MALTERS: Eine politische Senkrechtstarterin

Seit Anfang September ist Sibylle Boos-Braun Gemeindepräsidentin. Auf sie warten einige politische Brennpunkte. Unter anderem die Erweiterung der Schulanlage Bündmättli.

Sandra Monika Zieglersandra Monika Ziegler
Drucken
Teilen
Sibylle Boos-Braun, fotografiert im Sitzungszimmer des Gemeinderats, ist seit dem 1. September Malterser Gemeindepräsidentin. (Bild Pius Amrein)

Sibylle Boos-Braun, fotografiert im Sitzungszimmer des Gemeinderats, ist seit dem 1. September Malterser Gemeindepräsidentin. (Bild Pius Amrein)

«Mir ist es wichtig, direkt zu erfahren, wo der Schuh beim Einzelnen drückt», sagt Sibylle Boos-Braun. Die 48-Jährige ist seit dem 1. September Gemeindepräsidentin von Malters. Sie ist Nachfolgerin von Ruedi Amrein, der das Amt 18 Jahre innehatte. Boos wurde in stiller Wahl gewählt. Sie gehört, wie auch ihr Vorgänger, der FDP an.

Boos liebt den direkten Kontakt

Wenn sie im Dorf oder auf der Gemeinde spontan angesprochen werde, so nehme sie sich wenn immer möglich die Zeit, um zuzuhören: «Die Menschen erzählen mir dann ihre Anliegen, fragen mich nach Bauprojekten oder auch ganz direkt, wie ich die politische oder finanzielle Lage von Malters einstufe. Da kommt auch schon mal die Frage: ‹Ist Malters jetzt eine Land- oder eine Agglogemeinde?» Für Boos ist es sowohl als auch: «Wir haben rundherum eine wunderbare Natur und sind nur einen Katzensprung von der Stadt entfernt.» Boos fühlt sich natur- und volksverbunden. «Meine Energie hole ich mir aus den Bergen und Wäldern», so die aktive Orientierungsläuferin.

Die Mutter von zwei Teenagern ist eine politische Quereinsteigerin. Im Gemeinderat sass sie bisher nicht. Einzig als Mitglied der Controlling-Kommission schnupperte sie politische Luft. Sie sagt von sich, dass sie konstruktiv und leistungsorientiert sei. Für das Amt der Gemeindepräsidentin, das eigentlich mit einem 45-Prozent-Pensum bedacht ist, investiert sie zurzeit fast 100 Prozent. «Wenn man von aussen kommt, braucht es zu Beginn mehr Zeit für das vertiefte Aktenstudium. Ich bin quasi auf einen fahrenden Zug aufgestiegen, viele Dossiers waren bereits aufgegleist», so Boos. Sie versucht, täglich im Gemeindehaus zu sein. Dort quartiert sie sich im Lesezimmer ein, ein eigenes Büro hat sie – wie ihr Vorgänger – nicht.

Viel Zeit zum Einarbeiten

Ihr Vorgänger, Ruedi Amrein, habe ihr grosse Starthilfe geleistet. Boos: «Da ich Ende März in stiller Wahl gewählt wurde, hatte ich bis zum Amtsantritt genug Zeit, um mich einzuarbeiten. Und im August konnte ich parallel zu Ruedi Amrein arbeiten. Das war sehr hilfreich.»

Zu den politischen Brennpunkten in Malters zählt die FDP-Frau die an­stehenden Generationenprojekte. Dazu gehört die geplante Erweiterung der Schulanlage Bündmättli. «Für die Gemeinde ist das eines der kostenintensivsten und wichtigsten Projekte überhaupt.» Über den für die Erweiterung des Bündmättli notwendigen Baukredit von 16,8 Millionen Franken wird am 30. November abgestimmt. Die neue Gemeindepräsidentin ist zuversichtlich, dass die Vorlage an der Urne angenommen wird.

Eine weitere Baustelle sieht Boos in der geplanten Zentrumsüberbauung. «Hier laufen die Planung und der Diskurs mit den Investoren. Ende März 2015 rechnen wir mit der Baueingabe. Dieses Projekt ist für Malters sehr wichtig, da ein neues Zentrum mit Wohnungen, Büros und Detailhandelsangebot sowie einem grossen Dorfplatz entsteht.»

Boos kennt Herkulesaufgaben

Doch nicht nur die Politik prägt ihr Leben, sondern auch Familie und Sport. Die Familie sei ihr sehr wichtig und habe sie immer in ihren Vorhaben unterstützt, erzählt Familienmensch Sibylle Boos. Sie lebt mit ihrem Mann und den zwei Söhnen seit fünf Jahren in Malters.

Beruflich hatte Boos stets Führungspositionen inne und musste so immer Arbeit und Familie unter einen Hut bringen: «Ohne Verständnis der Familie geht dies nicht und ist auch heute noch eine Herausforderung. Jedoch nicht mehr so wie vor 17 Jahren, als unser erster Sohn auf die Welt kam. Da war es noch eine Herkulesaufgabe.»