MALTERS: Modehaus Stocker: Eine Ära geht zu Ende

Ab Ende Juni ist das Modehaus Stocker Geschichte. Das Traditions- geschäft gab es über hundert Jahre lang.

Sandra Monika Ziegler
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Edgar und Vreni Stocker schliessen Ende Juni nach 38 Jahren ihr Modehaus in Malters. (Bild Boris Bürgisser)

Edgar und Vreni Stocker schliessen Ende Juni nach 38 Jahren ihr Modehaus in Malters. (Bild Boris Bürgisser)

Mit Herz und Blut betreiben Vreni und Edgar Stocker ihr Modehaus, und das schon seit 38 Jahren. Eine Familientradition bei Stockers, denn der Laden an der Bahnhofstrasse in Malters wird bereits in vierter Generation geführt. Doch Ende Juni ist nun endgültig Schluss. Vreni Stocker: «Wir konnten ein gut laufendes Geschäft übernehmen und hatten so auch gute 38 Jahre. Da wir keine Boutique sind, sondern ein Modehaus für den Alltag, kamen wir gut über die Runden.» Es sei nie steil nach oben gegangen, aber auch nicht nach unten. In die Räumlichkeiten kommt nun eine offene Werkstatt für Dekorationen. Die neue Mieterin wird ab 1. Oktober Dekorationen für Hotels, Restaurants und Firmen anbieten.

Türverkauf mit Tuchwaren

Die Geschichte von Mode Stocker begann 1895. Damals startete Elisabeth Stocker, die Urgrossmutter des heutigen Besitzers, mit dem Türverkauf von Tuchwaren und Mercerie. Und Grossvater Kaspar Stocker baute ein Verkaufs­geschäft mit Versandhandel und Massschneiderei auf. Edgar Stocker: «Damals machte man Geld mit dem Türverkauf. Mein Grossvater hatte vier Verkäufer im Aussendienst.» Die Eröffnung des Hauses Tuechhof 1921 konnte Kaspar Stocker jedoch nicht mehr erleben. Er starb 1920. Das Geschäft bekam den Namen K. Stockers Erben und wurde von einem Geschäftsführer geleitet. 1940 war mit Paul Stocker die dritte Generation am Ruder. Er reduzierte den Türverkauf zugunsten des Platzverkaufs. Edgar Stocker: «Mein Vater selber ging aber noch bis in die 80er-Jahre auf Reise und hatte schweizweit einen treuen Kundenstamm.»

Nähecke bringt Kundschaft

Der treue Kundenstamm blieb auch in der vierten Generation bestehen. Das Modehaus Stocker deckte viele Bereiche des Alltags ab. Von Kleinkind- zur Bett- und Tischwäsche, Vorhängen und Strickwaren, ja sogar Fasnachtsstoffe samt Zubehör und natürlich klassische Damen- und Herrenmode. Vreni Stocker meint scherzhaft: «Fast wie in einem Gemischtwarenhandel.» Ein wichtiger Grund, das Geschäft zu betreten, sei aber die Nähecke, so Vreni Stocker und fügt an: «Es gibt doch immer etwas zum Flicken. Bei uns war vom Knopf, zum Reisverschluss über den Faden alles zu haben. Jetzt müssen die Malterser nach Luzern oder Wolhusen für Mercerie-Artikel.» Doch von diesem Zweig allein hätte man nicht überleben können.

Klassisch-alltagstauglicher Stil

Modisch waren die Stockers immer mit dabei. Edgar Stocker: «Es kam auch schon vor, dass wir der Zeit voraus waren.» So waren zum Beispiel die Leggins im Angebot, bevor der grosse Hype kam. Es sei auch immer wieder vorgekommen, so Stocker, dass jemand etwas Modisches in den Ferien sah und das dann bei ihnen bestellte. Das sei so lange gut gegangen, bis der Onlineverkauf in Schwung gekommen sei. Sie selber hätten sich gegen einen Stocker-Onlineverkauf entschieden, weil sie den persönlichen Kontakt zu den Kunden bevorzugten. Mit den sinkenden Kleiderpreisen habe sich das Kaufverhalten aber drastisch verändert. Vreni Stocker: «Als die Pullover mit Stickereien en vogue waren, zahlten Kundinnen noch bis zu 160 Franken. Das wäre heute undenkbar. Kostet ein Pulli 60 Franken, wird schon zweimal überlegt. Wir sind eben keine Boutique mit Luxusmarken.»

Die Zeiten haben sich geändert

Um mithalten zu können, ist eine grosse Auswahl an Farben, Material und Schnitten nötig. Wenn aber der Lieferant die minimale Bestellmenge dauernd erhöht, könnten Modehäuser wie sie nicht mehr mithalten. «Stellen Sie sich nur mal vor, in Malters laufen zehn Frauen mit der gleichen Bluse rum. Das geht nicht, da bleibt die Ware liegen», veranschaulicht Vreni Stocker. Und Edgar Stocker liefert gleich noch ein Beispiel: «Wir hatten auch schon Lieferanten, die wollten gleich eine ganze Ecke mit ihren Marken einrichten und diese monatlich wechseln, doch das geht hier nicht.» Ihre Geschäftsphilosphie bestand auch darin, dass alles im Laden bezahlt ist.

Für das Ende von Mode Stocker hätten sie den richtigen Zeitpunkt gewählt, das sei keine Kurzschlusshandlung, sondern von langer Hand geplant. Vreni Stocker: «Wir liebten die Arbeit und den Kundenkontakt. Das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Junge Berufseinsteiger wollen heute weniger arbeiten und mehr verdienen.»

Sandra Monika Ziegler