MALTERS: Felix Bachmann – Entwicklungshelfer in Bangladesch

Felix Bachmann aus Malters leistet seit 1988 in verschiedenen Ländern Entwicklungshilfe. Dabei war er nie ein Fan von Reisen

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Felix Bachmann (links) und andere Entwicklungshelfer bei einem Besuch  der Verwaltungseinheit in Bandarban im Südosten Bangladeschs im Oktober 2012. (Bild: pd)

Felix Bachmann (links) und andere Entwicklungshelfer bei einem Besuch der Verwaltungseinheit in Bandarban im Südosten Bangladeschs im Oktober 2012. (Bild: pd)

Mit einem entspannten Lächeln schreitet einem Felix Bachmann (53) entgegen – im Sennenhemd und mit Hosenträgern, die, wie er selber sagt, zu seinem Markenzeichen geworden sind. Den Beruf des Maltersers würde man aufgrund seines Erscheinungsbildes wohl nie erraten: Als Landesdirektor koordiniert er die Projektarbeit der Schweizer Entwicklungsorganisation Helvetas Swiss Intercooperation in Bangladesch. Derzeit macht Bachmann – wie jeden Sommer – Heimaturlaub in Malters – zusammen mit seiner Frau Annet (50) und den beiden Söhnen Tom (14) und Sam (12).

«Ich liebe Schwingfeste»

Auch wenn Bachmann leidenschaftlich von seiner Arbeit berichtet, detailliert erzählt, wo er welche Projekte umgesetzt hat, wie sich die Philosophie der Entwicklungshilfe in den letzten Jahren verändert hat und dass man den Einheimischen keine Projekte gegen ihren Willen aufdrücken könne – es waren nicht etwa die Liebe zum Reisen und der Drang, andere Kulturen kennen zu lernen, die den bodenständigen Schweizer zu seinem Beruf geführt haben. «Ich war nie ein Rucksacktourist. Als Kind und Jugendlicher habe ich die Ferien immer auf dem Bauernhof meiner Grosseltern verbracht, und bis heute liebe ich es, Schwingfeste zu besuchen», sagt Bachmann.

An der ETH studiert

Seine Herkunft aus einer Bauern- und Lehrerfamilie hat ihn dazu bewogen, an der ETH in Zürich Landwirtschaft zu studieren. Danach hat er als Assistent gearbeitet und doktoriert. Mitte der Achtzigerjahre führte ihn seine Arbeit zum Thema «Viehwirtschaft in den Tropen» erst nach Costa Rica und anschliessend nach Indien, wo er auch in Kontakt kam mit dem Hilfswerk Intercooperation, das 2011 mit der Helvetas fusionierte.

Der Rest ist Geschichte – eines habe einfach zum anderen geführt. «Ich wurde später angefragt, ob ich bei einem Entwicklungsprojekt in Indien mitarbeiten wolle, und bin im Januar 1988 da hin», erzählt Bachmann. Inzwischen hat der zweifache Vater auch bei Entwicklungsprojekten in Tansania mitgewirkt, eine Weile lang in der Zentrale der Intercooperation in Bern gearbeitet, war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule für Landwirtschaft in Zollikofen und Hausmann. Seit drei Jahren nun lebt er mit seiner Familie in Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs.

Dank seinem Beruf habe er 1997 seine Frau in Indien kennen gelernt. Seine Annet sei aus ähnlichem Holz geschnitzt – die Holländerin leistet ebenfalls Entwicklungshilfe. Abwechselnd arbeiten die beiden dabei in einem reduzierten Pensum, um Zeit für ihre Söhne zu haben.

Jetzt ist Wandern angesagt

«Es ist toll, den Söhnen jetzt Dinge näherbringen zu können, die ich mit meiner Jugend verbinde. Hier in der Schweiz gehen wir etwa wandern, und danach grillieren wir bei meinen Brüdern im Garten», sagt Bachmann stolz. Doch seine Ferien in Malters packe er jeweils nicht zu voll mit Aktivitäten. «Sommerzeit ist Besuchszeit. Wir verbringen die Ferien hier hauptsächlich gemütlich mit Freunden und Verwandten. In Bangladesch beklagen wir uns zwar darüber, dass es etwa keine Theater oder Konzerte gibt. Wenn wir dann aber in der Schweiz sind, gehen wir doch nicht ins Kino», sagt Bachmann und lacht.

Aktivere Ferien würde die Familie eher im Winter im asiatischen Raum machen, wobei die Reiselust Bachmann inzwischen durch seinen Beruf doch noch gepackt hat. «Es ist interessant, nach Jahren an Orte zurückzukehren, wo man einst gearbeitet hat und wo man manchmal sogar beobachten kann, dass die eigene Arbeit tatsächlich Einfluss auf die Entwicklung der Region genommen hat», sagt Bachmann, der sich eigentlich gar nicht als Entwicklungshelfer sieht. «Ich habe kein sonderlich ausgeprägtes Helfersyndrom. Ich sehe meine Arbeit als Teamarbeit an und gehe entsprechend mit den Leuten vor Ort um.»

Einheimische denken in Hierarchien

Die Helvetas beschäftigt neben Bachmann zwei weitere internationale Fachleute in Bangladesch. Bei den restlichen rund 100 Mitarbeitern handelt es sich um Einheimische. «Sie denken viel stärker in Hierarchien als wir», berichtet Bachmann. So hingen die Einheimischen stark an Titeln. «Mir ist mein Doktortitel nicht sonderlich wichtig. Meine Mitarbeiter legen aber grossen wert darauf, als ‹Manager› betitelt zu werden. Mir ist das egal, so lange sie ihre Arbeit machen», sagt Bachmann und lacht.

Nachbarin hat sich beschwert

Die kulturellen Unterschiede seien jedoch nicht immer nur angenehmer Natur, wie Bachmann an einem Beispiel festmacht: «Unsere einheimische Nachbarin hat sich kürzlich ziemlich bünzlimässig darüber beklagt, dass wir den Abfalleimer falsch vor die Tür gestellt hätten. Hinterher haben wir erfahren, dass sie es wohl als Affront empfunden hat, dass unsere Köchin einen eigenen Schlüssel zu unserer Wohnung hat. Dort schenken die Leute weniger gut Betuchten einfach kein Vertrauen.» Er nimmt es jedoch mit schelmischem Humor: «Während wir hier sind, macht unsere Köchin Ferien in unserer Wohnung. So haben wir jemanden, der die Wohnung hütet, und unsere Nachbarin kann sich grün und blau ärgern.»

Aleksandra Mladenovic