ob die Person für den Beruf ausreichend qualifiziert ist. Ausschlaggebend ist ein solcher Leistungsausweis wohl nur, wenn viele gleichwertige Bewerbungen eingehen», so Gallati. Da Vereins­arbeit aber ein wesentlicher Bestandteil unserer Gesellschaft ist, sei es lobenswert, dass man dieser mehr Beachtung schenkt.

www.

Informationen zu den Leistungsausweisen Benevol und Malters: luzernerzeitung.ch/bonus

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