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MALTERS: Sie wohnen im Kirchturm: Ein seltener Einblick ins Leben der Fledermäuse

Diesen Freitag findet in Malters ein Public Viewing der besonderen Art statt: Auf einer Grossleinwand können die im Kirchturm lebenden Fledermäuse beobachtet werden. So sollen auch Vorurteile abgebaut werden.
Links: Eine Mausohr-Fledermaus in der Kirche in Malters. Rechts: Der 97 Meter hohe Kirchturm. (Bild: PD)

Links: Eine Mausohr-Fledermaus in der Kirche in Malters. Rechts: Der 97 Meter hohe Kirchturm. (Bild: PD)

Wie Fledermäuse ganz genau aussehen, wissen wohl nur die wenigsten. Bekommt man das kleine Tierchen mal zu Gesicht, sieht man es höchstens kurz am dunklen Himmel vorbeiflitzen. Nicht so in Malters. Dort hat die Bevölkerung diesen Freitag eine seltene Gelegenheit: Mittels Liveübertragung aus dem Dachstock der Kirche St. Martin kann die Kolonie der Mausohren ungestört auf der Grossleinwand vor der Kirche beobachtet werden.

Organisiert wird das Public Viewing vom kantonalen Fledermausschutz Luzern. Installierte Infrarotkameras werden die scheuen und gefährdeten Tiere bei der Jungenaufzucht und bei den Vorbereitungen zur nächtlichen Insektenjagd begleiten.

Das schlechte Image der Fledermäuse

Noch immer ist das Bild der Fledermaus mancherorts oft negativ geprägt. So wird sie in Filmen oder Erzählungen oft als blutrünstiger, saugender Vampir dargestellt. Fledermäuse können sich aufgrund ihrer Echoortung in völliger Dunkelheit problemlos orientieren. Dieses Auftreten, gepaart mit der dunklen Kulisse, heizte die Ängste zusätzlich an. Für den kantonalen Fledermausschutz-Beauftragten Manuel Lingg (35) ist das Public Viewing in Malters deshalb eine gute Gelegenheit, Vorurteile abzubauen und für mehr Verständnis für die nachtaktiven Säugetiere zu werben. «Im grossen Estrich über dem Kirchenschiff der katholischen Kirche St. Martin ziehen jedes Jahr von Mai bis August rund 120 Muttertiere ihre Jungen auf.» Die Kirche besitzt mit 97,56 Meter den höchsten katholischen Kirchturm der Schweiz. Sie bot bereits vor der Renovation in den Jahren 1976/1977 mindestens 150 Mausohren eine Aufzuchtstätte. 2001 und 2002 wurde die Kirche abermals saniert, wobei auf die Mausohren besondere Rücksicht genommen wurde. «Mit Erfolg», wie Lingg betont, denn seither sei die Kolonie wieder auf über 120 Tiere angewachsen.

Der hohe Dachstock in Malters bietet den Fledermäusen aufgrund seiner Grösse verschiedene Hangplätze. Kühlere Ecken sind für die Tiere überlebenswichtig, kann es dort oben im Sommer doch bis zu 50 Grad heiss werden. Im Kanton Luzern gibt es insgesamt fünf Mausohr-Quartiere (sogenannte Wochenstuben), in denen zurzeit rund 1000 Mausohrmütter mit ihren Jungen leben.

Diejenige in Buttisholz ist mit einer knapp 600-köpfigen Kolonie im Estrich der Wallfahrtskapelle St. Ottilien zahlenmässig die bedeutendste der Innerschweiz. «Mausohren gehören zu den grössten Sorten der Fledermäuse», erklärt Lingg. Ihre Flügelspannweite betrage rund 40 Zentimeter, ihr Geburtsgewicht fünf bis sechs Gramm. Ausgewachsene Mausohren sind bis zu 40 Gramm schwer. Die Tiere können bis zu 30 Jahre alt werden. «Verglichen mit anderen Säugetieren ist das sehr alt.» Zeitlebens zögen die Weibchen ihre Jungen – es ist immer nur eines – in denselben Dachstöcken auf. Dort seien sie vor ihren natürlichen Feinden geschützt. Zu diesen gehören vor allem Katzen und Marder, Greifvögel eher selten. Damit kennt sich auch Monika Lachat (52) aus, die von ihrer Tochter mit dem «Fledermaus-Virus» angesteckt worden sei. Heute ist sie lokale Fledermausschützerin und betreut acht Gemeinden: «Uns werden viele Katzenopfer in die Fledermaus-Pflegestation gebracht.»

Fledermäuse werden auf Balkon aufgepäppelt

Anders als etwa in Zürich, wo sich die Pflegestation im Zoo befindet, päppelt Lachat verletzte, geschwächte oder junge Fledermäuse – momentan sind es deren acht – auf ihrem eigenen Balkon mit Mehlkäferlarven oder Muttermilchersatz auf. «Unser Ziel ist es, die gesunden Tiere möglichst schnell wieder in die Freiheit zu entlassen.» Aufgrund des neuen Tierschutzgesetzes dürfe man die geschützten Wildtiere nicht zu Hause behalten, ausser sie seien krank oder geschwächt.

Paarungszeit ist für die Fledermäuse im Herbst. «Sie lösen die Schwangerschaft jedoch erst im Frühling aus, wenn die Befruchtung im Körper des Weibchens stattfindet», erklärt Lingg. Insgesamt seien die Mütter bis zu acht Wochen schwanger, wobei das Junge immer freihängend zur Welt kommt. Wenn das Muttertier in der Nacht ausfliegt, um sich Nahrung zu beschaffen – Laufkäfer oder andere Insekten, die es meistens übers Gehör anhand der Raschelgeräusche ortet –, wird das Junge nahe der Turmmauer abgehängt, wo sich der gemeinsame «Kindergarten» befindet.

Eine wichtige Aufgabe des Fledermausschutzes ist die Öffentlichkeitsarbeit: «Wir bekommen oft Anrufe von Leuten, die sich über den Kot auf dem Fenstersims oder den Lärm beklagen.» Meistens könne die Situation in einem aufklärenden Gespräch entschärft werden. Da die Brutstätten der Tiere streng geschützt sind, ist eine Umsiedlung unmöglich. Abhilfe schaffen könne aber etwa bereits eine Blumenkiste auf dem Balkonsims, in welche die «Chegeli» reinfallen könnten.

Jeannette Voltz

region@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Das kommentierte Public Viewing ist diesen Freitag, 21 Uhr, bei der Pfarrkirche St. Martin in Malters.

Der 97 Meter hohe Kirchturm. (Bild: Pius Amrein (Malters, 11. November 2014))

Der 97 Meter hohe Kirchturm. (Bild: Pius Amrein (Malters, 11. November 2014))

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